20. Dezember 2012, 13:21 Uhr
Päckchen-Wahnsinn
"Offizieller Partner des Weihnachtsmannes." Damit wirbt die Post auf ihren DHL-Wagen. Und der Partner hat wie in jedem Jahr ordentlich zu tun. Amazon, Zalando und Co sorgen für Rekorde bei der Paketauslieferung. Viele Kunden stöhnen oder sind sogar verärgert. "Armutszeugnis", "sauer", "Kundenverarsche" – Kommentare auf der Facebook-Seite von DHL. Die Post ist trotzdem überzeugt, dass in den meisten Fällen das Geschenk noch rechtzeitig unterm Weihnachtsbaum landet. Selbst dann, wenn es erst Samstag aufgegeben wird. Das zumindest sagt Jens-Uwe Hogardt, Pressesprecher der Post.
Den offiziellen Werbespruch der Post empfindet so mancher als Ironie.
Radio Bremen: Wie viele Pakete werden pro Tag in Bremen bearbeitet?
Jens-Uwe Hogardt: Wir haben doppelt so viele Pakete wie an normalen Tagen. Üblicherweise sind es drei Millionen täglich. Wir vermuten, dass wir jetzt im Endspurt die sieben Millionen-Marke knacken. Das wäre ein Rekord. So viele Pakete wurden in diesen Tagen noch nie transportiert. Regionale Zahlen sind nicht so einfach verfügbar.
Radio Bremen: Woher kommt dieser Boom?
Jens-Uwe Hogardt: Es sind die vielfältigen Angebote des Internetversandhandels. Die Kunden akzeptieren das inzwischen und bestellen dort alles, was in einen Karton passt.
Radio Bremen: Haben Sie die Zahl der Mitarbeiter aufgestockt?
Jens-Uwe Hogardt: Um dieser Entwicklung Herr zu werden, haben wir in Bremen 240 Kräfte für drei Monate zusätzlich an Bord geholt. Die Planung dafür haben wir schon im Sommer gemacht. Wir haben auch zusätzliche Fahrzeuge angemietet.
Radio Bremen: Landen die Pakekte am Ende alle bis zum 24. Dezember beim Kunden?
Jens-Uwe Hogardt: In der Regel schaffen wir es sogar, Pakete noch rechtzeitig auszuliefern, die bis zum 22.12. bis 12 Uhr in der Filiale abgegeben werden. Dafür legen wir am Sonntag eine Extra-Schicht ein.
Radio Bremen: Kunden kritisieren, dass die Filialen der Post in der Vorweihnachszeit nicht lange genug geöffnet sind oder zu spät aufmachen. Was sagen Sie denen?
Jens-Uwe Hogardt: Die Postfilialen sind auf einen Kundenstrom ausgerichtet, der sich auf das ganze Jahr bezieht. Das einfach mal für diesen Zeitraum vor Weihnachten zu ändern, geht nicht. Deshalb können wir nicht jede Wartezeit vermeiden. Das ist im Einzelhandel nicht anders.
Radio Bremen: Es gibt Online-Versandhäuser, die garantieren immer noch, dass Pakete rechzeitig zum Fest da sind, wenn man heute bestellt. Selbst beim Standardversand. Wie soll das gehen, wenn die Post schon jetzt an den Grenzen ist?
Jens-Uwe Hogardt: Das geht. Es schreiben Kunden in den Foren, die unzufrieden sind. Die Zufriedenen schreiben nicht. Dass es mal nicht klappt, lässt sich nicht vermeiden. Vor allem dann nicht, wenn der Versand in Süddeutschland erfolgt und der Empfänger in Bremen oder Hamburg lebt. Dann kann es auch mal einen Tag länger dauern, besonders jetzt.
Radio Bremen: Jedes Jahr dasselbe Drama. Verärgerte Kunden und Sie bekommen es ab. Können Sie eigentlich die Vorweihnachtszeit genießen?
Jens-Uwe Hogardt: (lacht) Gelegentlich am Wochenende.
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