Ausstellung "Graben für Germanien"
Vom 10. März bis 8. September 2013 ist im Bremer Focke-Museum die Ausstellung "Graben für Germanien. Archäologie unterm Hakenkreuz" zu sehen. Uta Halle ist Professorin an der Universität Bremen für Ur- und Frühgeschichte und Bremer Landesarchivarin und Abteilungsleiterin am Focke-Museum für Ur- und Frühgeschichte. Als Ideengeberin für die Ausstellung gehörte sie zu den Teilnehmern einer Expertenrunde, die im Vorfeld dieser Ausstellung in Berlin statt fand.
Gesprächsrunde (v.l.:) Moderator Theo Schlüter; Prof. Dr. Stefanie von Schnurbein; Prof. Dr. Alexander Koch und Prof. Dr. Uta Halle
Gespräch mit Uta Halle: Graben für Germanien, [6:02]
Das Weltbild der Nationalsozialisten war in sich völlig geschlossen. Was wie sein musste, wurde einzig von der Ideologie des Deutschseins getragen und das gründete sich nach der Meinung der Nazis auf das Germanentum. Also galt es die eigene Geschichte historisch zu untermauern. Von der Suche nach Zeichen und Symbolen einer germanischen Hochkultur war auch die Wissenschaft beseelt, nicht zuletzt die Archäologie. Das Bremer "Focke-Museum" wird sich ab März in einer großen Sonderausstellung "Graben für Germanien – Archäologie unterm Hakenkreuz" mit diesem Teil deutscher Geschichte beschäftigen. Am 31. Januar fand in der Bremer Landesvertretung in Berlin eine Podiumsdiskussion statt. Nordwestradio-Moderatorin Katrin Krämer hat mit der Ideengeberin der Schau gesprochen.
Katrin Krämer: Wie tief mussten Sie denn graben um auf das Thema NS-Archäologie zu kommen oder drängte sich das geradezu von selbst auf?
Uta Halle: Nein, so ganz von selbst hat sich das nicht aufgedrängt. Aber ich hatte vor 20 Jahren mal so eine Idee im Kopf mich mit den Externsteinen zu beschäftigen. Die galten seit der NS-Zeit als germanisches Heiligtum und ich hatte bei einer Fundbesichtigung im Detmolder Landesmuseum gesehen, dass das alles mittelalterliche Funde waren. Da habe ich gedacht, man muss man eigentlich mal forschen, wieso die Funde mittelalterlich sind, es aber immer heißt, das sei ein germanisches Heiligtum. Und von daher habe ich 1993 angefangen mich mit dieser Thematik stärker auseinanderzusetzen. Ich habe dann auch mein Bild vom Nationalsozialismus stark ändern müssen.
Katrin Krämer: Inwiefern?
Uta Halle: Ich bin aufgewachsen mit einem Bild, dass man in der NS-Zeit überhaupt nur unter Druck etwas gemacht hat, weil der Staat alles kontrolliert hat. Und man auch nichts dagegen sagen durfte, weil man sonst sofort ins KZ gekommen wäre. Und auch in der archäologischen Wissenschaft ist dieses Bild tradiert worden. Da hieß es: Wir haben nur mit der SS zusammengearbeitet weil wir als Archäologen verhindern wollten, dass das Fach noch schlimmer an die Nationalsozialisten ausgeliefert wird als auf der anderen Seite, der anderen Fraktion im Amt Rosenberg. Ich habe dann Briefe im Bundesarchiv, im Staatsarchiv in Detmold, im Hauptstaatsarchiv in Hannover gesehen, die eine ganz andere Sprache gesprochen haben. Die gezeigt haben, wie die Archäologen sehr selbstverständlich diesem Staat zugearbeitet haben. Wie da von Druck im Grunde genommen überhaupt nichts zu spüren ist. Wie die bereitwillig Briefe schreiben, an Heinrich Himmler z.B. und sagen wir müssen jetzt mal die germanische Besiedlung da und da erforschen. Denn dann können wir ein Ggoßgermanisches Reich wie es in der NS-Sprache hieß, nachweisen. Man kann das fast als Legitimation auslegen.
Katrin Krämer: Man kann schon sagen Frau Halle, das Ganze war nichts weiter als ein Mythos für den man aber Beweise gesammelt hat. Um was für Fundstücke handelt es sich bei denen, die die Archäologen dann zu Tage gefördert haben?
Uta Halle: Also die Archäologen haben unterschiedliche Fundstücke aus allen Zeiten zu Tage gefördert. Und man muss auch sagen, sie haben es im Grunde genommen als germanisch deklariert obwohl sie wussten, es muss eigentlich anders bezeichnet werden. Denn auf keinem unserer Keramikfundstücke, auch aus dieser Zeit, steht drauf: Mich hat ein Germane gemacht und ich bin von daher gesehen germanisch. Wir versuchen anhand von Keramikverzierungen, Kulturen, wie auch immer sie sich zusammensetzen, herauszuarbeiten. Und das haben die Archäologen eigentlich schon gewusst, dass die Germanen quasi ein Konstrukt sind.
Katrin Krämer: Aber es wurde ihnen eben gerne geglaubt. Wie haben Sie da jetzt die Verbindung zu Bremen ziehen können?
Uta Halle: Die Verbindung zu Bremen ergibt sich im Grunde genommen daraus, dass wir in Bremen zwei Museen haben, die Ur- und Frühgeschichtliche Funde gezeigt haben. Das ist zum einen das Väterkundemuseum in der Böttcherstraße gewesen, gegründet von Ludwig Roselius, aufgebaut mit archäologischem Sachverstand, den er sich eingekauft hat. Dann haben wir im Focke-Museum 1937 eine neue Abteilung bekommen, eine Ur- und Frühgeschichtliche Abteilung, in der dann auch die archäologischen Funde präsentiert worden sind.
Katrin Krämer: Und das ist ja immer eine Frage, wie man solche Exponate dann heute präsentiert. Schlicht oder pompös – was für einen Leitfaden haben Sie für diese Ausstellung gefunden?
Halle: Das ist ziemlich schwierig eine solche Ausstellung rüberzubringen, weil man kann mit bestimmten Farben überhaupt nicht arbeiten. Weil die sind sofort negativ besetzt und die wollten wir auch nicht. Wir haben uns auf ein sehr nüchternes Konzept geeinigt. Wir haben einen Entwurf bekommen von einem Gestaltungsbüro aus Stuttgart, die uns sehr nüchtern und sachlich das auch darstellen lassen. Die auf der einen Seite zeigen, wie die Germanen im NS-Staat verherrlicht worden sind – mit Hilfe der Archäologen. Aber auf der anderen Seite halt auch die dunkle Seite zeigen, wie die Germanen dann auch dazu dienen mussten, im Krieg als Legimitation für Expansionsbestrebungen des NS-Staates zu dienen.
Graben für Germanien
10. März bis 8. September 2013
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