Franz Radziwill
"Wenn ich das alles überstanden habe, werde ich Maler...!" Das hatte sich Franz Radziwill im Krieg geschworen. Und er macht Ernst! Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft im Herbst 1919 stellt ihm ein kunstsinniger Friseur seine ehemalige Perückenmacher-Werkstatt in der Bremer Obernstraße zur Verfügung, nur einen Steinwurf von Markt und Roland entfernt. Hier bezieht Franz Radziwill sein erstes Atelier. Die frühen, sehr farbigen, expressionistischen Bilder des Autodidakten lassen Einflüsse Vincent van Goghs, aber auch Marc Chagalls erkennen. Arbeiten dieses weissrussisch-französischen Malers hatte Radziwill schon bei Bernhard Hoetger in Worpswede gesehen.Wie Chagall verzichtet Radziwill auf eine Zentralperspektive, die den Dingen ihren festen Platz im Bildraum zuweist. Stattdessen lässt er seine Motive schemenhaft schweben: "Ich sehe nie alle Dinge zugleich, sondern nur das Einzelne. Das einzelne Haus, wenn es auch im großen Garten steht, das ist nur grüne Fläche oder Rot oder Gelb, ja die Farbe seiner Stärke schwingt, aber ist einzeln und hat um sich nur den großen Raum der Fläche."
In Bremen hält es den Kriegsheimkehrer nicht lange. Schon bald zieht es ihn in die brodelnde Kunstmetropole – nach Berlin. Zusammen mit einem Freund, dem späteren Musikkritiker und Komponisten Hans Heinz Stuckenschmidt, reist er auf den Holzbänken der billigen vierten Klasse in die Hauptstadt. Stuckenschmidt hat Beziehungen. Er kennt den Grafiker George Grosz: "Mit George Grosz verband mich gleich eine echte kollegialische Gemeinschaft, und das Seltsame war: er kannte sogar Arbeiten von mir. Und zwar: ich hatte schon noch in meiner Bremer Zeit, bevor ich überhaupt nach Berlin kam, eine kleine Gruppe gegründet, das war 'Der Grüne Regenbogen', und dieser 'Grüne Regenbogen' hatte seine Kunsthändlerin Maria Kunde in der Mönckebergstraße in Hamburg. Und von dort her war also auch schon von mir was in die Öffentlichkeit gedrungen, und bei Maria Kunde interessierte sich vor allen Dingen der Kunsthistoriker Wilhelm Niemeyer und die Rosa Schapire, und die waren wieder sehr befreundet mit den "Brücke"-Leuten, und so kam ich dann mit Schmidt-Rottluff zusammen."
Rosa Schapire und Wilhelm Niemeyer sind die Entdecker des Malers Franz Radziwill: "Ganz selten ist es geschehen, dass ein junger Künstler so sicher und leicht den Weg zu sich und zu seinem Schaffen fand, wie Franz Radziwill, dass ein Beginnender mit so reicher Gabe aus Freude, Licht und Seele zu den Mitmenschen kam. In zwei Jahren des Schaffens entstand seitdem ein Bildwerk von erstaunlichem dichterischen Tiefsinn und blühender Augenschönheit." So schwärmt Wilhelm Niemeyer im März 1921 in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift "Die Kündung". Der junge Expressionist Radziwill ist für Niemeyer, den einflussreichen Kunsthistoriker und Sammler, ein Maler mit Zukunft. Der Experte orientiert sich um: In seiner Hamburger Wohnung hängt Niemeyer seine durchaus erlesene Sammlung von Gemälden des "Brücke"-Künstlers Schmidt-Rottluff ab und schmückt die Wände statt dessen mit frisch gemalten Radziwills, die er zunächst beim Künstler ausleiht.
Franz Radziwill
Franz Radziwill (1895-1983) ist einer der großen Einzelgänger in der deutschen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Der in Bremen aufgewachsene Maler ließ sich zunächst vom Expressionismus der "Brücke" anregen und entwickelte in den zwanziger Jahren seine eigene Bildsprache, den "magischen Realismus".
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