Theater am Goetheplatz
Operette – schon der Begriff klingt verstaubt. Mit Operetten, so die landläufige Meinung, kann man heutzutage nur noch, wenn überhaupt, ältere Semester ins Theater locken. Das muss aber nicht so sein. Bestes Beispiel war die Schmunzel-Schmonzette "Der Vetter aus Dingsda", die vor einem Jahr in Bremen Premiere hatte. Weil sie so frisch und mitreißend war und so gut ankam, legte das Theater jetzt nach. Am 3. Dezember hatte Franz Lehars "Das Land des Lächelns" Premiere am Goetheplatz. Margit Ekholt war dabei.
Premiere: "Land des Lächelns" in Bremen, [4:27]
Szene aus "Land des Lächelns"
Franz Lehars "Land des Lächelns" war die erste Operette ohne Happy End, deren Uraufführung in den 20er Jahren stattfand. Das heißt, man geht nicht so seelig-beschwingt heraus wie das beim "Vetter aus Dingsda" oder bei anderen Operetten der Fall ist. Regisseur Lukas Langhoff hat die dem Stück innenliegende Problematik deutlich herausgearbeitet: Es geht um den Zusammenprall zweier Kulturen.
Ein Operettenabend lebt natürlich von der Musik. Musikalisch wurde ein großartiger Abend geboten, ein Gipfeltreffen schöner Stimmen. Das Orchester, die Bremer Philharmoniker unter der Leitung von Florian Ziemen, spielte temperamentvoll und präzise. Erwähnenswert: Florian Ziemen wollte auch hier, wie beim "Vetter aus Dingsda", unbedingt die Originalfassung Lehars spielen. Er hat sich auf die Suche gemacht und die ursprüngliche Partitur tatsächlich aufgespürt – und zwar im Tresor des Bürgermeisters von Bad Ischl. Diese Version ist in Bremen erstmalig zu hören.
Regie führte der in Berlin lebende Lukas Langhoff. Er hat während der Ära Klaus Pierwoß mehrmals in Bremen inszeniert, darunter der unvergesslich witzigen Liederabend "All inclusive". Mit dem "Land des Lächelns" hat er sich zum ersten Mal in seinem Leben an eine Operette herangewagt.
Das Stück ist in Wien und Peking, im Jahr 1912, angesiedelt. Es geht um eine Liebe zwischen einem chinesischen Prinzen und der hübschen Wienerin Lisa. Sie folgt ihm ins Reich der Mitte, und dort müssen beide erkennen, dass sie aufgrund der kulturellen Unterschiede nicht zueinander passen.
Der erste Teil des Stücks ist wunderbar leicht inszeniert, mit vielen witzigen Einfällen. Es geht z.B. noch während der Overtüre los mit einer umwerfenden Slapstick-Nummer, bei der ein Hausmeister verzweifelt versucht, eine heruntergefallene Wandlampe wieder anzubringen. Oder etwas später: Bei einer Schmachtarie des chinesischen Prinzen kommen Putzfrauen und Garderobenfrauen auf die Bühne und sinken ohnmächtig zu Boden. Da ist es gelungen, den Kitsch wunderbar zu ironisieren.
Der zweite Teil ist deutlich ernster und düsterer. Und jetzt wird versucht, in dieses eigentlich heitere Genre der Operette gesellschaftlich relevante Inhalte zu implantieren, was schwierig ist und einen Bruch bedeutet.
Als Besonderheit treten 12 Jugendliche auf, eine Multikulti-Truppe, die die Brücke zur heutigen Realität schlägt. Sie tanzen anspruchsvolle Choreographien, die sich gut einfügen. An manchen Stellen wird dann aber doch das interkulturelle Thema sehr dick aufgetragen, zum Beispiel sehen wir einen jungen Türken und ein deutsches Mädchen in Hochzeitskleidung, die in ihrer Sprache ein Gedicht vortragen.
Begeisterter Applaus für die Darsteller und Musiker. Ein gelungener Operetten-Abend – berührend, interessant und unterhaltsam.
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