9. Februar 2013, 19:05 Uhr
Ein Abend für...
"Er ist für mich ein unsichtbarer Begleiter in meiner Arbeit, aber auch in meinem Denken geblieben", sagt der Schriftsteller Günter Kunert über seinen großen Kollegen Bert Brecht, den er als knapp 20jähriger kennen lernte. Bis heute ist Brecht präsent in den Erinnerungen von Manfred Wekwerth, Käthe Reichel, Ernst Schumacher, Gisela May, Regine Lutz und Marianne Kesting, für deren Leben er eine entscheidende Rolle gespielt hat.
Bertolt Brecht
Michael Augustin und Walter Weber haben mit Menschen gesprochen, die Brecht begegnet sind, und sie konnten historisches Rundfunkarchivmaterial auswerten: Erinnerungen an Bert Brecht von Max Frisch, Elisabeth Hauptmann, Carl Zuckmayer, Oskar Maria Graf, Manfred Wekwerth und anderen.
Am 14. August 1956 starb Bertolt Brecht in seiner Wohnung in der Berliner Chausseestraße. Mit ihm wurde einer der wohl bedeutendsten und erfolgreichste Dramatiker der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts zu Grabe getragen. Nur 58 Jahre alt ist Brecht geworden und hat doch ein Werk von erstaunlicher Vielfalt hinterlassen: neben den Stücken und Theaterbearbeitungen ein umfangreiches lyrisches Œuvre, das zum Besten der klassischen Moderne zählt, ungezählte Schriften über Literatur, Theater und die Künste sowie meisterliche Kurzprosa wie die "Geschichten vom Herrn Keuner".
Ein Leben lang kennzeichnete ihn eine notorische Umtriebigkeit und ein bemerkenswertes Selbstbewusstsein. Schon als junger Mann sagte er über sich: "Ich komme gleich nach Goethe."
Er begann als literarischer Provokateur und wurde mit der "Dreigroschenoper" von 1928 über Nacht eine Berühmtheit der internationalen Kulturszene. Als etablierter Autor war er so etwas wie ein "Hans Dampf in allen Gassen" und musste doch, von Nazideutschland verfemt, in wechselnden Exilländern das bittere Los der Emigration ertragen.
Zurückgekehrt nach Europa avancierte er in der DDR zum kulturellen Aushängeschild. Ein staatstragender Künstler ist er freilich nicht geworden, dazu war sein angeborener Hang zum Nonkonformismus und zum Widerspruch allzu mächtig.
Bis zuletzt war er ein begnadeter Selbstdarsteller und Inszenator des eigenen Ego, begabt mit einer ungewöhnlichen Faszinationskraft. Kein Wunder also, dass er auch den kongenialen Nachruf auf sich selbst hinterlassen hat: "Ich benötige keinen Grabstein, aber wenn Ihr einen für mich benötigt, wünschte ich, es stünde drauf: Er hat Vorschläge gemacht. Wir haben sie angenommen."
International Brecht Society
Bertolt Brechts Werke bei Suhrkamp
Geboren wird Bertolt Brecht am 10. Februar 1898 als Berthold Eugen Friedrich Brecht in Augsburg. Er entstammt einem ausgesprochen bürgerlichen Milieu. Der Vater arbeitet sich vom kaufmännischen Angestellten zum Direktor einer Papierfabrik empor.
Nach dem Besuch der Volksschule wechselt der junge Brecht zum Königlichen Realgymnasium in Augsburg, das er 1917 mit dem Notabitur absolviert.
Der Sohn aus gutem Hause versammelt in seinem Augsburger Mansardenzimmer einen Kreis von Freunden und Bewunderern um sich, die er mit ersten Dichtungen und Bänkelgesängen beeindruckt.
Der Augsburger Buchhändler Kurt Idrizovic ist Gründer und und war bis 2009 auch Herausgeber des Brecht-Periodikums "Dreigroschenheft". Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift enthält wissenschaftliche Arbeiten, Berichte von aktuellen Theateraufführungen, Buchrezensionen usw., die sich mit Brecht und seinem Werk beschäftigen.
