Neues Schauspielhaus Bremen
Szene aus "Leonce und Lena"
Georg Büchners Lustspiel "Leonce und Lena" entstand 1836 anlässlich eines Wettbewerbs der renommierten Cotta’schen Verlagsbuchhandlung. Büchner hielt die Abgabefrist nicht ein und schrieb bis zu seinem Tode noch an dem, auf den ersten Blick so leicht und märchenhaft daherkommenden Stück, das erst 1895 in München uraufgeführt wurde.
Leonce und Lena - Schauspielhaus Bremen, [3:43]
Ein Vorbericht von Margit Ekholt
Zentrales Thema des Stückes sind innere Zustände wie Müßiggang, Langeweile und Leere. Darum herum rankt sich eine eher dünne Story, die Geschichte von zwei melancholisch-traumverlorenen Königskindern, die heiraten sollen. Sie fliehen vor der Enge des Hofes und vor der verordneten Vermählung, finden aber, begleitet von einem Hofnarren, am Ende zueinander und übernehmen die Regentschaft.
Auf der Bühne des Bremer Schauspielhauses liegt ein riesiger, grell-leuchtender Buchstabe: ein umgefallenes "P". Das P findet sich als Markenlogo auch auf Tragetaschen und den Anzügen der eifrigen Bediensteten. Rechts auf der Bühne ein Wohnwagen, links hat ein Barde auf einem überdimensionalen dunkelroten Thron Platz genommen und begleitet das Geschehen mit Gitarre und Gesang. Die gesamte Adelskaste wird in ihrer ganzen Lächerlichkeit durch den Kakao gezogen. Vom völlig überforderten König Peter mit Kassenbrille und Strumpfhaltern bis zu den schleimig-untertänigen Hofmeister und Bediensteten.
Unter der harmlosen Folie der Komödie verbirgt Georg Büchner bissige Kritik am nichtsnutzigen Adel. Ein Thema, das uns heute nicht mehr beschäftigt, könnte man meinen. Aber dekadente Machthaber sterben nie aus, meinen Mija Biel und Joerg Zboralski, die das Stück in Bremen gemeinsam inszenieren:
"Wir zeigen eine Farce auf Herrscher, wir zeigen ein marodes Reich. Autoritäre Figuren, die nur um ihren eigenen Bauchnabel kreisen, auf Kosten des Volks. Also wir schneiden scharf in dieses monarchische Milieu dieser Müßiggänger und Egozentriker."
Mit Slapstick, krassen Überzeichnungen und verspielter Albernheit sorgen Mirja Biel und Jörg Zboralski für Tempo und Unterhaltung. Und sie haben einige schöne Einfälle auf der Bühne umgesetzt.
Zum Beispiel sehen wir Leonce als Projektion auf dem weißen Wohnwagen dabei zu, wie er drinnen hinter der verschlossenen Tür agiert. Videoeinspielungen und heutige Requisiten, wie die im Stück allgegenwärtigen Getränkedosen, verpassen dem rund 180 Jahre alten Stück moderne Frische.
Sowohl bei der Zeichnung einzelner Figuren als auch sprachlich und zum Teil auch inhaltlich hat das Regieteam eine eigene Fassung für die Bremer Bühne entwickelt. So zieht sich der von Valerio geäußerte Traum, wonach niemand mehr arbeiten muss, als naive Utopie durch das ganze Stück: "Und deshalb fordere ich das Recht auf demokratische Arbeitsunlust…".
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