29. Januar 2013, 19:05 Uhr
Glauben und Wissen
In vielen Städten erinnern "Stolpersteine" an die Opfer des Holocaust
Wir erinnern an Menschen, die den Holocaust erlebten, lassen Überlebende zu Wort kommen und sprechen mit Menschen, die dazu beitragen, die Zeit des NS-Regimes aufzuarbeiten. Wie kann die Geschichte überhaupt aufgearbeitet und für kommende Generationen verständlich vermittelt werden? Über diese Frage möchten wir sprechen. Außerdem gehen wir an Gedenkorte wie den U-Boot-Bunker Valentin in Bremen.
Redaktion und Moderation: Tinia Würfel
Die gesamte Sendung zum Anhören:
Holocaust Gedenktag , [1:24:00]
Glauben und Wissen: Holocaust Gedenktag (Playlist) [PDF, 39 Kb]
1923 wird Charlotte Levy Abraham als Tochter einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Bremen geboren. Sie verbringt hier eine unbeschwerte, glückliche Kindheit. Das ändert sich in den 30er Jahren, denn jüdische Familien werden mehr und mehr unterdrückt. 1939 kann sie mit einem Kindertransport nach England fliehen. Ihr restliches Leben verbringt die gebürtige Bremerin in England, bis sie im vergangen Jahr stirbt. Zuvor hat Katrin Krämer sie besucht und mit ihr über ihre Erinnerungen gesprochen.
Erinnerungen der Zeitzeugin Charlotte Levy Abraham , [15:38]
Riesig, aber doch versteckt in Bremen Farge befindet sich der U-Boot-Bunker Valentin. Von 1943 bis 45 zwangen Nationalsozialisten Menschen aus ganz Europa am Bunker mitzubauen. Er sollte eine U-Boot-Werft für die deutsche Kriegsmarine werden. Der Bunker ist vor Kriegsende allerdings nicht fertig geworden. Lange Zeit nutzte die Bundeswehr ihn als Lagerort, seit zwei Jahren ist der U-Boot-Bunker ein öffentlicher Denkort für Besucher. Kerstin Burlage hat sich das Gelände zeigen lassen.
Ein Besuch im U-Boot-Bunker Valentin, [5:00]
Der Bunker Valentin in Bremen-Farge soll in den kommenden Jahren zu einem Ort werden, an dem Besucher Architektur und Geschichte erfahren können. Seit gut 2 Jahren arbeitet ein Team der Landeszentrale für politische Bildung daran, die Geschichte des U-Boot-Bunkers aufzuarbeiten und in attraktive Angebote umzusetzen. Über das Projekt wacht zusätzlich ein wissenschaftlicher Beirat. Zu dem gehört auch Inge Marszolek. Sie ist Kulturhistorikerin an der Universität Bremen. Tinia Würfel spricht mit ihr über den aktuellen Stand des "Denkorts".
Inge Marszolek im Gespräch, [13:23]
Gespräche mit Zeitzeugen, Bücher, Spielfilme und Dokumentationen – sich mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen, geht mit Fakten und Fiktionen. Mit Witz oder Ironie sich der Vergangenheit zu stellen, gilt dabei häufig als Tabu. Die Künstlerin Anna Adam und die Sängerin Jalda Rebling wagen es. Die jüdischen Frauen fordern neue Formen, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. Ein Beitrag von Thomas Kleinspehn.
"Vergangenheit ist ein Sprungbrett, kein Sofa", [23:24]
Die Historikerin Ulrike Jureit arbeitet am Hamburger Institut für Sozialforschung und beschäftigt sich mit der deutschen Erinnerungskultur. Ihre These ist, dass wir in Deutschland seit Jahrzehnten nach einem bestimmten Muster erinnern und gedenken, und zwar "Opfer-identifizierend". Ihrer Meinung nach ist es Zeit, sich mehr mit den Tätern auseinander zu setzen. Wie das aussehen kann, das erläutert sie in diesem Gespräch.
Ulrike Jureit im Gespräch, [14:21]
Buchtipp: Jureit, Ulrike (Hg): Das Unbehagen an der Erinnerung – Wandlungsprozesse im Gedenken an den Holocaust, Brandes und Apsel, 240 Seiten, 24,90 Euro
15 Jahre war Thomas Geve, als er aus dem Konzentrationslager Auschwitz frei kam. Sofort nach der Befreiung zeichnete er all seine Eindrücke und Erfahrungen als Gefangener mit Buntstiften auf Papier. Später entschied er sich, das Erlebte auch in Worte zu fassen, es aufzuschreiben. So entstand das Buch: "Geraubte Kindheit - Ein Junge überlebt den Holocaust". Der Bremer Donat Verlag hat es gerade neu aufgelegt. Esther Willbrandt hat es gelesen und den heute 83jährigen Autor getroffen.
Thomas Geve: Geraubte Kindheit - Ein Junge überlebt den Holocaust, [4:17]
Buchtipp: Geve, Thomas: Geraubte Kindheit - Ein Junge überlebt den Holocaust, Donat Verlag, 238 Seiten, 16,80 Euro
Glauben und Wissen 27.01.2013: Rätsel, [0:16]
Ist diese Meldung wahr oder falsch? - Wenn Sie die Lösung wissen oder an Ihren Tipp glauben, dann schicken Sie bis zum 31. Januar 2013 eine Mail an: glaubenundwissen@radiobremen.de. Zu gewinnen gibt es das Buch "Das Unbehagen an der Erinnerung", herausgegeben von der Historikerin Ulrike Jureit (Brandes und Apsel).
Info: Glauben und Wissen
![Spitzen des Doms und des Fallturms [Quelle: Radio Bremen, Montage] Spitzen des Doms und des Fallturms [Quelle: Radio Bremen, Montage]](/nordwestradio/sendungen/glauben_und_wissen/glaubenundwissen100_v-mediateaser.jpg)
Hören, wo es lang gehen kann, und erfahren, was Menschen wissen, glauben und denken. Eine Sendung, die im Leben so wirken soll wie ein Navigationssystem im Straßenverkehr: Orientierung stiften in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt.
Sendezeit:
Sonntags, 11:05 - 13 Uhr
Dienstags, 19:05 - 20 Uhr (Whlg.)
An jedem ersten Sonntag im Monat gibt es auf diesem Sendeplatz die Sendung Mare Radio.
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