13. Dezember 2011, 9:05 Uhr
Gesprächszeit
Er ist ein unbequemer Geist, denn er legt den Finger in die Wunde. Mit seiner Langzeitstudie "Deutsche Zustände" weist Wilhelm Heitmeyer – Leiter des interdisziplinären Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld – seit zehn Jahren nach, dass in der deutschen Gesellschaft Minderheiten ausgegrenzt, abgewertet und als minderwertig betrachtet werden.
Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer
Im Jahr 2002 erschien der erste Band der Studie, gerade veröffentlicht Heitmeyer die letzte von zehn Ausgaben, allesamt erschienen im Suhrkamp-Verlag.
Das Syndrom der "gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" – so nennt der Erziehungswissenschaftler die Einstellungen der Deutschen gegenüber Homosexuellen, Behinderten, sozial Schwachen oder Ausländern – zersetzt eine Gesellschaft, treibt sie auseinander und kann zu gewalttätigen Auseinandersetzungen führen. Genau diesem Syndrom spürt der Forscher nach.
Besonders brisant werden seine Erkenntnisse, wenn man an die vor ungefähr einem Monat entdeckte Zwickauer Zelle denkt. Hier konnte ein rechtsextremistisches Milieu über Jahre gedeihen und zehn Menschen ermorden. Heitmeyer betont die gesellschaftliche Verantwortung für diese Morde. Die Terroristen seien schließlich Teil dieser Gesellschaft und bedienten sich der Denkmuster, die in Deutschland existieren.
Auch eine soziale Spaltung erkennt der 66-jährige Wissenschaftler in diesem Land. Wohlhabende entsolidarisieren sich mit sozial Schwachen, und die sogenannte Elite aus Politik, Wirtschaft und Medien leistet dieser Entsolidarisierung Vorschub. Heitmeyer prägt den Begriff der "rohen Bürgerlichkeit“. So kann keine Gesellschaft dauerhaft existieren, befürchtet der Forscher.
Doch wie kann verhindert werden, dass diese Gesellschaft auseinander bricht? Was ist notwendig, damit Deutschland ein im Inneren friedliches Land bleibt? Warum gibt es in Deutschland trotz der schon bestehenden sozialen Spaltung bisher keine gewaltsamen Unruhen? Darüber hat Nordwestradio-Moderatorin Ramona Schlee mit Wilhelm Heitmeyer in der Gesprächszeit im Nordwestradio gesprochen.
Wilhelm Heitmeyer (1), [6:34]
Wilhelm Heitmeyer (2), [7:01]
Wilhelm Heitmeyer (3), [6:34]
Wilhelm Heitmeyer (4), [6:48]
Wilhelm Heitmeyer (5), [5:43]
Info: Gesprächszeit
![Radio Bremen Mikrofon Blau [Quelle: Radio Bremen, Foto: Martin von Minden] Radio Bremen Mikrofon Blau [Quelle: Radio Bremen, Foto: Martin von Minden]](/nordwestradio/mikrofon100_v-mediateaser.jpg)
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