Franz Radziwill
Am repräsentativen Gebäude der Gepäckabfertigung des "Norddeutschen Lloyd", das in den Jahren 1911 bis 1913 hinter dem Hauptbahnhof aus dunkelroten Ziegeln hochgezogen wird, mauert Franz Radziwill mit. Das Aufrichten von Wänden, das Verfugen, die exakte Arbeit mit Lot und Wasserwaage üben einen nachhaltigen Einfluss auf den jungen Radziwill aus. 1970 hat er darüber in einem Radio-Bremen-Interview erzählt: "Also ich möchte meine Lehre, wenngleich ich mal Jahre gehabt habe in der Meinung, dass die Zeit meiner Maurerlehre, meines Gesellen, dass die vertan worden wäre in meinem Leben, habe ich dann später Gott sei Dank die Erfahrung machen müssen, dass es eigentlich das Grundelement meiner Malerei geworden ist. Sie werden bei mir viel Architektur finden, sogar Mauerstücke, gemauert wird allenthalten, es gibt wohl kaum ein Bild, wo nicht ein Stück Mauerwerk ist, und oft sagen mir Betrachter meiner Bilder: 'Herrgott, was haben Sie das fein gegliedert, und wie haben Sie das eigentlich zusammengebaut!'"
An diesem repräsentativen Bau des Norddeutschen Lloyd hat Radziwill während seiner Lehrzeit mit gebaut.
Die erste grosse Lebenswende bringt der Erste Weltkrieg. 1915 wird Franz Radziwill eingezogen, als Sanitätssoldat klaubt er "für Gott und Kaiser" Verwundete und Tote von russischen und flandrischen Schlachtfeldern. Wenn die Kämpfe ruhen, malt er. Seine Motive sind die Unterstände der Soldaten, die fremden Landschaften. Die Schrecken des Krieges malt er nicht. Noch nicht. Gegen Kriegsende gerät er in britische Gefangenschaft. Und malt! "In der Gefangenschaft hatte ich schon die Möglichkeit, für die Engländer im Somme-Gebiet zu malen. Mit Farben, die wir auf den Schlachtfeldern noch fanden und dann mit Petroleum verdünnten. Die Pinsel machten wir uns selber, und ich bedaure heute, dass ich von diesen Bildern nicht ein einziges mehr habe und ich auch nicht weiß, so sie verblieben sind.
Erst viel später, 1934, verarbeitet er den Krieg in düsteren Gemälden wie "Das Grab im Niemandsland". Die Brustwehr eines Schützengrabens, dahinter ausgebleichte, knüppelartige Zaunpfähle, über die Stacheldraht gespannt ist. Das Gelände weiter hinten ist von Granattreffern zerwühlt, verkohltes Buschwerk erstreckt sich bis zum Horizont. Vorne, vor einem von unwirklichem Licht beschienenen Pfahl, ein deutscher Stahlhelm mit einem Markstück großen Loch über der Stirn und einem Riss. Jemand hat mit einem Nagel ein Stück Pappe an den Pfahl geschlagen, darauf steht: "Für das Vaterland". Über die Brustwehr huscht eine Ratte.
Franz Radziwill
Franz Radziwill (1895-1983) ist einer der großen Einzelgänger in der deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Der in Bremen aufgewachsene Maler ließ sich zunächst vom Expressionismus der "Brücke" anregen und entwickelte in den zwanziger Jahren seine eigene Bildsprache, den "magischen Realismus".
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