CD-Tipp
So kannte man sie bisher: Da sitzen die drei Chemiranis im Schneidersitz und bedienen filigran und mit atemberaubender Präzision jene Tombak genannte persische Handtrommel, deren weltweite Botschafter sie seit langem geworden sind. Der Korpus dieser Bechertrommel ist aus einem Holzstück geschnitzt, meist aus den Überbleibseln eines Nuss- oder Maulbeerbaums, bespannt mit einem Ziegenfell. Was sie damit anstellen, ist Kunst.Wenn Vater Djamschid Chemirani und seine beiden Söhne Keyvan und Bijane gemeinsam loslegen, traut man bisweilen seinen Ohren nicht mehr: Mit allem, was Handflächen und Fingerkuppen inklusive der Nägel hergeben, wird da synchron gerieben, geschlagen, gestreichelt und gewirbelt. Bei solcher Fingerfertigkeit kaum zu glauben: Der in Teheran geborene Vater Djamschid wird nächstes Jahr 70 Jahre alt. Als Achtjähriger begann er, Tombak zu spielen. Anfang der 60er zog es ihn ins Exil nach Frankreich, wo auch beide Söhne geboren wurden, aufwuchsen und andere Trommeln kennenlernten.
Nach über 20 Jahren gemeinsamer Praxis haben die drei Chemiranis nun eine Handvoll befreundeter Gastmusiker zu sich ins Studio eingeladen. Mit "Le Trio Chemirani invite…" heißt die CD dann auch folgerichtig: Als Gast zu hören ist da nicht nur die Crème de la Crème der französischen Weltmusikszene. Die perlenden Harfenklänge des Kora-Spielers Ballaké Cissoko aus Mali sind kaum verklungen, da tritt der kubanische Pianist Omar Sosa an den Flügel.
Auffallend ist nicht nur die stilistische Bandbreite sowie Anpassungsfähigkeit der drei Percussionisten. Auch die Gastmusiker – allesamt renommierte Solisten – prägen mit ihrer Virtuosität und ihrem Einfallsreichtum dieses Paradebeispiel imaginärer Weltmusik.Wie mit dem Jazzgitarristen Sylvain Luc entfaltet sich die Musik stets erst in der gemeinsamen Improvisation, die zumeist auf Kompositionen des Trios fußt. Einer der Höhepunkte ist der Titel Oryssa von und mit dem französischen Kontrabassisten Renaud Garcia-Fons. Dessen Zusammenarbeit mit den Chemiranis verdient nur ein Prädikat: Weltklasse!
CD-Tipp: Trio Chemirani invite, [4:18]
Andreas Kisters über das Album von Le Trio Chemirani
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