Partitur rekonstruiert
Ein Paukenschlag für die Brahms-Forschung: Im Archiv der Bremer Philharmoniker haben Musikwissenschaftler Abschriften einer Frühfassung des "Triumphliedes" Opus 55 von Johannes Brahms gefunden. Dies, so der Musikwissenschaftler Professor Ulrich Tadday von der Universität Bremen, sei "sicherlich der größte Fund der letzten Jahrzehnte".
Mehrere Violin-Stimmen aus dem in Bremen gefundenen Orchestersatz.
Gemeinsam mit seiner Kollegin Katrin Bock hatte er den Fund gemacht. Im Rahmen der Recherche für eine Dissertation waren die Forscher schon im vergangenen Jahr auf die Materialien gestoßen. Es handelt sich um sogenannte Aufführungsmaterialien, also um einen umfangreichen Satz Noten, aus dem das damalige Sinfonieorchester und der Chor musiziert haben. Eine Partitur, also die alle Stimmen enthaltenden Noten für den Dirigenten, war nicht unter den Funden.
In aufwändiger Kleinarbeit haben die Bremer Wissenschaftler aus den Einzelstimmen nun wieder eine Partitur editiert. Dies war eine Mammutaufgabe – schließlich wichen zahlreiche der handgeschriebenen Stimmen voneinander ab, etwa die dutzenden Streicherstimmen oder die rund 50 Chorstimmen. Die Forscher mussten durch Vergleiche und Quellenforschung bis ins Detail die wahrscheinlichste Variante herausfinden.
Prof. Dr. phil. Ulrich Tadday
Nun liegt das auf diese Weise rekonstruierte Werk als Partitur vor, und das, so Ulrich Tadday, unterscheide sich "ganz erheblich" von der späteren "offiziellen" Version des "Triumphliedes", die Brahms bei seinem Berliner Verleger Nikolaus Simrock 1872 veröffentlichte. Nicht nur die Instrumentierung sei unterschiedlich (so sieht die Bremer Version kein Kontrafagott und keine Tuba vor), auch die musikalische Substanz sei ganz anders.
"Wenn Sie mit der Partitur der späteren Fassung eine Aufnahme der nun entdeckten Fassung verfolgen würden, flögen sie nach 40 oder 50 Takten raus", sagte Tadday im Gespräch mit Radio Bremen. Auch für Laien sei dies ohne Weiteres hörbar, denn "Brahms hat die Frühfassung für die Veröffentlichung nicht einfach abgeschrieben, sondern in wesentlichen Teilen neu komponiert". Die neue Entdeckung wird nun als "Bremer Fassung" veröffentlicht.
Für die Brahms-Forschung ist der Bremer Fund auch deswegen höchst wertvoll, weil Brahms "um seine Kompositionspozesse ein Geheimnis gemacht hat", so Tadday. Er habe seine Skizzen nicht aufbewahrt und seine Vorfassungen vernichtet – bisher war die "Komponistenwerkstatt Brahms' eine Black Box für uns", erklärt der Bremer Musikwissenschaftler. "Die nun gefundene Frühfassung erlaubt uns ungeahnte Einblicke".
Video: Musikwissenschaftliches Puzzle gelöst
Einstellungen, Infos und Kommentare
Ausgerechnet in Bremen wurden die Noten gefunden, weil Brahms einen Teil des "Triumphliedes" hier uraufgeführt hat. Zur Philharmonischen Gesellschaft der Hansestadt unterhielt der gebürtige Hamburger gute Kontakte. Auch eine erste Fassung seines berühmten "Deutschen Requiems" führte Brahms im Bremer Dom erstmals auf. Bei der angesehenen Philharmonischen Gesellschaft ließen noch weitere Komponisten ihre Werke uraufführen.
So erklang eines der bis heute bekanntesten großen Violinkonzerte, das g-Moll-Konzert von Max Bruch, an der Weser zum ersten Mal.
Brahms-Projektseite der Universität Bremen
Gespräch mit Ulrich Tadday, Musikwissenschaftler der Uni Bremen, [5:11]
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