23. Februar 2012, 9:05 Uhr
Gesprächszeit
Jahre nach den Morden haben die Angehörigen endlich eine direkte Ansprechpartnerin. "Wir sind diesen Menschen als Gesellschaft viel schuldig“, sagt die frühere Berliner Ausländerbeauftragte. Die Angehörigen sind in diese Lage gekommen, weil die Sicherheitsarchitektur in Deutschland versagt hat. John versteht sich als Türöffnerin, um ihnen zu helfen, den Alltag zu bewältigen
Damals wurde nur in eine Richtung ermittelt und dem Migranten-Milieu die Schuld zugeschoben. Die Familien wurden im gleichen Atemzug mit mutmaßlichen Tätern genannt. Für dieses Versagen muss die Gesellschaft jetzt gerade stehen, fordert John. Der gute Ruf der Familien der Ermordeten muss wieder hergestellt werden.
Zunächst erstellte die CDU-Politikerin ein Bedarfsprofil der einzelnen Familien. Sie ist für über 50 Menschen zuständig, denen sie bei Behörden und am Arbeitsplatz hilft, die sie bei der Suche nach Anwälten und Therapeuten unterstützt. Oftmals haben diese Menschen erfahren, dass über Werte wie "Gleichheit vor dem Gesetz“ und "Würde des Menschen“ letztlich der Sachbearbeiter vor Ort entscheidet. "Wenn der sich nicht täglich vor Augen hält, dass er der Diener dieser Menschen ist und nicht ihr Herrscher, dann läuft vieles schief“.
An die engen Familienmitglieder soll zunächst eine Entschädigungssumme von 10.000 Euro ausgezahlt werden. John hält das für viel zu gering. Immerhin werden jetzt auch Kosten für Beerdigung oder Anwälte übernommen. Damals habe sich niemand um die Angehörigen gekümmert, erzählt John. Den Menschen sei viel Unrecht geschehen. Daher habe die deutsche Gesellschaft jetzt die Verantwortung, diesen Menschen das Leben zu erleichtern. Darin sehe sie ihre Aufgabe, erklärt die 74-jährige.
Die Ombudsfrau sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen den gesellschaftlichen Vorurteilen und den Fehlern bei der Polizeiarbeit. Sie fordert, die Polizeiausbildung zu ändern. Die Polizisten kennen Migranten meist nur als Tatverdächtige. Privat haben sie selten Kontakt zu ihnen und pflegen oftmals klischeehafte Vorurteile. Diese abzubauen sei auch Aufgabe der Ausbilder.
Von 1981 bis 2003 war John Ausländerbeauftragte des Berliner Senats. Sie war die erste Ausländerbeauftragte in Deutschland. Es sei immer ihr Anliegen gewesen, Strukturen zu verändern, sagt Barbara John in der Gesprächszeit mit Nordwestradio-Moderator Robert Kiendl. Sie würde sich wünschen, dass die Angehörigen der Ermordeten in die Ermittlungen einbezogen werden. Vom Tod der Täter haben sie aus den Zeitungen erfahren. Wichtige Informationen sollten die Angehörigen direkt bekommen.
Barbara John (1), [6:29]
Barbara John (2), [6:50]
Barbara John (3), [4:20]
Barbara John (4), [4:57]
Barbara John (5), [6:10]
Gedenkfeier für die Neonazi-Opfer, [10:46]
Nordwestradio-Reporter Robert Kiendl im Gespräch mit Barbara John
Info: Gesprächszeit
![Radio Bremen Mikrofon Blau [Quelle: Radio Bremen, Foto: Martin von Minden] Radio Bremen Mikrofon Blau [Quelle: Radio Bremen, Foto: Martin von Minden]](/nordwestradio/mikrofon100_v-mediateaser.jpg)
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