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Simta
Ducktales
Simta am 23. Mai 2012, 12:13 Uhr:
Wo in einem Parlament, die Frage erregt gerade die Republik, sollten die Piraten denn sitzen? Links sind sie bloß irgendwie, rechts vor allem, weil so schnell wie vor ihnen nur die NSDAP Wähler und keinen Weltkrieg gewann, und Mitte ... im Auge des Shitstorms, das würde ja schon irgendwie passen.
In Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen, hat der Pirat und Abgeordnete des Landtags Daniel Düngel sich zu der Frage jetzt wegweisend geäußert: "Wir sehen uns gerne mittendrin."
Wir dagegen vermuten, dass einer, der Daniel Düngel heißt, nur dem Entenhausener Landtag entwichen sein kann, nach einer Sollstrandung im Gumpensund, dieser ach so tückischen Bucht.
- simta
Spritzgebäck
Simta am 9. Mai 2012, 12:03 Uhr:
Na bitte, der Horsti, der kann's. Lässt eine Face Book Party steigen und kriegt dafür einiges um die Ohren, ohne das ihn das groß juckt. Gestikulierende Zeichensätze und so, Horst, wenn da jetzt alle kommen und ein Polizeieinsatz wird nötig, dann zahlst aber Du und nicht wir, Steuerzahler und so, Horst, hast Du, Horst, das auch wirklich verstanden?
Und den Horst, Modellbahner und Zugzügler, schert das keinen Dreck, weil bei ihm, wie sich das gehört, sowieso bloß die richtigen Leute vorbeischauen. Nicht ganz die gute alte CSU, auch nicht die CSU von heute, aber die von München auf jeden Fall, die Bussi-CSU, die Face Book, darf man doch so sagen, für einen Ableger von der Gesichtschirurgie hält.
Auf jeden Fall prima gelaufen, Horst Seehofer, indem dass allen vor, während und nach dieser Party gezeigt wurde, wie man einen Shitstorm abwettert: So viel Wind, und keine Beutel!
- simta
Trutz blanke Hans!
Simta am 7. Mai 2012, 10:49 Uhr:
Auf der Hallig Gröde (17 Einwohner) haben bei der Schleswig-Holstein Wahl 18,2 % der Wahlteilnehmer die Piraten gewählt.
Der Überlebensreflex von Inselbewohnern: Wenn man nicht will, dass es einem zu nahe kommt, muss man das Raubzeug umarmen.
- simta
Schwarz & Weiß
Simta am 3. Mai 2012, 10:56 Uhr:
Als ich gestern davon erfuhr, dass Standard & Poor's, eine US-amerikanische NGO, Griechenland für zahlungsfähiger hält als vor vier Wochen, musste ich an den Hund unserer niederländischen Nachbarin denken.
Er ist Mischling, genau genommen Doppelwesen, aus der Grenzregion von Biologie und Mythologie. Gattungsbegriff Höllenhund, pechschwarz, und er wird, wahrscheinlich aus zivilisatorischen Gründen, Whitey gerufen.
Wenn man ihn ausführt, begreift man, dass Leinenzwang zwei Bedeutungen hat. Über den Tag liegt er im Wohnzimmerfenster des Nachbarhauses und schaut entschieden verfinstert auf die Straße hinaus.
Seiner markanten wie irgendwie klassischen Gesichtszüge wegen haben wir uns darauf verständigt, ihn, frei nach Heinrich Schliemann, der die Maske dieses Königs entweder fand oder erfand, Agamemnon zu nennen.
Griechenland wählt. Auf den Straßen in den Städten des Landes werden deshalb wieder Merkel-Karikaturen gezeigt. Die deutsche Bundeskanzlerin als Replik eines großen großen Diktators, mit Oberlippenbart.
Hitler im Hosenanzug: Dass die Griechen es nie wieder zu einem Agamemnon gebracht haben, wird auch daran liegen, dass ihre Bonität, was politische Pointen angeht, einfach grauenvoll ist.
- simta
Stille Wasser
Simta am 27. April 2012, 14:55 Uhr:
Die Schankwirtschaft >Deutsche Flotte< in Hof (Oberfranken) ist ein Relikt aus wilhelminischer Zeit. Man sitzt am Fenster und schaut entweder in sein Bier oder zu dem ausschweifenden Zentralfriedhof auf der anderen Straßenseite hinüber. Meistens schwingt dort ein Bagger irgendwo seine Schaufel und gräbt mit ihr ein nicht sehr großes Loch. Grübchen, Töpfchen, Deckel drauf: Der Protestantismus, der hier das Sagen hat, ist eine Einäscherungsreligion.
