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Simta
Eiskaltes Händchen
Simta am 27. Mai 2013, 12:50 Uhr:
Ein Wind, der eigentlich schon ausgeblasen schien, wurde durch Jan Fleischhauer auf >SPIEGEL online< noch einmal entfacht. Hatte doch der im österreichischen Graz lehrende australische Musikwissenschaftler Richard Parncutt im Dezember 2012 nach der Todesstrafe für, der Begriff hat sich so nur im Deutschen eingebürgert, Klimaleugner verlangt: "Death Penalty for Global Warming Deniers" klingt entschieden mehr nach der Sanftmut, die Henker von jeher auszeichnete.
Wozu die Aufregung, fragt man sich nur: Kirchen, die ihre Macht behaupten müssen, bedürfen einer Inquisition. Andernfalls hätten sie nur Wolkenschieber in ihren Reihen, die selbst einen australischen Didgeridoo-Bläser nicht fürchten. Was den Vollzug nach Urteilsbegründung angeht: Nachhaltigkeit der Hinrichtungen, die uns drohen, darf man von Vertretern dieses Milieus erwarten. Das Schicksal Robespierres, der keiner Kirche angehörte, aber einem von Blutdurst beseelten Glauben anhing, spendet den Zweiflern wenigstens Trost.
- simta
Zugluft
Simta am 23. Mai 2013, 11:49 Uhr:
Den auf den Tag genau 150 Jahre alt gewordenen Sozialdemokraten ein dreifaches Hurra, Hurra, Hurra und einen doppelten Fürst Bismarck dazu. Die ganze Wärmestube ein einziges Fest.
- simta
Freibeuter
Simta am 13. Mai 2013, 9:57 Uhr:
Der Teufel hat sich fein gemacht: Beate Zschäpe hat das Zeug zur Ikone. Zwei Männer im Kampf gefallen, wie vorher der eine in der Reichskanzlei. Mutti hier, Vollweib und Haushaltshilfe in einem, unnahbar, unwägbar, wahrscheinlich bloß dumm, aber unantastbar verschwiegen. Zschäpes Strahlkraft rührt nicht von ihr. Sie ist Projektion, die Botschaft als Medium, das allerlei Erwartungen weckt und bedient. Man muss deswegen fürchten um diesen Münchner Prozess. Piraten, das lehrt er schon jetzt, brauchen keine Partei.
- simta
Berlin, Leipziger Straße
Simta am 7. Mai 2013, 11:52 Uhr:
Die Bäckerei Schnell, ansässig in einem der weißblau zum einstigen Westen hindrängenden Wohnblöcke, hat den >Hauptstädter< kreiert, ein Körnerbrötchen, das auf Weltgeltung setzt. Warum bloß ein ums andere Mal das ihnen eigene Parvenühafte den Berlinern den Weg zu eben dieser versperrt?
- simta
S 1 (1)
Simta am 26. April 2013, 10:27 Uhr:
Am Bahnhof Vegesack ein vergnügt dreinschauendes, lockiges - anders kann man ihn nicht beschreiben - Männlein, vertieft in einen Zeitungsartikel: "Homöopathie im zeitgenössischen Kroatien." Ach, wer da mitheilen könnte!
- simta
Zwei Banditen
Simta am 24. April 2013, 7:17 Uhr:
Der Sänger und Ausdruckstänzer Bushido und der Handlungsreisende Ulrich Hoeneß unterscheiden sich natürlich. In der Premiumklasse des schlechten Rufs behaupten beide ihre jeweils eigene Position. Für Bushido ist das die Ware, die er vertreibt. Dafür hat man ihn unlängst mit einem Integrationspreis, dem Bambi bezichtigt.
Hoeneß dagegen gibt das Rehlein nicht, er hält sich dafür. Im Wald freilich schleichen die Wölfe ums Lebkuchenhaus, nur drinnen schürt nicht mehr die Hexe, sondern das Finanzamt den Ofen. Wurst hat er genug, und um genau die geht es bei ihm.
- simta
Vertrautes Befremden
Simta am 18. April 2013, 13:03 Uhr:
Warum drei Tote in Boston mehr wert sein sollten als 30 000 oder 300 000 woanders, das führt tief in, na ja, nicht gerade die US-amerikanische Psyche, aber doch zu der Frage, welche in ihr Träne warum wie viel zählt. Eine mögliche Antwort weiß jeder, der mehr als drei Wochen in den Vereinigten Staaten verbracht hat. Über kindliches und bei Gelegenheit kindisches Unschuldsverlangen von bedenklicher Oberflächlichkeit verfügen die Amerikaner im Übermaß, aber ihr Weinen, wenn sie gestoßen wurden, ist exakt deswegen echt.
