12. Januar 2013, 19:05 Uhr
Ein Abend für...
Aus Anlass des 85. Geburtstags von Günter Grass am 16. Oktober 2012 haben Harro Zimmermann und Walter Weber eine radiophone Grass-Würdigung zusammengestellt, in der der Autor, Kenner seines Werkes und Zeitgenossen zu Wort kommen.
Günter Grass
Am Mikrofon: Harro Zimmermann
Im Jahr 1959 veröffentlichte Günter Grass seinen Roman "Die Blechtrommel", der auf Anhieb ein Welterfolg wurde. Seitdem ist Grass zum berühmtesten deutschen Schriftsteller avanciert, dessen Auftritte in den Rang von globalen Medienereignissen gerückt sind.
Nach 1945 hat sich kein deutscher Autor so unüberhörbar in öffentliche Debatten eingemischt und heftige Kontroversen ausgelöst wie der Literaturnobelpreisträger des Jahres 1999. Schon seit den sechziger Jahren zeugen Meinungsumfragen von seiner publizistischen Repräsentanz, und noch 2006 führte er laut "Cicero" die Rangliste der einflussreichsten deutschen Intellektuellen unumstritten an.
Vor allem deshalb hat der Künstler Grass in diesem Land über Jahrzehnte hin auch als politische Einflussgröße gegolten. International ist sein Renommee als Dichter unbestritten, aber im eigenen Land löst nahezu jedes Buch von ihm ein heftiges Kritikerecho aus. Doch das Lesepublikum hat die vielfältige Kritikerschelte nie beeinträchtigen können, das "Phänomen" Grass hat nach wie vor nichts von seiner Faszinationskraft verloren, unverkennbar hat sich seine Stimme der Mediengesellschaft eingeprägt. Was die veröffentlichte Literaturkritik angeht, so haben die auf Grass gemünzten Missbilligungsformeln vom Dichterpatriarchen, vom Monument, vom Denkmal, vom obsoleten Groß- und Gesamtintellektuellen Klischeestarre angenommen.
Wenn es zutrifft, dass der Intellektuelle um seiner öffentlichen Wirkung willen so etwas wie Aura besitzen muss, dann ist Günter Grass in besonderer Weise damit ausgestattet. Die Beharrlichkeit und die Wirkung seiner jahrzehntelangen Dreinreden machen zudem deutlich, dass die Lebensleistung dieses Dichters und Intellektuellen vom großen Publikum der Deutschen seit je anders und vermutlich wohlwollender wahrgenommen wird als von der jeweils meinungsführenden Kulturpublizistik.
Noch der 85jährige Günter Grass kehrt wieder zum lyrischen Genre zurück, und – wie man sehen konnte – tat er gut daran. Mit "Eintagsfliegen" legte er einen Gedichtband der Lebensbilanz vor, der alles andere darstellte als das Produkt eines milde oder gar resignativ gewordenen Alterswerks. Vielmehr ist es ein Buch der politischen Empörung und der polemischen Auseinandersetzung geworden, aber auch eines der Besinnung auf das Alltägliche und Gewöhnliche, auf die Liebe zu seiner Frau und zus einer Familie, und am Ende eine schöne Hommage an die Deutschen und an die deutsche Sprache. Zornig allerdings will Günter Grass bleiben bis ans Ende seines Lebens.
Produktion: Radio Bremen 2012
Günter Grass
Ein literarisches Medienereignis
Kalender
Info: Ein Abend für...
![La Strada [Quelle: Rainer Krause, Rainer Krause] La Strada [Quelle: Rainer Krause, Rainer Krause]](/nordwestradio/sendungen/ein_abend_fuer/infobild120_v-mediateaser.jpg)
Der "Abend für…" ist ein akustisches Überraschungsei, mal als große Oper live aus der Metropolitan Opera in New York, mal zum Geburtstag von Joachim Ringelnatz oder Randy Newman, aber auch mal 120 Minuten über Gärten, das Weltall oder "die 68er". Jeden Samstag, immer anders. An jedem ersten Samstag im Monat gibt es auf diesem Sendeplatz Mare Radio und an jedem letzten Samstag Redefreiheit, eine Call-in-Sendung mit Eugen Drewermann.
Sendezeit:
Sa., 19:05 - 21:00 Uhr
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Sie ist die Königin unter den Streichinstrumenten: die Geige. Komponisten haben durch die Jahrhunderte immer wieder Stücke für sie geschrieben. Musiker wie Gilles Apap spielen sie mit einer Leichtigkeit und verzaubern ihr Publikum. Wir spannen in unserer Sendung den Bogen vom Barock bis zum Jazzmusiker Keith Jarrett. Mehr...
19. Juni, 20:05 Uhr | Nordwestradio
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