Die >Deutsche Flotte< ist außerdem das Lokal, in dem sich die örtliche Marinekameradschaft versammelt. Binnenländer haben ein ungut romantisches Verhältnis zur See. Die hier garnieren es mit einer Patenschaft. Sie gilt einem Minensuchboot, das den Namen >Frauenlob< trägt. Eigenlob braucht einfach ein Gegenüber. Hauptsache mit die Weiber klappt's ist unter Seeleuten daher ein gern ins Feld geführter Aufsager.
Wenn man den Gebirgsmarine-Kameraden aus der >Deutschen Flotte< ein Schwätzchen abjagt, ist dieser Tage viel von Wilhelmshaven die Rede. Dort ging 2002 ihr Patenschiff außer Dienst. Seither sitzen sie in der >Deutschen Flotte< ohne Frauenlob da. Das kann selbst einen Seemann aus dem Fichtelgebirge nur noch erschüttern.
Allerdings wird in Wilhelmshaven gerade ein neuer Hafen gebaut. Nicht für graue Schiffe, das bedauern sie sehr. Dafür hat einiges von dem, was von der Jade an ihr Ohr dringt, einen durchaus martialischen Klang. Schlosssprengungen zum Beispiel, die die neue Spundwand des Tiefwasserhafens erschüttern. Da sieht man den Zentralfriedhof drüben, der jetzt im Regen versinkt, gleich in einem ganz anderen Licht. Sieht doch tatsächlich fast wie ein Tiefwasserhafen aus, mit diesem stoisch sein Grabloch aushebenden Bagger hinter einem die Horizontlinie verwischenden Zaun.
Was all die Gedanken mit den höchst realen Bauproblemen beim Jade-Weser-Port zu tun habe könnten, wende ich ein. Also gut, sie sehen mir nach, dass man nicht jeden schlecht gerammten Dalben mit einer Patenschaft aufrichten kann. Andererseits, so ein Stück Spundwand, von Grund auf noch vor Betriebsaufnahme saniert, und dann ein Messingschild dran, auf dem steht: Wiedererrichtet unter Beteiligung der Gastwirtschaft >Deutsche Flotte<, Marinekameradschaft >Admiral Scheer<, Hof an der Saale: Verdammte Axt, geil wär das schon. Bayrisch Sibirien im Hafenbau vorn.
Mal angenommen, die kriegen das in Wilhelmshaven noch hin. Ein Schiff wird kommen, macht fest, und dann wiederholt sich, was 1967 bei der Anlandung des ersten Containers überhaupt in Bremen passierte: Die Kiste knallt auf die Pier, die Pier kippt weg, die Containerbrücken gehen nach ihr auf Grund, und das Schiff ist sowieso auf und davon. Kann passieren, sagt einer der Marinekameraden und lässt sich vom Wirt der >Deutschen Flotte< noch einen einschenken. Tiefwasserhafen, vier Mal so groß wie unser Friedhof und acht Mal so tot.
- simta
Es geht voran
Simta am 26. April 2012, 16:42 Uhr:
Deutschlands langer Weg nach Westen ist einer, auf dem sich die politischen Eliten heute munter die Beine vertreten. Man kann das nur gut heißen. Fürchten sollte man sich um so mehr vor denen, die es lieber mit dem Wegrand halten. Die Erregungszustände, die sich beim Überschreiten dieser Grenzlinie einstellen, mögen Jahrzehnte oder Jahrhunderte vor unserer Zeit liegen. Deutsch bleiben sie, durch deutschen Tann schlägt sich, ungerührt von Historie, Lützows wilde, verwegene Jagd.
Zwei Linien zeichnen sich ab. Auf den ersten Blick scheinen sie so unvereinbar wie am Ende füreinander geschaffen. Naturromantik und Lebensreform, in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, sorgten sich um Feld, Wiese, Wald. Großherzige Idealisten, wie Carl Ungewitter, der Prophet der Freikörperkultur. Ergrünte Rhetorik, warnend, mahnend und, als es aus dem Wald nur so herausschallt, wie man hineinrief, im Völkischen Halt suchend. Erst Boden, dann Blut, vom welken Braun eines deutschen Herbst überwölbt. Das alte deutsche Lied, wieder und wieder gespielt.
