26. Februar 2012, 15:05 Uhr
Gesprächszeit
Berühmt ist der streitbare Pazifist für seinen Kampf für Gerechtigkeit. Nicht weniger bekannt ist der Kinderbuchautor. Im Verborgenen schlummerte seine Liebe zum Plattdeutschen. Vor wenigen Jahren hat Heinrich Hannover damit begonnen, seine Kindergeschichten, etwa vom Pferd Huppdiwupp und dem Hasen Puschelschwanz, ins Plattdeutsche zu übersetzen. Zwei Bücher gibt es mittlerweile: "Dat Pierd Huppdiwupp" (2010) und "As de Clown de Gripp har" (2011).
Plattdeutsch wurde bei Hannovers zuhause im vorpommernschen Anklam gesprochen. Dort ist der Rechtsanwalt 1925 geboren. Er ist als Einzelkind aufgewachsen und spricht von einer glücklichen Kindheit. Die bekam erst einen Bruch, als er achtjährig ins Jungvolk der Nationalsozialisten eintrat. Ihn hätten die Uniformen fasziniert, erinnert sich Hannover. Das Marschieren und Kommandieren sei hingegen seine Sache nicht gewesen.
Sein Vater, ein Arzt, trat 1938 der NSDAP bei, um, wie er meinte, seinen Beruf weiterhin ausüben zu können. Als er 17 Jahre alt war, meldete sich Hannover wie fast alle Mitschüler als Rekrut zur Division Herman Göring. Kurz vor Kriegsende 1945 wurde er verwundet und kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Als er wenige Monate später nachhause kam, waren seine Eltern tot. Sie hatten Selbstmord begangen. In Anklam sind 600 Menschen aus Angst vor dem Einmarsch der sowjetischen Truppen durch Freitod aus dem Leben geschieden.
Seine politische Erziehung hat Hannover im Beruf erhalten. Er ist in die Rolle des politischen Anwalts hineingewachsen. Als er 1954 in Bremen seine Zulassung bekam, wollte er ursprünglich Kaufleute vertreten, erhielt aber bald ein Pflichtmandat. Er sollte einen Kommunisten verteidigen.
Seitdem hat er erfolgreich hunderte von Kriegsdienstverweigerern und Friedensmarschierern verteidigt. Niederlagen musste er hingegen bei einigen politischen Prozessen einstecken, in denen er für die Rehabilitierung seiner Meinung nach zu Unrecht verurteilter Persönlichkeiten der Zeitgeschichte kämpfte, wie den von den Nationalsozialisten verurteilte Carl von Ossietzky oder der von den Nazis ermordete KPD-Führer Ernst Thälmann.
Schnell wurde Hannover als Terroristenanwalt beschimpft, Medienkampagnen gegen den Unbequemen inszeniert. Zu seinen berühmtesten Mandantinnen gehörte die RAF-Terroristin Ulrike Meinhof. In dieser Zeit erhielt er Morddrohungen, was für seine Frau und die sechs Kinder nur schwer zu ertragen war, erzählt Heinrich Hannover in der Gesprächszeit mit Nordwestradio-Moderatorin Inken Steen.
Die Geschichte seiner Fälle wirft ein grelles Licht auf die politische Geschichte der Bundesrepublik. In seiner zweibändigen Autobiographie: "Die Republik vor Gericht“ schreibt er, die deutsche Geschichte seit 1945 sei falsch verlaufen. Das faschistische Denken habe sich über Professoren, Richter und Staatanwälte, die alle auch Ausbilder waren, fortgepflanzt.
Heinrich Hannover (1), [10:38]
Heinrich Hannover (2), [8:30]
Heinrich Hannover (3), [7:34]
Heinrich Hannover (4), [10:31]
Info: Gesprächszeit
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