CD-Tipp
Antony Hegarty, so konnte man kürzlich in der Süddeutchen Zeitung lesen, sei "die wichtigste Pop-Stimme des 21. Jahrhunderts". Da gibt es bekanntlich andere Meinungen: Bob Dylan könnte man anführen, Melody Gardot oder Norah Jones. Trotzdem ist diese Stimme aus England außergewöhnlich, androgyn, leidenschaftlich und kompromisslos unkommerziell, eine Stimme, die über den Songs schwebt und sie in ganz eigene, elegische Stimmungen treibt. Inspiriert von Schubertliedern und dem Klang von Countertenorstimmen, aber auch von Bryan Ferry und Boy George erzählt Anthony Hegarty von großen Gefühlen und das tut er mit großem Orchester. Und irgendwie passt das. Denn dadurch lösen sich die Songs aus dem Urtext und werden zu kleinen Sinfonien.
Antony Hegarty jammert und deklamiert, schwankt ähnlich wie Kollege Rufus Wainwright zwischen Weinerlichkeit und grandioser Geste, zwischen purem Kitsch und anrührendem Bekenntnis. Anthony and the Johnsons liefern Pop-Variationen, die hinüberschauen zur Sparte Kunstmusik, die dadurch auch schon ein wenig entrückt klingen: Ungewöhnliche Sounds, Streichernebel und diese übermächtigen Stimme dort oben.
"Cut the World" von Anthony Hegarty und seinen Johnsons plus Orchester klingt opulent und vollkommen unbescheiden, als habe sich der Künstler einen alten Traum erfüllt. Die Hits von Sting gibt es inzwischen in Orchesterfassung ebenso die Songs der Beatles, in der Pepperland Suite veredelt von George Martin. In diese Richtung zielt der Außenseiter, der sich übrigens in der avantgardistischen US-Kunstszene am wohlsten fühlt, bei Robert Wilson, Martina Abramovic und Laurie Anderson. Da gehört er irgendwie auch hin. Genius und Outcast zugleich. Von dieser Gratwanderung zwischen Pop und Kunst erzählt "Cut the world" in eindringlichen Bildern.
CD-Tipp: Cut the World, [4:47]
Wolfgang Rumpf über das Album von Antony & the Johnsons
Info: CD-Tipps
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