CD-Tipp
Seine Vergangenheit als eine Hälfte von Steely Dan macht den Sänger, Pianisten und Songwriter Donald Fagen zu einem musikalischen Helden der Generation der "Baby-Boomer". Fast alle Steely Dan-Alben zählen zum Kanon der großen Rock- und Popmusik der letzten vierzig Jahre. Und auch solo hat der Mann aus New York Musik gemacht, die den Status "legendär" verdient. Dreißig Jahre nach seinem bis heute verehrten ersten Solo-Werk "The Nightfly" ist Donald Fagen jetzt abermals mit einem Album unter eigenem Namen am Start. "Sunken Condos" – Harald Mönkedieck stellt es vor.
CD Donald Fagen: Sunken Condos, Warner Music
Ein fröhlicher Mann war Donald Fagen ja noch nie, eher ein notorisch schlecht gelaunter Sarkast mit Vorliebe für doppelbödige Songinhalte. So auch in "Slinky Thing", der ersten der insgesamt neun Aufnahmen auf diesem Album: ein älterer Mann ist darin getrieben von der Obsession, seine jüngere Frau könnte ihn verlassen für einen anderen. Notizen aus einer Männerwelt jenseits der Midlife-Krise, trocken aber funky.
Und da sind sie wieder, die typischen Zutaten des Fagen-Sounds: ein präziser Groove in mittlerem Tempo, intelligent verschachtelte Arrangements mit Jazz-Harmonien und Soul-Anleihen, gespielt von Meistermusikern. Dazu eine eigenwillige Stimme, meisterlich phrasierend und distanziert. In der Steely Dan-Vergangenheit konnte dabei eine klaustrophobische Anmutung entstehen. Nicht so auf "Sunken Condos". Fagen lässt seine Musik atmen und swingen, für mehr Freude und mehr Hörvergnügen. Ob nun Jazz oder nicht interessiert ihn nicht, doch er gibt zu: seine Akkorde haben meist mehr als nur drei Töne.
Bei Fagen keine melancholisches Statement aus gebrochenem Herzen, denn dem Protagonisten geht es hier besser als zuvor. "ch entwickele mich mit erstaunlicher Geschwindigkeit…", singt der Sänger und Steely Dan-Kennern ist klar: hier spricht der Ironiker Fagen, der genau weiß: wirklich besser werden die Dinge nicht im Alter, auch nicht in der Liebe. Depressiv wie nach seinem letzten Solo-Album "Morph The Cat" - nach "9/11" - ist Fagen heute nicht mehr, entfremdet vom Turbo-Mainstream der durchdigitalisierten US-Popkultur hingegen schon.
Ein alter Hipster konstatiert seine Überflüssigkeit durch die Generation junger Computerfreaks. Der Überlebende, gestählt durch Jahre des Lebensexperiments in unterschiedlichsten Bereichen, zieht sich zurück in sein angestammtes Biotop. Im Falle von Donald Fagen das Tonstudio, wo ein nicht korrumpierbares Qualitäts-Diktat ihn immer noch zu Leistungen treibt, die auch zynischen Bloggern Respekt abverlangt.
Zum Beispiel für dieses neue Solo-Werk, zum Beispiel für den Song "Miss Marlene" mit tragischer Romantik à la Fagen: eine junge Schönheit (und talentierte Bowlerin), unglücklich verliebt und dem Alkohol verfallen, läuft vor ein Taxi und kommt ums Leben. Einfach so. Und die Bowling-Kugeln rollen weiter in Amerika, egal was so passiert "every Saturday night".
Der CD-Tipp zum Anhören:
CD Tipp Donald Fagen , [4:56]
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