Kulturpolitik in Bremen
Am 28. Juni 2011 haben SPD und Grüne in Bremen den Koalitionsvertrag unter Dach und Fach gebracht. Eine eher bescheidene Rolle spielt in dem Papier die Kultur. Von den 140 Seiten, die der neue Koalitionsvertrag umfasst, sind gerade einmal vier der Kultur gewidmet. Dazu Anmerkungen von Margit Ekholt:
Das Kulturkapitel im Bremer Koalitionsvertrag , [2:39]
Vier Seiten für die Kultur - das ist nicht viel. Doch schauen wir auf die Inhalte. Immerhin werden in dem fraglichen Kapitel die Städte Bremen und Bremerhaven als "Kulturstädte" bezeichnet. Mehrfach wird hervorgehoben, wie wichtig und wertvoll die Kultur für das kleinste Bundesland ist, und es wird auch nicht vergessen, dass Kultur einen Eigenwert einbringt – dass sie also nicht nur Mittel zur Tourismus- und Wirtschaftsförderung sein darf.
Wie für alle anderen Ressorts gilt auch für die Kultur, dass die Möglichkeiten der Gestaltung geprägt sind vom enormen Spardruck. Luft verschaffen wollen sich die Koalitionäre durch eine noch nicht näher beschriebene Tourismusabgabe, die zusätzliche Einnahmen bringen soll. Damit könnte so etwas wie die sogenannte Bettensteuer gemeint sein, die bei Hotelübernachtungen fällig wird.
Was ist sonst noch neu? Die Öffnung der Stadtbibliothek an weiteren Sonntagen soll geprüft werden, ein Entschädigungsfonds für Kunstwerke aus jüdischem Besitz wird als wünschenswert betrachtet. Um das ehrenamtliche Engagement weiter zu fördern, denkt Rot-Grün über eine kostenlose Unfall- und Haftpflichtversicherung für Ehrenamtliche nach.
Auffällig bei der Lektüre ist der Wunsch nach mehr Teilhabe an Kunst und Kultur für Leute mit kleinem Geldbeutel sowie die Betonung der Bedeutung von Breitenkultur und kultureller Bildung. Musik, Theater und bildende Kunst sollen mehr in den Schulunterricht eingehen als bisher. Auch Kulturtickets und sogenannte Flatrates bis hin zum freien Museumseintritt für Schüler und Studenten stehen auf der Agenda.
Rot-Grün will kleine Projekte und Initiativen mehr unterstützen, und leerstehende Gebäude sowie freie Flächen zur Zwischennutzung freigeben. Dagegen erfährt die Unterstützung der privatwirtschaftlichen Theater, sprich Packhaus- und Waldautheater, eine klare Absage.
Insgesamt ist das Kultur-Kapitel geprägt von Pragmatismus und kleinen Schritten. Was eher kurz kommt, ist ein Geist des Aufbruchs, eine klare Programmatik, eine Projektionsfläche für Visionen. Zu einem breiten Kulturverständnis gehören Bildung ebenso wie Wissenschaft und Populärkultur. Hier könnten die rot-grünen Kulturpolitiker noch mehr Zeichen setzen.
Vielleicht ist es Sache der Kulturschaffenden selbst, hier einen neuen Diskurs in Gang zu bringen. Vor Jahren einmal gab es die Kulturinitiative "Anstoß", die zu hitzigen Diskussionen über die Kultur in Bremen provozierte. So etwas fehlt heute.
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