19. August 2012, 11:51 Uhr
Fischbestand in der Nordsee
Ein Seehundexperte kritisiert die Forderung nach Abschuss von Seehunden in der Nordsee. Das Problem sei die Überfischung, erklärte Michael Stede. Er untersucht im Auftrag des Landes Niedersachsen seit Jahren den Seehund-Bestand. Künstenfischer und Jäger klagen, dass sie wegen der vielen Seehunde kaum noch Fische fangen.
Im niedersächsischen Wattenmeer tummeln sich fast 8.400 Tiere.
"Die Jagd auf Seehunde ist Blödsinn", sagte der Tiermediziner. "Wenn es zu wenig Scholle, Butt und Kabeljau gibt, liegt das weniger an den Robben als vielmehr an der Überfischung der Nordsee." Stede hat sich im Auftrag des Landes Niedersachsen über Jahrzehnte mit Seehunden beschäftigt. Die Zahl der Seehunde in der Nordsee ist nach seinen Worten derzeit so hoch wie nie seit Beginn der Zählung 1958. Das sei ein gutes Zeichen für den Zustand des Meeres und keinesfalls ein Problem: "Für die rund 20.000 Seehunde ist die Nordsee ein riesiger Lebensraum."
Bei zwei großen Seehundstaupen-Epidemien in den Jahren 1988 und 2002 war mehr als die Hälfte des damaligen Bestands verendet. Seitdem habe sich der Bestand erholt, sagte Stede. Die Idee, die Gesundheit der Tiere durch eine massive Jagd zu erhalten, weil weniger Tiere sich weniger anstecken könnten, hält der Mediziner für abwegig. Bei beiden Epidemien waren die Erreger durch Robben aus dem Nordost-Atlantik eingeschleppt worden. Stede betonte, der Stress einer Jagd sei für die Tiere schädlicher als mögliche Krankheitserreger.
Die Fischer beklagen, sie könnten im Watt beispielsweise kaum noch Plattfische fangen, weil die vielen Seehunde zu viel Fisch fressen würden. Die Jäger sehen die Gefahr, dass sich bei einer großen Population schnell wieder eine Seuche ausbreiten könnte. Die niedersächsischen Fischer gingen derweil auf Distanz zur Forderung ihrer Kollegen aus Schleswig-Holstein.
Deutlich mehr Seehunde auf den Sandbänken
Fischer gegen Seehundaufzucht, [0:00]
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