20. Dezember 2012, 9:52 Uhr
ADAC-Statistik
Gerade an Wochenenden wird es gefährlich auf deutschen Autobahnen. Dann sind laut ADAC die meisten Falschfahrer unterwegs. Bremen gehört dabei zu den Spitzenreitern, berichtet der Automobilclub. Bezogen auf die Länge des Autobahnnetzes gibt es hier mehr Warnmeldungen als in anderen Bundesländern. Warum ist das so? Und was ist der häufigste Grund, dass ein Autofahrer in der falschen Richtung unterwegs ist? Wir haben mit Andreas Hölzel vom ADAC gesprochen.
Bisher noch im Test: Große Warnschilder sollen Autofahrer davon abhalten, die falsche Auffahrt zu benutzen.
Radio Bremen: In den Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin sind nach ihrer Auswertung die meisten Falschfahrer unterwegs. Was ist der Grund?
Andreas Hölzel: Der Grund sind vermutlich die vielen, kurzen Autobahnabschnitte. Die haben mehr Anschlussstellen und damit auch die Möglichkeit, häufiger an Kreuzen oder Dreiecken aufzufahren. In Ostdeutschland gibt es lange Strecken mit wenigen Anschlüssen, da ist die Gefahr kleiner. Dazu kommt, dass die Stadtstaaten Ballungsräume – und dort einfach mehr Menschen unterwegs sind. Es ist eine Mischung aus allem.
Radio Bremen: Wie viele Warnmeldungen haben sie 2010 und 2011 für Bremen gezählt und wo waren die meisten?
Andreas Hölzel: Wir hatten insgesamt 43 Warnungen von Falschfahrern. Die betrafen die die Autobahn 1 und die Autobahn 27. Das sind die Abschnitte, die ins Bremer Gebiet fallen. Oft weiß man aber gar nicht genau, wo einer aufgefahren ist. Deshalb gibt es meistens Warnungen über mehrere Anschlussstellen hinweg. Deswegen kann man es nicht konkreter sagen.
Radio Bremen: Falschfahrer sind eine große Gefahr. Wie häufig kommt es zu schweren Unfällen?
Andreas Hölzel: Wir haben vielleicht vier Prozent der Verkehrstoten auf Autobahnen durch Geisterfahrer. In diesem Jahr sind es bisher 21. Trotz der Folgen, ist es nicht das ganz große Thema in der Unfallstatistik. Wir müssen natürlich trotzdem schauen, dass speziell die Auffahrten sicherer werden.
Radio Bremen: Was ist der häufigste Grund dafür, dass jemand zum Falschfahrer wird?
Andreas Hölzel: Es gibt zwei auffällige Gruppen. Das sind junge Fahrer unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Und zum Teil auch ältere Fahrer, die durch Medikamente beeinflusst sind. Die sind dann im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr in der Spur. Falsches Auffahren auf die Autobahn ist dabei der häufigste Fehler. Schlechte Sicht der Markierung kann auch ein Grund dafür sein.
Radio Bremen: Was sind die anderen?
Andreas Hölzel: Es gibt auch solche Autofahrer, die mitten auf der Autobahn wenden. Die denken, sie sind falsch, obwohl sie richtig waren. Oder jemand macht eine Pause und fährt falsch von der Raststätte auf. Dazu kommen Selbstmordabsichten oder aber Mutproben unter jungen Menschen.
Radio Bremen: Wenn eine schlechte Beschilderung dazu führt, dass jemand falsch auf die Autobahn fährt, könnte das doch geändert werden.
Andreas Hölzel: Das könnte geändert werden. Speziell an den Kurzstrecken mit höherem Risiko sollte man rangehen, um dies zu ändern. In Österreich gibt es neonfarbene Stoppschilder als Warnung. Diese Schilder sollte man auch bei uns als letzte Warnung bekommen.
Radio Bremen: Warum gibt es das bislang nicht in Deutschland?
Andreas Hölzel: In Bayern gibt es ein Projekt. In Österreich dagegen gibt es das schon länger und dort sind die Unfälle mit Geisterfahrern zurückgegangen. Warum sollte das bei uns nicht funktionieren? Es ist an der Zeit, das auch bei uns flächendeckend einzuführen.
Radio Bremen: Sie haben festgestellt, dass die meisten Falschfahrer am Wochenende unterwegs sind. Haben Sie eine Erklärung?
Andreas Hölzel: Junge Fahrer sind insgesamt eine Problemgruppe bei der Unfallbilanz. Am Wochenende sind Partys, man ist lange unterwegs. Ansetzen sollte man zum Beispiel bei der Führerscheinausbildung.
Radio Bremen: Was sollte der Falschfahrer machen, wenn er merkt, dass er in der falschen Richtung unterwegs ist?
Andreas Hölzel: Warnblinkanlage anschalten und sofort anhalten. Möglichst am Rand. Es kann auch an der Mittelleitplanke oder auf der Standspur sein. Auf jeden Fall nicht versuchen zu wenden. Der Fahrer sollte sich dann hinter der Leitplanke in Sicherheit bringen und die Polizei informieren.
Radio Bremen: Was gilt für Autofahrer, wenn sie von einem Falschfahrer auf ihrer Strecke erfahren?
Andreas Hölzel: Tempo runter. Auf der rechten Spur weiterfahren. Abstand vergrößern, um besser reagieren zu können. Wenn ein Parkplatz in der Nähe, den anfahren und warten bis Entwarnung gegeben wird.
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