Porträt
"Worpswede, Worpswede, Worpswede! Versunkene-Glocke-Stimmung! Birken, Birken, Kiefern und alte Weiden. Schönes braunes Moor, köstliches Braun! Die Kanäle mit den schwarzen Spiegelungen, asphaltschwarz. Die Hamme mit ihren dunkeln Segeln, es ist ein Wunderland, ein Götterland. (…) Du lebst ja überhaupt, Du Glückliche, lebst intensiv, das heißt: Du malst."
Mit euphorischen Worten beschrieb Paula Modersohn-Becker 1897 in ihrem Tagebuch ihre ersten Eindrücke vom Moordorf Worpswede, das durch die von Fritz Mackensen gegründete Künstlerkolonie weltberühmt werden sollte. Hingerissen von der Moorlandschaft vor den Toren Bremens traf die 22-jährige Paula Becker eine der wichtigsten Entscheidungen ihres jungen Lebens: Sie übersiedelte 1898 nach Worpswede und wurde Schülerin Fritz Mackensens.
Schülerin von Mackensen, [2:14]
Ausschnitt aus einem Dokumentarbericht von Jürgen Breest (1976).
Fritz Mackensen über Worpswede, [2:28]
Ein Jahr später schon, im Dezember 1899, durften Paula Becker und ihre Künstlerfreundinnen Clara Westhoff und Marie Bock eigene Arbeiten in der Bremer Kunsthalle zeigen. Eine Ausstellung, die allerdings von Arthur Fitger, dem damals berühmtesten Bremer Künstler und führenden Kunstkritiker in geradezu unflätiger Weise in Grund und Boden verdammt wurde:
"Unsere heutigen Notizen müssen wir leider beginnen mit dem Ausdrucke unseres tiefen Bedauerns darüber, dass es so unqualifizierten Leistungen wie den Studien von Marie Bock und Paula Boecker [!] gelungen ist, den Weg in die Ausstellungsräume unserer Kunsthalle zu finden.
(…) Für die Arbeiten der beiden Damen reicht der Wortschatz einer reinlichen Sprache nicht aus. Hätte eine solche Leistungsfähigkeit auf musikalischem oder mimischem Gebiet die Frechheit gehabt, sich in den Concertsaal oder auf die Bühne zu wagen, so würde alsbald ein Sturm von Zischen und Pfeifen dem groben Unfug ein Ende gemacht haben."
Arthur Fitgers Totalverriss vermochte den Schaffensdrang der jungen Künstlerin freilich nicht im Mindesten zu bremsen. Bereits in der Neujahrsnacht des Jahres 1900 brach sie zu ihrer ersten Paris-Reise auf, die zum Schlüsselerlebnis ihres Lebens werden sollte.
Wulf Herzogenrath über Paula Modersohn-Becker in Bremen, [2:01]
"Ich bin in Paris. (…) Alles saust und hastet um mich her in neblichter, feuchter Atmosphäre. Viel, viel Schmutz, innerlich, tief innerlich. Mir schaudert manchmal. Mir ist, als gehörte mehr als meine Kraft dazu, hier zu leben, eine brutale Kraft. Das ist mir aber nur manchmal so. Zu andern Zeiten wird es wonnig klar und mild in mir. Ich fühle eine neue Welt in mir erstehen."
Diesen Tagebucheintrag machte Paula Modersohn-Becker nach ihrer Ankunft in Paris. Am 1. Januar 1900 erreichte sie nach 17-stündiger Bahnfahrt Europas Kunstmetropole. In Paris traf sie die Freundin Clara Westhoff, die schon einige Zeit vorher zu Kunststudien hier eingetroffen war. Ein Umstand, der es Paula sicherlich erleichterte, sich in der neuen Umgebung einer umtriebigen Weltstadt zurecht zu finden.
Schnell fand sie den Weg zu eigenständiger künstlerischer Tätigkeit. Sie wurde Schülerin an der "Académie Colarossi", die heute berühmt ist unter dem Namen "Académie La Grand Chaumière". Nebenbei besuchte sie einen Anatomiekurs an der "École des Beaux-Arts". Ihr erstes Pariser Atelier bezog sie an der Rue Campagne Première. Im Louvre und in den Pariser Galerien sammelte sie vielfältige künstlerische Eindrücke und entdeckte das Werk Cézannes, das für die Entwicklung ihres eigenen euvres bedeutsam werden sollte.
Marina Bohlmann-Modersohn über Paula Modersohn-Becker in Paris, [5:02]
Paula Modersohn-Becker: Stilleben, [0:20]
Ausschnitt aus einem Dokumentarbericht von Jürgen Breest (1976).
Paula Modersohn-Becker: Paris-Aufenthalte und früher Tod
Worpswede, Paris und zurück
Paula Modersohn-Becker: Stationen einer Malerin von Welt
![Paula Modersohn-Becker [Quelle: Radio Bremen, Walter Weber] Paula Modersohn-Becker [Quelle: Radio Bremen, Walter Weber]](/kultur/portraets/modersohn-becker/paula102_v-mediateaser.jpg)
Paula Modersohn-Becker war eine der bedeutendsten Vertreterinnen des frühen Expressionismus. In den knapp vierzehn Jahren, in denen sie künstlerisch tätig war, schuf sie 750 Gemälde, etwa 1.000 Zeichnungen und 13 Radierungen, die die bedeutendsten Aspekte der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in sich vereinen.
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