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Simta
Alles Kauder, oder welsch?
Simta am 22. Februar 2011, 13:16 Uhr:
Solidaritätsbekundung des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Region Bremen-Elbe-Weser, übermittelt als Pressemitteilung. Es geht darin um ein Verfahren gegen eine, in dieser Schreibweise, "Aktivist_in", um "Zeug_innen" in dieser Angelegenheit, in sie verwickelte "Polizist_innen" und "Teamer_innen", die sich gegen Homophobie, Sexismus, Bodyismus, Transphobie und Rassismus engagieren. Alle, außer mit dem Unterstrich, auch mit einer Fußnote getreten. Die geht so:
"Wir verwenden hier den Unterstrich um darauf aufmerksam zu machen, dass es auch Menschen gibt,, die sich nicht innerhalb der dominanten Zweigeschlechtlichekit verorten können und wollen."
Fußnote dazu: Recht schreiben und es auf kein Wort ankommen lassen ist nicht mal Polizeihünd_innen erlaubt!
- simta
Zugzwang
Simta am 22. Februar 2011, 11:00 Uhr:
Politische Wechselspiele zwischen Hamburg und Bremen. Der Scholz und sein Jens. Stadtstaat da, Staatsstädtchen hier.
Scholz, nach seinem Sieg, mit einem Problem: Britta Ernst, seine Frau. Sie macht Schule in Hamburg. Der Posten der Schulsenatorin ist gerade vakant.
Zwei Seelen daher, kein Gedanke: Jens Börnsen hat eine Schulsenatorin, in Bremen. Nach Hamburg fährt alle 30 Minuten ein Zug.
Im Gegenzug (!) könnte von dort Personal rücküberstellt werden. Brauchbare Leute, neue Aufgaben und so.
Aufgepasst aber, Scholz & friends: copy & paste ist derzeit nicht nur populär!
- simta
Ein Märchenprinz
Simta am 21. Februar 2011, 7:33 Uhr:
Aus Zeiten, in denen das Wünschen noch geholfen haben soll, sind uns die Märchen der Gebrüder Grimm überliefert. Es sind Deutschländer Märchen. Dass sie auch den Ansprüchen anderer Völker und Kulturkreise zu genügen vermochten, damit war nicht für jeden Fall zu rechnen.
Die Gebrüder Grimm lassen mal wieder grüßen. Eigentlich geht das gar nicht. Sie sind ja schon tot. Die Phrase taugt auch so nicht sehr viel. Es grüßt daher bloß ihr Geist. Auch der kann das nicht wirklich.
"Das Märchen vom ehrlichen Karl", so überschreibt der >Spiegel< seine seit gestern verkaufte, heute erschienene Ausgabe. Der Karl sieht darin aus wie einer, der sich große Hoffnungen machte. Es fehlten ihm nur die Karten, die man braucht, wenn es gilt, einen Wald zu durchqueren.
Wir leben in eine Demokratie. Hoffnungen macht sich in einem solchen Herrschaftssystem vor allem das Volk. Nicht selten sehen die Herrschenden daher wie das Produkt seiner Hoffnungen aus.
Hätte der, um den es geht, doch nicht den Goldklumpen gegen ein Pferd, das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans und die Gans gegen einen Schleifstein getauscht. Er hätte doch wissen müssen, dass am Ende ein Brunnen am Weg liegen würde.
Frei von aller Last, heißt es bei den Brüdern Grimm, sei er fortgegangen danach. Märchenhaft liest sich das. Andere Kulturkreise, Märchen weniger zugetan, brauchen für die Umschreibung eines derartigen Geschehens einen einzigen Satz: "For the want of a nail the Kingdom was lost."
In der Überlieferung hat auch diese Erzählung ein paar mehr Stationen. Aber sie trifft, und läuft nicht auf eine neuerliche Glückserwartung hinaus. Das Volk möge sich nicht immer nur Hoffnungen schaffen.
