Heinrich Vogeler
Der feinsinnige Worpsweder Maler, Grafiker und Raumgestalter Heinrich Vogeler, dieser Erfolgskünstler des Deutschen Jugendstils, ist 5.000 Kilometer entfernt von seinem Geburtstort Bremen, im sowjetischen Kasachstan, elendig verhungert.
"Meine Reiseausstattung, Staffelei und zuguterletzt sogar meine Schere habe ich gegen Essen eingetauscht …"
Der letzte Dienst eines jungen Russen am sterbenden Vogeler war, ihm im Krankenhaus von Woroschilow Läuse vom Gesicht und seiner Decke abzupflücken.
In einem Viehwaggon hatten die Sowjets ihn ein Dreiviertel Jahr vor seinem Tod aus Moskau deportiert, denn Vogeler stand auf einer Todesliste der SS, und die nationalsozialistischen Truppen marschierten auf Moskau. Über sowjetische Radiosender hatte Vogeler zu seinen Landsleuten gesprochen:
"Ich lebe in Sowjet-Russland und habe hier die Möglichkeit, meine Kunst auszuüben. Die mordenden und raubenden Hitler-Gangster ziehen inzwischen von Land zu Land und zerstören die Kultur. Deutscher Künstler, für dich gibt es nur eins: Entfalte deine ganze Kraft, um den Hitler-Faschismus zu vernichten."
14. Juni 1942: Abschied von Heinrich Vogeler, [3:06]
Ein Beitrag von Harald-Gerd Brandt
Als Vogeler das sagte, waren seine politischen Wandmalereien, seine Fresken im Worpsweder Barkenhoff , dem einst legendären Künstlerwohnsitz, längst von braunen Horden heruntergehackt worden. Und während sich andere Worpsweder Künstler mit dem NS-Staat arrangierten, ließ der revolutionäre Träumer Heinrich Vogeler nicht davon ab, im stalinistischen Russland mit Worten und Bildern dem Kommunismus zu huldigen. Der Schriftsteller Thomas Mann über Vogelers Barkenhoff-Fresken:
"Diese Bilder…versinnbildlichen mit großer Inbrunst…einen Mythos, dem man aus eigenem Glauben nicht anzuhängen braucht, um ihn religiös zu respektieren…, den Mythos von der Erlösung der Welt, der unterdrückten Klassen und Völker durch die proletarische Revolution."
Das Erleben des mörderischen Ersten Weltkriegs als Kriegszeichner hatte Vogelers Leben umgekrempelt. Der sensible Schöpfer der Güldenkammer des Bremer Rathauses, der Designer von edlem Silberbesteck und feinen Möbeln des Bremer Bürgertums, der etablierte Worpsweder Maler brach in seiner Schrift "Proletkult" offen mit der Kunstrichtung, die ihn weltberühmt gemacht hatte:
"Wie in der Kunst der Jugendstil die unfruchtbare, nur Verwesungsvorstellungen hinterlassene Vergewaltigung der Natur war, so ist auch der Weltkrieg der verzweifelte wilde Versuch, die wahre schöpferische Natur des Menschen zu einer alles zerstörenden Macht umzuwandeln."
Seinen Genossen blieb der rote Schwärmer suspekt und die etablierte Kunstwelt war irritiert über seinen Spagat zwischen künstlerischer Grandiosität und profanem Agitprop. Deshalb starb Heinrich Vogeler sehr einsam, am 14. Juni 1942 in Kasachstan.
Video: Von Worpswede nach Kasachstan – Der Weg des Malers Heinrich Vogeler
Einstellungen, Infos und Kommentare
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Heinrich Vogeler
Maler, Architekt und Designer
Heinrich Vogeler
Heinrich Vogeler
![Heinrich Vogeler [Quelle: gemeinfrei] Heinrich Vogeler [Quelle: gemeinfrei]](/kultur/portraets/vogeler/vogeler124_v-mediateaser.jpg)
Johann Heinrich Vogeler wurde am 12. Dezember 1872 in Bremen geboren. Er war ein bedeutender Jugendstilkünstler, Maler, Grafiker, Architekt, Designer, Pädagoge und Schriftsteller. Aufgrund seiner sozialistisch-kommunistischen Gesinnung stand er während der NS-Zeit auf der Todesliste der SS. Sein Lebensweg endete tragisch im sowjetischen Exil. Er starb am 14. Juni 1942 im Krankenhaus Kolchos Budjonny bei Kornejewka, Karaganda, Kasachstan.
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