24. Februar 2012, 11:36 Uhr
Neue Keime in Bremer Klinikum
Experten vom Robert-Koch-Institut haben am Samstag damit begonnen, die Bremer Frühchenstation nach dem erneuten Fund von resistenten Keimen unter die Lupe zu nehmen. "Sie gucken sich die Station noch mal an und studieren die Krankenakten", sagte eine Sprecherin des Klinikverbundes. Am Freitag hatte die Bremer Gesundheitsbehörde einen Aufnahmestopp für Kinder auf der Frühgeborenen-Intensivstation verhängt.
Die Früchenstation im Klinikum Bremen-Mitte wurde erst im Dezember komplett umgebaut und neu eröffnet.
Die Mitarbeiter des Berliner Robert-Koch-Instituts sollen klären, wie die gefährlichen Darmkeime aufgetaucht sind und woher sie stammen. Die Fachleute waren schon bei der Infektionswelle auf der Station im vergangenen Jahr im Einsatz. Ob ein Zusammenhang zwischen der damaligen Infektion und den neu entdeckten Keimen besteht, ist noch unklar. Eine Sprecherin des Bremer Klinikverbundes "Gesundheit Nord" sagte auf Anfrage von Radio Bremen, dass die drei Mütter vor der Geburt "negativ" auf Keime getestet wurden. Experten gehen deshalb von einem Hygiene-Fehler in der Klinik aus. Klaus-Dieter Zastrow von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, sagte, das solche multiresistenten Keime auf einer Station auftauchen, sei keine Seltenheit. Eine Zunahme sei schon längere Zeit zu beobachten.
Wieder Keime auf der Neonatologie im Klinikum Bremen-Mitte, [0:38]
Die Kinder zeigen laut Klinik-Sprecherin Karen Matiszick keine Anzeichen einer Infektion. Bei den Frühgeborenen wurden ESBL-Klebsiellen nachgewiesen. Das sind Keime, bei denen Antibiotika zum Teil wirkungslos sind. Ob es sich dabei um den gleichen Stamm handelt, kann erst in drei Wochen gesagt werden, weil ein spezieller Labortest nötig ist. Beide Babys kamen vor einer Woche zur Welt und seien ansonsten gesund. Die Keime wurden demnach bei einer Routineuntersuchung gefunden. Alle anderen auf der Station liegenden Kinder sind nach Klinikangaben in den vergangenen zwei Tagen "negativ" getestet worden.
Wieder Aufnahmestopp auf der Frühchen-Station, [3:07]
Matiszick sagte weiter: "Das Klinikum hat umfangreiche Maßnahmen eingeleitet. Das Gesundheitsamt ist eingeschaltet und war auf der Station. Auch das Deutsche Beratungszentrum für Hygiene in Freiburg ist von der Geschäftsführung der Gesundheit Nord hinzugezogen worden." Auf der Station wurden bereits Untersuchungen der Umgebung durchgeführt. Alle Eltern, deren Kinder auf der Frühgeborenen-Intensivstation betreut werden, seien informiert worden, so die Kliniksprecherin weiter. Die betroffenen Kinder sind "kohortiert", also von den übrigen Kindern getrennt in ein isoliertes Zimmer verlegt worden. Auch das Personal, das diese Kinder betreut, werde streng von den anderen Patienten getrennt.
Im Klinikum Bremen-Mitte gab es im vergangenen Jahr mehrere Todesfälle bei Frühgeborenen. Seit April 2011 waren nach neuesten Radio-Bremen-Informationen 30 Frühchen mit einem multiresistenten Darmkeim in Kontakt gekommen. Im August und Oktober 2011 starben drei Babys an einer Infektion. Die Staatsanwaltschaft ermittelt insgesamt wegen sechs Todesfällen. Zudem hat die Bremische Bürgerschaft einen Untersuchungsausschuss eingerichtet, der die Vorfälle in dem Bremer Krankenhaus klären soll.
Hygieneprobleme waren bekannt
Bericht von Cengiz Tarhan
Dossier: Keime in Bremer Klinik
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