- simta
Marathon
Simta am 19. Februar 2011, 16:00 Uhr:
In einer Buchhandlung im soeben erschienenen zweiten Band der Memoiren von Joschka Fischer geblättert. Außenansichten: Sein langer Lauf zu sich selbst und wieder zurück. Naseweis darüber geworden wie nur er, in wenigen Fällen.
- simta
Staatsgeschäft
Simta am 19. Februar 2011, 7:59 Uhr:
Der Seehofer ist dem Dissertanten Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg parteifreudig beigesprungen. Das leuchtet ein, weil auch der Seehofer das Produkt eines Täuschhandels ist: Amt gegen Verstand.
- simta
Nase vorn
Simta
am 18. Februar 2011, 11:29 Uhr:
Maximilan Graf von Montgelas hatte eine Nase wie eine Wand. Sie ähnelt, auf einem Gemälde von Eduard Heuß, auffallend der Bergnase, auf der, im Kulmbacher Land, das Schlösschen derer zu Guttenberg liegt.
Der Graf von Montgelas ist als Schöpfer des bayerischen Zentralstaats im Gedächtnis geblieben. Die Guttenbergschen Besitztümer, politisch zwischenzeitlich zu Preußen gekommen, fielen 1810 auf sein Betreiben an Bayern zurück.
Das Vermächtnis des Grafen: Sieben bayrische, im Landesteil Franken an allen geografischen und kulturellen Gegebenheiten vorbei gezirkelte Regierungsbezirke. Das Schlösschen der Guttenbergs zu Guttenberg blieb aber stehen.
Ermattet von seiner Reform, wird kolportiert, habe Montgelas sich, der Streitigkeiten der katholischen Würzburger, tiefer katholischen Bamberger, vertieft reichsstädtisch-protestantischen Nürnberger und markgräflich-preußisch-protestantischen Bayreuther müde, über sein Notizbuch gebeugt und dort diesen Satz eingetragen:
"Man muss Gott für alles danken. Auch für Unter-, Mittel- und Oberfranken." Seither wissen auch die Bayern, wo Guttenberg liegt und wie es um die Guttenbergs steht.
- simta
Kommentar # 1,
conny, 25. Februar 2011, 16:38 Uhr:
was dir alles so einfällt bei dieser Nase?! Erstaunlich, aber das ist doch nur was für Geschichtlehrer_innen? Mich jedenfall erinnert die Nase im hier und jetzt, ganz aktuell an die des Thomas schalkige...
Gestriger Abend
Simta am 18. Februar 2011, 6:02 Uhr:
Was man in einer S-Bahn, die noch keine ist, schon erlebt. Links vom Zug, schon aus dem Hauptbahnhof raus, Sonne von oben herab. Frostig geblieben über den Tag. Werde mir die Großprotuberanz, mit der sie sich gerade schmückt, am Abend auf YouTube anschauen.
Reiseverlauf. Mehr als nur ein Wort: "Wir verlassen auf der Fahrt von Verden nach Bremen-Vegesack jetzt den Hauptbahnhof. Nächster Halt Ihres Zuges ist dann der Bahnhof von Bremen-Walle, wo Sie, wenn einer kommt, in einen Bus der Linie 26 zur Überseestadt, Silbermannstraße, umsteigen können."
Vox populi, zwei Sitzreihen vor mir: "Gleich gibt's noch den Spielplan vom Waldau Theater. Hafenrundfahrt oben drauf. Hab ich lange nicht mehr gehabt."
Zugbegleiter-Latein. Bahnhof Burg, irgendwas stimmt nicht mehr mit den Türen: "Verlassen Sie bitte den Eingangsbereich und versuchen Sie nicht, die Türen von Hand aufzuhalten. Das führt nur zu derben Aufenthalten."
Kommt auch dazu. Bremen-Lesum, adieu Poesie: "Meine Damen und Herren, auf Grund einer Türstörung durch irgendwelche Einflüsse von außen verzögert sich unsere Fahrt ..." Tiefes Verlangen nach Einflüssen von innen.
