200. Todestag
Dramatiker, Dichter, Publizist – zudem der Wegbereiter der literarischen Moderne: Heinrich von Kleist, geboren 1777 in Frankfurt, zählt zu den wichtigsten Autoren deutscher Sprache. Im Kleist-Jahr erinnern Wissenschaftler, Schriftsteller und Autoren an eine Persönlichkeit, die bis heute für Aufgeschlossenheit und Experimentierfreude steht, aber auch die Zerrissenheit europäischer Geschichte repräsentiert.
Der Dichter Heinrich von Kleist (1777-1811)
Warum fasziniert uns die Sprache dieses Dichters bis heute? Was packt uns angesichts einer Weltsicht, die sich oft genug ins Extreme steigerte und auch vor Hasstiraden nicht zurückscheute? Möglicherweise macht Kleist uns vor allem deshalb immer wieder neugierig, weil er sich wie kaum ein anderer der Suche nach Selbsterkenntnis und Freiheit verschrieb. Weil er alle Strömungen seiner Zeit mit jener zerstörerischen Intensität erlebte, die ihn letztlich zugrunde richtete. Weil er auch dem nervösen Menschen des 21. Jahrhunderts immer wieder den Spiegel der Selbsterkenntnis vorhält und uns vor Augen führt, dass alle idealistischen Vorstellungen vom Individuum letztlich nur ein Maß kennen: Wie nämlich es um das tatsächlich Verhalten der Menschen bestellt ist.
Das Kleist-Jahr 2011 nehmen diverse Biografen zum Anlass, den Dichter aus neuen Blickwinkeln zu portätieren. Günter Blamberger ist ausgewiesener Kleist-Experte, Vorsitzender der Kleist-Gesellschaft und veröffentlichte kürzlich eine neue Biografie über den Autor mit dem bewegten Leben. Er erklärt, warum Kleist in gewisser Weise immer noch gegenwärtig ist, weshalb er im modernen Sinne ein "Projektemacher" war - und was ihn zu Lebzeiten zum Außenseiter machte.
Am 21. November 1811 nahm sich Heinrich von Kleist im Alter von nur 34 Jahren am Berliner Wannsee das Leben. Zuerst erschoss er seine Begleiterin Henriette Vogel, danach sich selbst. Der Nachhall beider Schüsse ist in der Literaturgeschichte bis heute gewaltig. Diesem traurigen Ende haben sich viele Biografen im Jubiläumsjahr noch einmal neu angenommen. Auch Adam Soboczynski in seinem Buch "Vom Glück des Untergangs". Elke Schlinsog stellt es vor.
Adam Soboczynski: "Kleist. Vom Glück des Untergangs", [3:54]
Buch-Tipp von Elke Schlinsog
Ausgabe "Die Horen" zum Thema Kleist
Der stets Zweifelnde Heinrich von Kleist hinterließ seiner Nachwelt ein rätselhaftes, tiefgründiges und vor Widersprüchen nur so pulsierendes Werk. Es scheint so, als habe seine Berühmtheit im Lauf der vergangenen zwei Jahrhunderte ständig zugenommen. Heute wird der als ein zutiefst moderner Intellektueller und Künstler wahrgenommen. Schriftsteller Johann P. Tammen, Bremerhavener und Herausgeber der Literaturzeitschrift "Die Horen", erklärt seine Sicht auf den Dichter.
Zu Kleists 200. Todestag: Gespräch mit Johann P. Tammen, [6:39]
Homepage der Literaturzeitschrift "Die Horen"
Peter Michalzik, Theaterkritiker der Frankfurter Rundschau und Autor der neuen Kleist-Biographie "Kleist. Dichter, Krieger, Seelensucher" erklärt, warum Kleists Sprache bis heute so erfolgreich ist und buchstäblich süchtig macht. Die Gegensätze zwischen Zartheit und Brutalität sind faszinierend modern - und vor allem die Vielseitigkeit des Dichters hat sein Werk geprägt. Kleist durchlebte alle Strömungen seiner Zeit besonders intensiv und macht sie dadurch auch den heutigen Generationen verständlich.
Auf den Spuren von Heinrich von Kleist
Literarischer Stadtspaziergang
21. November 1811, [3:00]
"As time goes by" zum Selbstmord Heinrich von Kleists
Die Marquise von O.
Hörspiel nach dem gleichnamigen Text von Heinrich von Kleist
Heinrich-von-Kleist-Portal
Das Kleist-Jahr 2011
Homepage: Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft
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18:30 Uhr, Nordwestradio:
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Niederdeutsches Hörspiel
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