CD-Tipp
Nikolai Kapustin ist ein Sonderfall in der aktuellen Musikwelt. Seine Stücke klingen wie Jazz, sind aber nicht improvisiert, sondern Takt für Takt genau notiert. Der 1937 geborene Kapustin lebt nach wie vor in Moskau und war Schüler des legendären Klavierpädagogen Alexander Goldenweiser am dortigen Konservatorium. Im Westen wurde seine Musik durch Pianisten wie Steven Osborne oder Marc-André Hamelin entdeckt, und nun wandelt auch die georgische Pianistin Catherine Gordeladze auf den Spuren dieses russischen Groove. Auf ihrer neuen CD spielt die in Frankfurt lebende Künstlerin Kapustins acht große Konzertetüden und die 24 Preludes in Jazz Style.
Catherine Gordeladze ist eine klassisch ausgebildete Pianistin, die schon ein sehr überzeugendes Haydn-Album aufgenommen hat. Hört man ihre neue Einspielung mit Stücken von Nikolai Kapustin, kann man kaum glauben, dass hier dieselbe Interpretin am Werk ist. Gordeladze swingt wie ein alter Jazz-Hase, hochvirtuos und mit einem ausgeprägten Sinn für das Timing und die rhythmischen Gemeinheiten des Klassik-Jazzers aus Moskau. Nicht jeder klassische Musiker kommt mit Kapustins Stücken zurecht, doch Catherine Gordeladze scheint ein Synkopen-Gen mitbekommen zu haben. Ihr Spiel klingt nie bemüht locker, sondern immer natürlich und voller Groove.
Catherine Gordeladze klingt immer natürlich und voller Groove
Nur wenige lebende Komponisten haben in den letzten Jahren so eine steile Karriere gemacht wie Nikolai Kapustin. Obwohl er in der russischen Musik mit seiner Stilistik ziemlich alleine dasteht, entwickelt er sich im Westen immer mehr zur Kultfigur. Catherine Gordeladzes neue Aufnahme bietet großes Klavierspiel, hier treffen sich Oscar Peterson und Sergej Rachmaninow zu einer unwiderstehlichen Mischung. Russische Musik einmal nicht triefend melancholisch, sondern unter Gordeladzes flinken Fingern mitreißend und voller Swing.
Catherine Gordeladze spielt Nikolai Kapustin , [3:25]
Wilfried Schäper über das Album von Catherine Gordeladze
Info: CD-Tipps
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