Kurt Idrizovic über Bertolt Brechts Verhältnis zu Augsburg, [2:05]
Dreigroschenheft
Das Museum präsentiert eine Auswahl interessanter Originale: das Schlafzimmer der Mutter Brechts, Erstausgaben seiner Werke, ein Bühnenbild von 1949, Lebend- und Totenmaske und weitere Kunstwerke von Caspar Neher, Paul Hamann, Gustav Seitz und Waldemar Grzimek einbezogen.
Eine Präsenzbibliothek und eine Videoinstallation runden das Angebot einer Begegnung mit Brechts Leben und Werk ab.
Brechthaus Augsburg
Gedenkstätte für Bertolt Brecht
Auf dem Rain 7
Öffnungszeiten: Di-So, 10.00-17.00 Uhr
Der Germanist Dirk Heisserer ist der beste Kenner der litararischen Topographie Münchens und seiner Umgebung. Seit 1988 veranstaltet er literarische Spaziergänge und Exkursionen zwischen München und dem Gardasee. Der Vorsitzende des Thomas-Mann-Förderkreises in München ist auch als Herausgeber und Autor herrvorgetreten - mit Büchern wie: "Wo die Geister wandern. Eine Topographie der Schwabinger Bohème um 1900" (Neausgabe.Verlag C.H. Beck 2008) oder "Im Zaubergarten. Thomas Mann in Bayern" (C. H. Beck Verlag 2005).
Dirk Heisserer über Bertolt Brechts Geburtshaus in Augsburg, [2:21]
Dirk Heisserer - Die Homepage
Im Jahr 1917 immatrikuliert sich Brecht an der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität für das Medizinstudium, das er nie ernsthaft betreiben wird. Seine Leidenschaften sind Literatur und Theater – und darüber kann an der Münchner alma mater niemand so kundig dozieren wie der Theaterwissenschaftler Artur Kutscher, dessen Seminare und Übungen Brecht besucht.
Dirk Heisserer über Bertolt Brecht in München, [1:12]
Ein wichtiger Förderer wird Lion Feuchtwanger, der ihn in Münchens Theaterkreise einführt. Für großes Aufsehen sorgen bereits die ersten Stücke, die Brecht schreibt: "Baal" (1918), ein antibürgerlich-provokantes Künstlerdrama mit autobiografischen Zügen, und das Polit-Schauspiel "Trommeln in der Nacht" über den Berliner Spartakusaufstand von 1919, das 1922 mit großem Erfolg an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt wird und dem Autor den renommierten Kleist-Preis einträgt.
Dirk Heisserer über Bertolt Brecht und Lion Feuchtwanger, [2:19]
Feldherrnhalle und Theatinerkirche in München
Im gleichen Jahr heiratet Brecht die Schauspielerin und Sängerin Marianne Zoff. 1923 kommt die gemeinsame Tochter Hanne zur Welt. Ein erstes Kind, den 1919 geborenen Sohn Frank, hat Brecht aus der Verbindung mit seiner Augsburger Jugendliebe Paula (genannt Bi) Banholzer.
Kalender
Info: Ein Abend für...
![La Strada [Quelle: Rainer Krause, Rainer Krause] La Strada [Quelle: Rainer Krause, Rainer Krause]](/nordwestradio/sendungen/ein_abend_fuer/infobild120_v-mediateaser.jpg)
Der "Abend für…" ist ein akustisches Überraschungsei, mal als große Oper live aus der Metropolitan Opera in New York, mal zum Geburtstag von Joachim Ringelnatz oder Randy Newman, aber auch mal 120 Minuten über Gärten, das Weltall oder "die 68er". Jeden Samstag, immer anders. An jedem ersten Samstag im Monat gibt es auf diesem Sendeplatz Mare Radio und an jedem letzten Samstag Redefreiheit, eine Call-in-Sendung mit Eugen Drewermann.
Sendezeit:
Sa., 19:05 - 21:00 Uhr
Zwischen Mythos und Moderne
Das 1990 gegründete Ensemble möchte altbekannte Hörgewohnheiten verändern und sie auch konservativerem Publikum nahe bringen. Dabei hilft die Verflechtung mit anderen Künsten wie Tanz, Schauspiel, Film oder Malkunst. Wir präsentieren einen Mitschnitt vom Januar in der St. Ansgari-Kirche in Oldenburg. Mehr...
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