25. Februar 2013, 12:57 Uhr
Etikettenschwindel
Betrügereien bei der Hühnerhaltung und der Eier-Kennzeichnung sind nach Angaben der Ermittler weit verbreitet. "Es scheint relativ flächendeckend Praxis gewesen zu sein", sagte der Leiter der Oldenburger Staatsanwaltschaft, Roland Herrmann. Seine Behörde ermittelt gegen Betriebe in Niedersachsen, die zu viele Tiere in einem Stall gehalten haben sollen.
Die Staatsanwaltschaft spricht nicht von Einzelfällen, sondern von flächendeckender Praxis.
Die Betriebe seien alle durchsucht worden, sagte Herrmann. Gegen einige stehe das Verfahren kurz vor dem Abschluss. Die Ermittlungen werden insgesamt aber noch längere Zeit dauern. In Deutschland sind in den vergangenen Jahren demnach möglicherweise Millionen Hühnereier als "Bio-" oder "Freilandware" verkauft worden, obwohl die Hennen auf engstem Raum gehalten wurden. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen rund 150 Betriebe in Niedersachsen. Etwa 50 weitere Verfahren wurden an Ermittler in anderen Bundesländern abgegeben.
Erste Verfahren seien 2011 eingeleitet worden und im Zuge der Ermittlungen immer neue Fälle hinzugekommen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Frauke Wilken, nach einem Bericht des Magazins "Spiegel". "Der Verdacht ist, dass es sich um systematischen Betrug handelt. Das ist kein Kavaliersdelikt, das wäre Verbrauchertäuschung", sagte Christian Meyer (Grüne), Niedersachsens neuer Landwirtschaftsminister. Er kündigte Konsequenzen an, falls sich der Verdacht bestätigen sollte.
Die Käfighaltung von Hühnern ist in Deutschland seit 2010 verboten.
Geprüft werde, ob den Betrieben die Zulassung entzogen wird. Betroffen sind dem Minister zufolge überwiegend konventionelle Betriebe mit Freilandhaltung, aber auch einige Bio-Höfe. Für die Freilandhaltung sind mindestens vier Quadratmeter Auslauffläche pro Huhn vorgeschrieben. Die Staatsanwaltschaft erklärte, es seien verschiedene Haltungsformen betroffen. Neben Freiland- und Boden- gibt es auch die Käfighaltung, deren konventionelle Form in Deutschland seit 2010 verboten ist. Sogenannten Freilandeier dürfen nur dann als "Bio"-Produkt in den Handel, wenn auch bestimmte Futtermittel-Auflagen erfüllt werden. Dem "Spiegel"-Bericht zufolge sind Millionen "Bio-Eier" verkauft worden, die so nicht hätten deklariert werden dürfen.
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