Er ist der Spezialist für Grenzgänge, für das Vermittelnde zwischen fremden Sphären, für die unüberschaubaren Katastrophen im Leben. Migration, Erinnerung und Fremdsein, all das spielt auch im privaten Leben des Schriftstellers Aris Fioretos eine herausragende Rolle. Der griechische Vater musste die Heimat aus politischen Gründen verlassen. Die Mutter stammt aus Österreich, geboren und aufgewachsen ist Fioretos in Schweden. Zugehörigkeit oder gar nationale Identität – beides kannte man in dieser Familie nicht. Vielleicht ist Fioretos gerade deshalb einer der deutschsprachigen Autoren, die am allerbesten über die Brüche und Widersprüche im Europa des 21. Jahrhunderts reflektieren können. Seine Romane verarbeiten nicht nur europäische Geschichte – sie geben vor allem dem Einzelnen eine Stimme. In der Gesprächszeit mit Silke Behl erzählt Fioretos über die Schwierigkeiten, eine eindeutige Identität zu entwickeln, über das Europa, das er liebt und über die heilsamen Wirkungen der Literatur.