CD-Tipp
Die gepflegte Lounge eines Nightclubs in Havanna auf Kuba. Kontrabass, Klavier und ein dezentes Schlagzeug wetteifern mit dem gedimmten Licht um noch mehr Zurückhaltung. Dann erscheint eine junge, zierliche Sängerin auf der Bühne. Vom ersten Song an betört diese Stimme. Unfassbar, welche Intensität und Sanftheit von Sílvia Pérez Cruz ausgehen kann.
Ihrer klassischen Ausbildung an Klavier und Saxophon folgte die Spezialisierung im Jazz-Gesang. Mit 18 ging sie nach Barcelona, tummelte sich in allerlei Projekten und machte in den letzten Jahren vor allem als Flamenco-Sängerin von sich reden. Und jetzt? Vor vier Jahren traf sie auf den renommierten Latin-Jazz-Kontrabassisten Javier Colina, mit dessen Trio sie sich an ein paar Klassiker der kubanischen Liedkultur heranwagte.
Sílvia Pérez Cruz – eine betörende Stimme, intensiv und sanft
Sílvia Pérez Cruz kommt aus Palafrugell, einer kleinen Stadt im Hinterland der mittleren Costa Brava. Ihr Vater Cástor Pérez leitete diverse jener katalanischen Seemannschöre, die die Leichtigkeit kubanischer Havaneras in Spaniens Nordosten so populär machten. Vielleicht rührt ja Sílvias Begeisterung für solche Musik daher, dass der Vater seine Tochter vor Jahren auf eine Reise nach Kuba mitnahm und sie dort mit dem emotional aufgeladenen "filin-Musikstil" in Berührung kam.
Beim "Filin" geht es grundsätzlich gefühlvoll und tränenreich zu, der Trauer um eine verloren gegangene Liebe scheinen poetisch keine Grenzen gesetzt. "Wenn Dir nur der Mondschein erzählen könnte, von den all' den Nächten, die ich, ihn anstarrend, an Dich dachte, wenn Dir nur die Wellen des Meeres sagen könnten, wie oft ich, um Dich trauernd, Deinen Namen in den Sand schrieb." Dem einen oder anderen mögen solche Boleros als nostalgische Reminiszenz ans Kuba der 50er Jahre zu gefühlvoll oder kitschig daherkommen, aber wunderschön sind sie trotzdem!
CD-Tipp: En la imagincaión, [4:11]
Andres Kisters über das Album des Sílvia Pérez Cruz & Javier Colina Trio
Info: CD-Tipps
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