Bahnhof Schönebeck. Die Türen sind hin. Ich irgendwie raus. Über die Brücke nach Grohn stemmt sich ein gelber Knallmond aus Wölkchen, die nicht wissen, wohin. Wie gemalt, beim Andenken meiner Großmutter, die so redete, wenn etwas nicht echt auf sie wirkte.
Kein Worpsweder, lichtversessen, wie die nun mal waren, hätte sich so was getraut. Nachtlicht, an den Himmel gehängt wie geölt. Selbst der Zug, der sich derb davonmacht, sieht nur noch wie seine Schlusslichter aus.
- simta
Müd geworden ...
Simta am 17. Februar 2011, 12:30 Uhr:
Nicht klein beigeben, Klaus Staeck! Unsere Demokratie, äußerten Sie vor der Berliner Akademie, sei dabei, müde zu werden. Erfrischungen würden derzeit nur aus Tunis und Kairo gereicht.
Deutsche, müde der Demokratie, das wäre ein Befund, der uns weit mehr beunruhigen müsste. Gefährlich, Herr Akademiepräsident, wird es erst dann, wenn sich die hohen Erwartungen mit niedrigen Beweggründen paaren.
- simta
honoris causa
Simta am 17. Februar 2011, 9:53 Uhr:
Dem Bundesminister der Verteidigung seiner Doktorarbeit zum Trost: "Plagiatsjäger nehmen Wehrminister aufs Korn." (SPIEGEL ONLINE 16.2.2011)
- simta
Dreikönigstreffen
Simta am 16. Februar 2011, 11:20 Uhr:
Will einer noch wissen, wohin die vom Sündenstolz angefressene deutsche Linke abrückt? Entgehen lassen soll man sich nichts.
Das Gustav-Heinemann-Bürgerhaus in Bremen-Vegesack ist eine dieser subprovinziell um sich kreisenden Spieluhren, die selbst dann noch nachklingen, wenn kein Ton mehr stimmt. Das darf so bleiben.
Zum ersten Mal dort vorbeigeschaut habe ich im Jahr 1980. Der Schriftsteller Peter Paul Zahl erhielt den Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen und wurde für eine Lesung aus der Strafhaft ins Bürgerhaus ausgeführt.
Klaus Schlesinger ist dem Freigänger Zahl einige Zeit danach in Johannes Schenks Berliner >Sonntagscafé< begegnet. Sein erster, ihm absurd erscheinender Gedanke: Erich Loest, Häftling in DDR-Gewahrsam, als Vortragender in der Akademie.
Zahls Freiheiten waren die, um die es auch sonst im Vegesacker Bürgerhaus ging. Von Leipziger Freiheiten war dort nie die Rede. Auch das gehörte zur Konvention.
Die Spieluhr läuft noch. Die Melodien, die es herüberweht, kommen von anderswo her. Verrückt sind sie jetzt.
Am 26. Februar wird im Bürgerhaus in Vegesack eine Nacht der Hexen, Schamanen und Mentalisten stattfinden. Gustav Heinemann büßt mit seinem Namen dafür.
Auftreten werden, im magischen Heilkreis, Anja Müller und Petra Milz. Ingo Woltmann, Erdschamane, lädt zu einer Reise zu den Krafttieren ein. Torsten Terhorst, Selbstheiler, bildet Energiearbeiter aus. So weit das durch und durch sozialdemokratisch gefärbte Programm.
Der Höhepunkt solcher Trance: Die Heiligen Drei Könige kommen, angeführt vom Feuerschamanen Soshun. Was die wohl dieses Mal beibringen werden.
Eintritt, im Vorverkauf, 18 Euro. 20 Euro an der Abendkasse. Dafür kriegt man, zum Sparpreis, eine Fahrt mit der Bahn durch bis nach Köln.
Dort sollen, im Dom, die Gebeine von Kaspar, Melchior und Balthasar liegen. Mentalisten und was sonst linksdrehend kreist, dürfen dort noch nicht rein.
- simta
http://www.berkana-schule.de/?action=akthinweis
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