- simta
Abgefahren
Simta am 15. April 2013, 16:36 Uhr:
Ein Manfred Erdmann macht in einer Zuschrift an den >Weser-Kurier< geltend, dass nach der neuen Bußgeldordnung Auto- wie Fahrradfahrer an ihrem Fehlverhalten gemessen werden, und nicht am Verkehrswert der Fahrzeuge, mit denen sie gegen die Bestimmungen der Straßenverkehrsordnung verstoßen.
Der Fahrer eines VW Golf müsse demnach 0,23 % seines Autogebrauchtwerts entrichten, den Fahrradfahrer nötige man zur Beigabe von 3,5 % seines Fahrradneuwerts. Von der eigentlichen unzulässigen Gleichsetzung von gebraucht im einen und neu im anderen Fall einmal abgesehen gelangt Erdmann zu dem Schluss, ein Fahrradfahrer werde nach solcher Rechnung bei einem Verkehrsvergehen um das fünfzehnfache stärker bestraft.
Wirtschaftliches Kalkül, zeigt hier einer, dem, wie man vermuten darf, dessen Grob- wie Feinheiten eher gleichgültig ist, durchdringt auf diese Weise alle Lebensumstände. Leser Erdmann plädiert, ahnungslos zwar, aber zielstrebig darin, für die konsequente Ökonomisierung des Rechts. Dies entspringt nicht seiner Denkweise, aber einem allgemeinen, gegen geltende Ordnung gerichteten Empfinden.
Fahrradfahrer, auch wenn das nur im Unterton spürbar wird, sind ihm die besseren und darüber weniger belangbaren Menschen. Vorhut von etwas, das nicht näher benannt werden muss, weil sein utopischer Zauber sonst, erst recht, wo es um Rechtsfälle geht, der Begründung wie der Nachschau bedürfte. Allen vertraut, wiewohl selten begriffen: Avantgarde schafft leichthin die Voraussetzungen für das Gegenteil von dem, was sie erstrebt.
- simta
Spitz auf Knopf
Simta am 8. April 2013, 13:32 Uhr:
Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, Besucher der Hannover Messe, ist dort Ungutes angetan worden. Mehrere barbusige Frauen versuchten ihn zu bedrängen. Mit ihren Brüsten auf Augenhöhe bei ihm konnte er dort >Fuck Dictator< lesen, wozu es aber nicht richtig kam, weil Sicherheitskräfte das protestante Milchvieh abdrängten. Putin setzte seinen Messerundgang an der Seite der ordnungsgemäß verhüllten Bundeskanzlerin Angela Merkel unbedrängt fort. Merke: Widerstand mit nichts als ohne Bluse ist wie Bergwandern ohne Rucksack und Gipfel.
- simta
Herren & Menschen
Simta am 3. April 2013, 11:06 Uhr:
Die ersten nicht ganz wirkungslosen Sonnenstrahlen dieses Frühjahrs können dem erbarmenswerten Platz vor dem Bremer Hauptbahnhof auch nichts mehr anhaben. Vor dem Ostflügel, am Tisch eines Lokals, das sinnigerweise als >Zapfhahn< firmiert, weil sich alles dort um nichts anderes dreht, kippen sich fünf Männer Bier aus Dosen in ihre Gläser. Der Wirt schreitet ein. Lokalverbot allerdings geht irgendwie anders.
Einer der fünf sitzt mit dem Rücken zu mir, hängende Schultern, eine Jacke wie aufgenäht, gespannt nach vorn übergebeugt, es geht plötzlich gegen ihn, den Wessi, der nie begreifen wird, womit wir rechnen müssen, wenn der ihm gegenüber losschlagen wird. Dass es allmählich an der Zeit sei und nichts so bleiben könne, und noch ein Bier außerdem. Als es auf dem Tisch steht, kippt er es grinsend in die Rabatten: "Geld gibts dafür keins!"
Dann singt er, "Völker hört die Signale", lärmt ein "Deutschland den Deutschen" hinaus auf den Platz, der wirklich aussieht wie von deutschen Bauleuten der Jetztzeit gebaut. Einer am Tisch, ein Koch, mischt sich mit dem Angebot ein, dem Deutsch-Deutschen einen Job als Küchenhilfe zu beschaffen, "aber ich weiß ja, du bist einer der nie früh da ist und später schon weg." Aber es wären 8,50 die Stunde und versichert wäre er auch. Aufschneider haben es aber nicht so mit der Möglichkeitsform.
Die Sache verliert sich in allerlei Gezänk, das Deutschsein wird, als der Wirt noch einmal auftaucht, tiefer gehängt. Seine Drohung, die Polizei zu rufen, wirkt dann doch, "aber der Tag wird kommen, an dem du ...", noch ein Bier fließt ab in die Bepflanzung. Mitleid wegen der Trotzreaktion stellt sich nicht ein. Die Sonne kriegt auch nichts gerichtet, sie schlurfen davon, eine soziale Komödie ohne Vorhang, morgen, vorm Zapfhahn, sieht man sich wieder. Der Platz ist gerichtet.
- simta
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