CD-Tipp
Drei Jahre musste ihre Fangemeinde auf ein neues Album warten. Nun hat die norwegische Ausnahme-Songpoetin ihr sechszehntes Solo-Album vorgelegt, pünktlich zur gerade beginnenden Deutschlandtournee, die sie auch nach Oldenburg und Bremen führen wird. Andreas Kisters stellt die Platte vor.
Kari Bremnes, "Og saa kom resten av livet", Strange Ways
Immer wieder zieht es die nordnorwegische Liedermacherin Kari Bremnes zurück auf die Lofoten, in ihre Heimat jenseits des Polarkreises. Dort, wo die langen Wintermonate alles in ein unwirkliches blaues Dämmerlicht hüllen, findet sie genügend Ruhe und Zeit, die Dinge und das Leben zu betrachten.
Erinnerungen kommen hoch, an Blaubeerkraut und Sommer, und wer immer dieser faszinierenden Stimme lauscht, sieht den still ruhenden See vor sich. Weit und breit keine Regung, nicht mal Ringe an der Wasseroberfläche, weil niemand einen Stein wirft. Allein in der Natur – die ideale Voraussetzung für eine kontemplative Rückschau: "Und dann kam der Rest deines Lebens" so der Titel ihres aktuellen Albums. Die Songs aus der Feder der 55-jährigen Sängerin stellen wieder mal ihre musikalisch-lyrische Treffsicherheit unter Beweis. Eine bisweilen düstere skandinavische Melancholie paart sich mit ihrem poetischen Blick auf alles Zwischenmenschliche, mit Vorliebe auf die kleinen Unstimmigkeiten, die Widersprüche und die Zweifel.
Mal wieder verleiht die ungeheure Intensität ihrer Stimme den Songs das fesselnde Moment. Und dann sind da noch ihre akribische Beobachtungsgabe sowie seltsam skurrile Assoziationen. Diese Frau, die da in grundsoliden Schuhen auf recht kurzen Beinen würdevoll wie eine Päpstin durch die Straße geht und in ihrem Rucksack einen Kerzenständer trägt. Will sie damit etwa jemanden erschlagen?
Stilistisch bewegt sich ihr Songwriting irgendwo zwischen Folk, Rock und Pop. Behutsam wird Kari Bremnes begleitet durch vier langjährige Weggefährten, die es verstehen, mit wenigen Mitteln und zurückhaltenden Arrangements jene Atmosphären zu schaffen, in denen sich Karis introvertierter Blick auf ihre Seelenlage entfalten kann, und die ist Lofoten-typisch schon mal nasskalt und verfroren.
Da das Booklet alle norwegischen Liedtexte auch in deutscher Übersetzung liefert, lassen sich die vielen autobiographischen Bezüge nachvollziehen: Erinnerungen an die kleine Kari, das Erwachsen Werden ihrer eigenen Kinder oder das Altern ihrer Eltern. Wie hieß noch der Titel des Albums? „Und dann kam der Rest Deines Lebens“. Eine gefühlvolle Retrospektive.
Der CD-Tipp zum Anhören:
CD-Tipp: Kari Bremnes "Og så kom resten av livet, [4:26]
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