Bremer "Viertelfest" schrumpft
Das Viertelfest in Bremen wird es in diesem Jahr nur an einem Tag geben. Das haben die Veranstalter beschlossen. Die Reaktion der Radio-Bremen-Freunde bei Facebook auf diese Nachricht ist durchaus kontrovers. Die Kritik an der Entscheidung, das Viertelfest erheblich zu verkleinern, überwiegt:
Vom Viertelfest bleibt in diesem Jahr nur ein Drittel.
Haupt-Argument ist, dass Bremen noch viele andere kulturelle Highlights biete: Breminale, Musikfest und mehr. Die musikalischen Darbietungen auf dem Viertelfest seien eher belanglos, deshalb meint Sorin Lemke: "Statt des Viertelfestes fände ich ein Stadtfest in der Bremer Innenstadt, mit Fressbuden und Bühnen sinnvoller".
Besonders einige Anwohner wären froh, wenn das Viertelfest kleiner und zahmer konzipiert würde, denn sie leiden unter der Lautstärke und dem Abfall, auch Urin an manchen Häuserecken.
Michael Bock plädiert dafür, die Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen – nicht so sehr wegen einer möglichen Massenpanik wie zur Love-Parade in Duisburg, sondern weil seiner Meinung nach in den Nebenstraßen Menschen "abgezockt", also bestohlen oder auch bedroht würden.
Das Viertelfest 2012 fällt kleiner aus.
Das Argument, Bremen habe auch ohne Viertelfest genügend Kultur-Angebote, will die Mehrheit unserer Nutzer nicht gelten lassen. Das Musikfest sei nicht vergleichbar und außerdem stehen jedes Jahr Feste wie "La Strada", "Schlachtezauber", "Wallfest" oder auch die "Breminale" zur Disposition, da die Finanzierung nicht gesichert sei.
"Dann bitte auch gleich die Autos im Viertel abschaffen und die Schienen. Das ist lebensgefährlich für Fußgänger und Radfahrer. Die Logik, mit der hier argumentiert wird, würde über kurz oder lang schlicht gar kein Fest mehr möglich machen", schreibt "Meine Güte". Und er oder sie befürchtet, dass ein neues Konzept die Veranstaltung zu teuer machen würde.
Im Gegensatz zum Loveparade-Gelände in Duisburg gebe es in Bremen ausreichend Fluchtmöglichkeiten, sagen viele Viertelfest-Fans, zumal in Bremen nicht annähernd so viele Menschen unterwegs seien. Hilke Greff jedenfalls wäre bereit, zur Not in die Weser zu springen: "Fluchtwege gibt es also, wenn auch etwas feucht", so ihr Fazit.
Für ein Zugeständnis an das "saturierte grüne Bürgertum" im Viertel hält "Improvica Germany" diese Entscheidung. Und Norbert Drieschner bezieht sich auf den Wunsch von Bürgerschaftspräsident Weber, keine Großveranstaltungen mehr auf dem Bremer Marktplatz zuzulassen: Den "Marktplatz ruhig stellen und nun auch noch das Viertel? Soll ich demnächst aus Sicherheitsgründen einfach zu Hause bleiben? Ich schätze das (kulturelle) Leben in Bremen - so wie es ist", schreibt er.
Man könne doch das Gelände auf die gesamte Viertelmeile erweitern, schlägt "Marco R. Ferrari" vor. Wenn das Fest räumlich bis zur Sankt-Jürgen-Straße verlängert würde, gebe es weniger Gedränge.
Das Viertelfest in Bremen wird es in diesem Jahr nur an einem Tag geben. Das haben die Veranstalter beschlossen. Gefeiert wird nicht mehr – wie bisher – drei Tage sondern nur am Sonntag, den 9. September 2012. Das Viertelfest sei einfach zu groß geworden und habe damit an Charme verloren, so die offizielle Begründung des Ortsamtes Bremen-Mitte. Inoffiziell sind dem Veranstalter, dem Bremer Großmarkt, die Kosten für das Sicherheitskonzept zu teuer geworden, weil die Anforderungen nach den Ereignissen auf der Loveparade in Duisburg 2010 verschärft worden waren. In den vergangenen Jahren waren jeweils mehr als 200.000 Besucher gezählt worden – damit sei eine Grenze erreicht. Wie das Viertelfest in den kommenden Jahren ausgerichtet wird, steht noch nicht fest.
Video: Viertelfest steht vor dem Aus
Einstellungen, Infos und Kommentare
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