9. Februar 2010, 13:05 Uhr
Gesprächszeit
Die Gründung der Staatsbibliothek liegt schon 350 Jahre zurück. Die Universität Bremen hingegen, existiert erst seit knapp 40 Jahren. Zahlreiche auswärtige Gelehrte studierten im 17. Jahrhundert am Gymnasium Illustre im ehemaligen Katharinenkloster der Dominikaner. Hier wurde die Bibliotheca Bremensis eröffnet, die sich in erster Linie als Sammlung des Gymnasiums sah.
Erst im Jahr 1863 bekam die damalige Stadtbibliothek einen eigenen Bibliothekar, erzählt die heutige Direktorin Müller. Mittlerweile war der Bestand derart gewachsen und der Lese- und Wissenshunger der Bürger so groß, dass man einen Wissenschaftler brauchte, um zu sortieren, zu koordinieren und anzukaufen. Das selbstbewusste Bürgertum pflegte Lesezirkel und gab sein Geld und die eigenen Bibliotheken in städtische Hand.
Seit vier Jahren leitet Maria Elisabeth Müller die Geschicke der Bibliothek. Kaum ein anderer Beruf hat sich in den letzten Jahren so gravierend verändert, wie der des Bibliothekars. Heute muss er mit unterschiedlichsten Medien und digitaler Nutzung umgehen. Aber, so berichtet die Direktorin: der Bibliothekar bleibt ein Perfektionist des Findens.
3,5 Millionen Bücher beherbergt die SuUB derzeit, über 22 Millionen Dokumente können online eingesehen werden - mit Hilfe einer Suchmaschine, die die Bibliothek vor 10 Jahren entwickelt hat. Müller spricht von einer hybriden Bibliothek, die verschiedene Medien miteinander vernetzt. Trotz Online-Möglichkeiten wächst die Zahl der Ausleihen - derzeit sind das 2,2 Millionen. 3,5 Millionen Zugriffe gab es 2009 auf das digitale Material. Künftig wird allerdings der Ankaufsetat für Bücher zugunsten digitaler Medien schrumpfen.
Seit den 90iger Jahren erstellt die Bibliothek eine Liste mit den von den Nazis enteigneten Büchern. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Koffer jüdischer Emigranten am Bremer Freihafen beschlagnahmt. 1942 wurde das gelagerte Diebesgut versteigert. Die Bremer Staatsbibliothek erwarb über 1500 Werke. Mitte der 90er Jahre konnten die ersten 38 Bücher an die Erben zurückgegeben werden. 180 Bücher wurden bisher insgesamt restituiert. Alle enteigneten Bücher sind heute in einer Datenbank auffindbar, berichtet die Direktorin im Gespräch mit Nordwestradio-Moderatorin Inken Steen.
Mit zahlreichen Ausstellungen, Vorträgen und Veranstaltungen feiert die Staats- und Universitätsbibliothek in diesem Jahr ihr 350jähriges Jubiläum. Am 8. November 2010 findet der Festakt in der Oberen Rathaushalle in Bremen statt.
350 Jahre Staats- und Universitätsbibliothek Bremen
Gespräch mit Maria Elisabeth Müller (1), [6:25]
Gespräch mit Maria Elisabeth Müller (2), [4:15]
Gespräch mit Maria Elisabeth Müller (3), [6:09]
Gespräch mit Maria Elisabeth Müller (4), [7:39]
Gespräch mit Maria Elisabeth Müller (5), [6:39]
Info: Gesprächszeit
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