Die Situation des Bremer Theaters
Das Theater Bremen ist im Umbruch. Intendantenwechsel, knappe Finanzen, hoher künstlerischer Anspruch: Das Publikum wird offenbar nicht so erreicht, wie es der neue Theaterchef Michael Börgerding erwartet hat. Woran liegt das? Hat er den Anspruch, die "breite Masse" anzusprechen? Der Intendant nahm im Radio-Bremen-Magazin "buten un binnen" dazu Stellung.
Video: Michael Börgerding im buten-un-binnen-Interview
Einstellungen, Infos und Kommentare
Radio-Bremen-Kultur-Redakteurin Margit Ekholt ist eine langjährige Beobachterin der Bremer Theater-Szene. Ihre Einschätzung zur aktuellen Lage des Theaters lesen Sie hier:
Radio Bremen: Sie beobachten die Szene schon viele Jahre. Der neue Intendant ist ohne Zweifel ein Intellektueller. Will er "den Zuschauer" und dessen Bedürfnis befriedigen?
Margit Ekholt: Was ist "der Zuschauer" und was ist sein Bedürfnis? Ich denke, die Startbedingungen waren denkbar schwierig, da das Bremer Theater jahrelang wegen finanzieller Probleme in den Negativ-Schlagzeilen war und mehrere Intendantenwechsel zu verkraften hatte. Da haben sich viele Bürger vom Theater abgewandt.
Der Auftakt der Spielzeit mit schwierigen Produktionen wie der Kinderoper "Wo die wilden Kerle wohnen" und einem Tanzfestival war nicht glücklich. Auch die Operette "Die Banditen", als ironischer Comic inszeniert, hatte auf Teile des Publikums eine abschreckende Wirkung. Derzeit scheint es mir so zu sein, dass viele potentielle Besucher noch abwarten und dass das Vertrauen noch aufgebaut werden muss. Ich habe aber den Eindruck, dass dem Intendanten und seinem Team dies auch klar geworden ist.
Radio Bremen: Hat sich das Programmangebot des Bremer Theater denn wirklich so verändert, dass sich mehr Menschen angesprochen fühlen?
Margit Ekholt: Das Programmangebot hat sich stark verändert. Neben dem Kernprogramm (Oper, Schauspiel) kommen Angebote wie Disco, Pop-Konzerte, Partys und Diskussionsabende dazu. Das Theater sucht den Kontakt zum Publikum. Es spricht aber nach meinem Eindruck eher Intellektuelle und eine studentische Klientel an. Was fehlt, sind Angebote für ein breiteres Publikum, das sich einfach nur amüsieren und unterhalten lassen will.
Radio Bremen: Nach der kurzen Episode von Hans-Joachim Frey als Intendant, der vor allem mit seiner Person Schlagzeilen gemacht hat, wurde das Theater Bremen für den Rest der eigentlichen Frey-Intendanz von den Spartenleitern kommissarisch geführt. In dieser Zeit war das Bremer Theater nicht sehr oft in den Schlagzeilen. Hat sich daran unter Börgerding etwas geändert?
Margit Ekholt: Ich habe nicht den Eindruck, dass das Theater aus der Berichterstattung verschwunden ist. Klar: Früher sorgte es aufgrund von immer neuen Schulden für Negativ-Schlagzeilen, die auch diejenigen Bürger erregten, die mit Theater nichts am Hut haben. Heute geht es mehr um inhaltliche Themen und die verschwinden auf den hinteren Kulturseiten. Vielleicht müssten öfter mal Promis im Theater auftreten, mit denen es das Theater auf "Seite 1" schafft. Aber Promis kosten natürlich Geld...
Radio Bremen: Intendant Börgerding hat zugesagt, dass er kein zusätzliches Geld braucht und das Theaterangebot in Bremen sichert. Nicht mehr und nicht weniger. Reicht das?
