20. August 2012, 12:54 Uhr
Mord an Lena aus Emden
Mit einer Schweigeminute für die getötete elfjährige Lena aus Emden und bislang unbekannten Details zu ihrer Todesursache hat am Montag vor dem Landgericht Aurich der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Die Viertklässlerin sei vor fünf Monaten erwürgt worden, sagte Oberstaatsanwältin Annette Hüfner, als sie die Anklageschrift verlas.
Der Mord an dem kleinen Mädchen hatte in Emden für große Anteilnahme gesorgt.
Die Öffentlichkeit wurde schon bei der Verlesung der Anklage teilweise und anschließend für die gesamte weitere Hauptverhandlung ausgeschlossen. Sie werde erst zur Urteilsverkündung wieder zugelassen, sagte der Vorsitzende Richter Werner Brederlow. Er entsprach damit einem Antrag der Verteidigung. Brederlow begründete den Schritt damit, dass in dem Verfahren Einzelheiten über den jungen Angeklagten und die Hinterbliebenen zur Sprache kommen würden.
Prozessauftakt im Mordfall Lena - Vorbericht , [3:16]
Angeklagter versteckt sich unter Kapuze
Der 18-Jährige, der zuletzt in Emden wohnte, hatte zuvor in Handschellen den Gerichtssaal betreten und sich hinter einem Aktenordner und einer Kapuze versteckt. Erst nachdem Fotografen und Kamerateams den Saal verlassen hatten, ließ er sein Gesicht erkennen. Richter Brederlow begann anschließend die Verhandlung mit der Bitte um einen "Augenblick des Innehaltens" für die getötete Lena.
Prozessauftakt im Mordfall Lena, [1:27]
Dem 18-Jährigen wird neben dem sexuellen Missbrauch und der Tötung der Elfjährigen auch die versuchte Vergewaltigung einer Joggerin im November 2011 vorgeworfen. Als Nebenkläger treten bei der Verhandlung vor der Jugendkammer Lenas Mutter und Bruder sowie die Joggerin auf. Lenas Stiefvater wurde trotz einer Beschwerde seines Anwalts am Montag erneut nicht als Nebenkläger zugelassen. Angesetzt sind insgesamt elf Verhandlungstage. Das Urteil wird Anfang November erwartet.
Lynchaufrufe im Internet
Lena war am 24. März tot in einem Parkhaus gefunden worden. Eine Woche später wurde der Angeklagte nach einem DNA-Spurenabgleich festgenommen. Seitdem sitzt er in Vechta in Untersuchungshaft und hat die Tötung zwischenzeitlich gestanden, nicht aber den Missbrauch. Zuvor war ein Unschuldiger festgenommen worden. Gegen den 17-Jährigen gab es daraufhin Lynchaufrufe im Internet und vor dem Emder Polizeirevier. Ein junger Mann wurde deshalb im Mai zu einer zweiwöchigen Arreststrafe verurteilt.
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