CD-Tipp
Das Trio Joubran füllt nicht nur den Pariser Chansontempel Olympia mühelos, sondern ist auf den großen Bühnen dieser Welt zu hören. Zum zehnjährigen Bestehen präsentiert das palästinensische Ausnahme-Lautenensemble eine Sonderedition mit ihren fünf bisher veröffentlichten CDs sowie einer DVD.
Hinter dem palästinensischen Trio Joubran verbergen sich die drei Brüder Samir, Wissam und Adnan Joubran. Sie kommen aus dem geschichtsträchtigen Nazareth in Galilea und wurden in eine Musikerfamilie hineingeboren, die seit Generationen von der arabischen Laute namens Oud lebt.Schon der Urgroßvater spielte den Oud, ihr Vater galt als einer der renommiertesten Instrumentenbauer dieser Kurzhalslaute, während die Mutter als Sängerin sie von klein auf mit arabischer Poesie vertraut machte. Dass alle drei Brüder Oud spielen, ist insofern nichts Außergewöhnliches.
Halsbrecherisch-virtuose Technik
Ungewohnt ist allerdings die halsbrecherisch-virtuose Technik sowie die Besetzung: Schließlich tritt der Oud in der arabischen Musik gewöhnlich einzeln auf, insbesondere als Instrument zur Liedbegleitung. Aber die drei schlugen eben neue Wege ein.Ihre Ausbildung holten sich die Brüder an berühmten Konservatorien – etwa Kairo fürs klassische Oud-Spiel oder die Stradivari-Stadt Cremona für den Instrumentenbau.Kongenial unterstützt werden die drei von ihrem langjährigen Weggefährten Youssef Hbeisch, dessen abwechslungsreiche Perkussion entscheidend zur atmosphärischen Dichte der Musik beiträgt.
Neue Wege und große Vorbilder
Im Wesentlichen beruht ihr Musikmix auf der Fortführung traditioneller Maqams und der daran gebundenen orientalisch anmutenden Melodietypen, Skalen und Modi, aber die drei suchen ständig nach unbetretenen Pfaden, bei denen sie westliche Musikstile, Jazz-Improvisationstechniken, treibende Rock-Patterns oder Flamenco-Elemente einfließen lassen.
Was die drei Brüder Joubran an filigranen Anschlagstechniken, virtuosen Läufen, synchronem Tremolo, Tempowechseln und blindem Verständnis aufbringen, braucht sich nicht hinter ihrem Vorbild zu verstecken, dem legendären Gitarrentrio von John McLaughlin, Al di Meola und Paco de Lucia.
Epische Erzählweise und traumhafte Filmmusik
Außer mit Perfektion und Einfallsreichtum überzeugt das seit acht Jahren in Paris angesiedelte Trio vor allem auch mit seiner bisweilen epischen Erzählweise, wunderschön etwa beim 2009 gemeinsam mit dem Ensemble Chkrrr produzierten Soundtrack zur Sahara-Fliegerromanze „Le dernier vol“ – der letzte Flug.
Mit dieser Jubiläumsedition legt das palästinensische Ausnahmetrio nicht nur Viereinhalb Stunden Musik als Rückblick auf ihren zehnjährigen Werdegang vor, sondern verspricht mit dem Titel „The first ten years“ zugleich auch Weiteres. Eine zukunftsweisende Kostprobe davon mag die Kooperation mit dem tunesischen Sänger Dhafer Youssef gewesen sein, mit dem sie in himmlische Sphären zu entschwinden scheinen.
Autor: Andreas Kisters
Trio Joubran: "The first ten years", [4:18]
Musik 1: "Safar"
Musik 2: "Shagaf"
Musik 3: "Masâr"
Musik 4: "Shajan"
Musik 5: "Nawwâr"
Musik 6: "L'obstinée II"
Musik 7: "Zawâj El Yamâm"
Trio Joubran: CD "The first ten years" (5 CDs + DVD), erschienen beim Label World Village, in Deutschland im Vertrieb über harmonia mundi, veröffentlicht Februar 2013
Trio Joubran: "The first ten years", [4:18]
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