Der andere Kurs, jeder Technik ohne Ansehen von deren Nutzen oder Frommen ergeben, wird parallel abgesteckt. Ingenieure im Reich der Kraft damals, Funkenflug abseits von jeder nicht technisch grundierten Vernunft. Der Nerd dieser Tage schreitet nicht anders voran. Politik liegt ihm fern, bei, das macht ihn so unfassbar, einem hinter allerlei wie mit dem Kabelstrang aufgerollten Idealen jederzeit spürbaren Willen zur Macht. Am Ende werden es die einen wie die anderen, jetzt, wo beide Strömungen sich zum Schaden der parlamentarischen Demokratie mischen, wieder nicht gewesen sein wollen.
- simta
Platz!
Simta am 25. April 2012, 15:41 Uhr:
Eine Frau kauft einen Hund. Der Hund wird geschult. Die Schulung schlägt mit 20 000 € zu Buch. Viele Spender haben es aufbringen müssen.
Der Hund hält danach aber nicht, was die Frau sich von ihm versprach. Sie ist Rollstuhlfahrerin und auf der Suche nach einem ausgebildeten Begleithund gewesen. Die Ausbilder wollen das Tier, als sie es retournieren will, unter keinen Umständen wieder.
So weit die Geschichte, erzählt nach einem Beitragsangebot, gerichtet an unsere Redaktion. Sie endet so eindringlich wie präzise: "Jetzt sitzt sie da mit einem Hund, der nichts kann."
- simta
Gefällt mir
Simta am 18. April 2012, 11:10 Uhr:
"Wenn Polen Deutschland den Krieg erklärt hat (und das hat Polen indirekt durch die Generalmobilmachung), dann hatte Deutschland jede Legitimation, Polen anzugreifen." (Bodo Thiesens, Piratenpartei)
Historisch ist das erwiesenermaßen falsch. Tatsache bleibt, dass ein Piratenschiff, geführt von Sir Francis Drake, im Auftrag des perfiden Albion am 1. September 1939 die Danziger Westerplatte beschoss.
Zur gleichen Zeit lud ein polnisches Expeditionskorps in Piratenkostümen auf dem Gelände des Senders Gleiwitz in zwangloser Reihenfolge ein paar Maschinengewehrsalven herunter.
Ziel dieser Aktion war, wie Historiker heute bestätigen, die Aufhebung des Urheberechts für sämtliche Lieder von Hans Albers, Heinz Rühmann und Zarah Leander.
Glücklich machen einen, an diesen Ereignissen gemessen, die Piraten von heute wegen ihrer andauernden, von keiner Ahnung jemals berührten Verschränkung von Kenntlichkeit und Konfusion. Einen Säbel dafür.
- simta
Pizza Salafi
Simta am 17. April 2012, 12:42 Uhr:
Den Salafinistas wünscht man mehr Kommentatoren wie Heba Raouf. Sie lehrt politische Wissenschaften in Kairo und verfügt offenbar über sowohl Beobachtungsgabe als auch Ausdrucksvermögen: "Die meisten unserer Abgeordneten haben keine Ahnung, reden dummes Zeug." Auf die Verhältnisse bei uns übertragen: Muselpiraten. Auf sie ein Hoch und einen Koran.
- simta
Die Ablasser
Simta am 13. April 2012, 12:31 Uhr:
Die >Bewegungsstiftung< ist ein Zusammenschluss von Leuten, die viel Geld haben, das sie, bevor es ihnen andere neiden, in die deutsche Protestkultur stecken. Die Stifter rekrutieren freischaffende Bewegungsaktivisten und bezahlen die fürs auf die Bäume klettern, sich an Schienen ketten und Gorleben überall stattfinden lassen.
Positiv daran ist, dass sie sich offenbar genieren, bei derlei Verrichtungen selber gesehen zu werden. Man hält sich dafür, wahlweise als Bewegungsmelder oder als Kugelfang, Söldner, die fürs gut Dahertun sogar Gliederschmerzen und Rheuma riskieren. Klassische Kriegsführung ging so schon immer: Der Feldherrnhügel stets obenauf und spendabel, und das Fußvolk umsonst und im Pulverdampf draußen.
Das Modell hat was. Man stelle sich eine Reihenendbutze vor, in der halbwegs situierter Mittelstand haust, mit drunter einem eigenen Empörungskeller, in dem sieben Zwerge sich am Querulator stählen, Transparentpapier nass machen und sich, wenn alles getan ist, auch mal einen Cocktail frei nach Molotow gönnen. Hasse ma 'n Euro-Fighter auf Honorarbasis in Suburbia: Was für ein Lebensentwurf!
- simta
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