Margit Ekholt: Das ist die Minimalleistung. Natürlich wünscht man sich mehr und ich bin sicher, dass das auch noch kommt. Börgerding und sein Team stehen noch am Anfang ihrer Arbeit in Bremen. Dieses Team ist teilweise geprägt von den Erfahrungen am Thalia-Theater in Hamburg, wo Börgerding und auch sein Schauspielleiter Benjamin von Blomberg früher als Dramaturgen tätig waren. Man muss ihnen Zeit geben, um noch mehr Erfahrungen für Ihre Arbeit an einem Stadttheater zu sammeln. Darüber hinaus ist beim Stammpublikum eine gewisse Skepsis zu spüren, die erst einmal überwunden werden muss.
Radio Bremen: Börgerding hat zu Beginn seiner ersten Spielzeit im Sommer 2012 ein Symbol der Vergangenheit ausgegraben: den Pfeil des "Bremer Teaters" (ohne "h") von der damaligen Intendanten-Legende Kurt Hübner. Der Pfeil sollte ein Zeichen setzen. Ist das gelungen?
Margit Ekholt: Ich glaube, es ist noch zu früh für solche Beurteilungen. Übrigens waren die Besucherzahlen während der Intendanz von Kurt Hübner auch nicht berauschend.
Radio Bremen: Was sind Börgerdings inhaltliche Ziele?
Margit Ekholt: Er will das Theater öffnen für die Stadt und alle Bürger. Das Theater soll alle relevanten Themen der Stadt aufnehmen und zum Austausch der Meinungen einladen. Aber auch die Unterhaltung soll nicht zu kurz kommen.
Radio Bremen: Es gibt Leute in der Theaterwelt, die angeblich darüber lästern, dass Börgerding ein unbefristetes Rückkehrrecht in seine alte Position als Leiter der Theaterakademie in Hamburg hat. Wenn dem so ist: Wie ernst ist es Börgerding mit seiner neuen Aufgabe?
Margit Ekholt: Nach meinem Eindruck ist es ihm sehr ernst, und er geht mit viel Herzblut und Engagement ans Werk.
Radio Bremen: Ist das Publikum in Bremen von dem Stil der neuen Stücke enttäuscht und vielleicht auch überrascht worden. Hätte das Publikum besser informiert und darauf eingestimmt werden müssen?
Margit Ekholt: Es ist sicher richtig, dass die Kommunikation verbessert werden muss. Allerdings sehe ich viele gute Ansätze. Zum Beispiel gibt es vor den Vorstellungen oft Einführungen, und es gibt die "Frühstücke" am Sonntag, in denen über die bevorstehenden Premieren gesprochen wird. Allerdings geschieht das manchmal über die Köpfe der Zuhörer hinweg. Dass heißt: Dramaturgen und Regisseure sprechen so miteinander, dass der Zuhörer wenig konkrete Bilder und Kenntnisse mit nach Hause nehmen kann.
Radio Bremen: Wie sollte Ihre Meinung nach ein "Massentheater" aussehen, damit es kommerziell erfolgreich ist?
Margit Ekholt: Das Bremer Theater ist ein Stadttheater. Das heißt, es wird von allen Steuerzahlern der Stadt finanziert. Es soll möglichst allen etwas bieten und hat zudem einen Bildungsauftrag. Es muss deshalb Angebote für alle geben – vom Hochschulprofessor bis zur Verkäuferin, vom Schüler bis zum Rentner. Es kann nicht sein, dass Menschen, die Lust auf Theater haben, zum Stadttheater Bremerhaven fahren oder ins Theaterschiff gehen müssen, weil sie in ihrem Stadttheater nichts Passendes finden.
Das heißt, auf einen Stadttheater-Spielplan gehören auch Boulevardstücke wie vor einigen Jahren "Mein Freund Harvey", das immer ausverkauft war. Dazu müssten klassisch inszenierte Opern und Musicals kommen, genauso wie auch künstlerisch niveauvolle Produktionen, experimentelles Theater und polarisierende Inszenierungen.
Radio Bremen: Schließen sich Anspruch und Massentauglichkeit aus?
Margit Ekholt: Nein. Auch unterhaltsame, spannende Stücke können zum Nachdenken anregen. Im Übrigen hat das Bremer Theater ein tolles Potenzial mit wunderbaren Sängern, Schauspielern und Tänzern.
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