1. Januar 2012, 20:05 Uhr
Hörspiel
"Zwanzig Grad unter Null" – Frau Seiler war im Winter 1946 ein neunjähriges Mädchen, aber sie erinnert sich noch, als wäre es gestern gewesen. Nicht nur im zerbombten Deutschland herrschten in den Wintermonaten 1946/47 arktische Temperaturen. Die Kältewellen führten von London bis Rom, von Amsterdam bis Nizza zu Tiefsttemperaturen bis minus 28 Grad. In ganz Europa waren durch den Krieg verheerende Bedingungen entstanden, um einer Wetterkatastrophe dieses Ausmaßes begegnen zu können. Was es an Heizmaterial, Kleidung und Nahrung auf Bezugsscheinen und Lebensmittelmarken noch gab, reichte nicht mehr für das Nötigste. Unbrauchbare Transportwege und erkehrmittel, mangelhafte Kommunikation zwischen den Alliierten in den vier besetzten Zonen ließen den strengen Winter, der sich bereits im Oktober angekündigt hatte, zum Überlebenskampf aller werden gegen Kälte und Hunger. Jeder war auf sich allein gestellt – auch und gerade die Kinder.
Gordian Maugg und Alexander Häusser haben Gespräche aufgezeichnet mit Zeitzeugen, die den "Hungerwinter" erlebt und überlebt hatten. Ihre Erinnerungen stehen stellvertretend für eine Generation, deren Kindheit und vielleicht besten Jahre ihres Lebens zunächst durch den Krieg, anschließend durch eine weitere Schreckenszeit bestimmt worden waren.
Interview mit dem Autor und Regisseur Gordian Maugg
"Historische Themen liegen mir besonders am Herzen"
Zeitzeugen berichten
Zeugnis einer humanitären Katastrophe
Aus diesem Originaltonmaterial und unter Verwendung von zahlreichen Tondokumenten und Musiken aus Deutschen Nachkriegswochenschauen ist dieses Hörspiel entstanden.
Hörprobe: Hungerwinter 1946/47, [2:45]
Autoren: Gordian Maugg und Alexander Häusser
Komposition: Susann Maria Hempel
Regie: Gordian Maugg
Länge: 90'00
Produktion: Radio Bremen 2011
Gordian Maugg, geboren 1966 in Heidelberg, lebt in Berlin. Drehbuchautor, Regisseur und Produzent. Zweifacher Bundesfilmpreisträger (Silber 1993, Gold 2000). Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie, Gastprofessor an der Bauhaus Universität Weimar.
Alexander Häusser, geboren 1960 in Reutlingen, lebt seit 1990 in Hamburg. Studium der Germanistik und Philosophie in Tübingen. Tätigkeit als freier Autor; literarische, journalistische Arbeiten. Vorstandsmitglied des Literaturzentrums Hamburg.
Playliste:
Im Anschluss an das Hörspiel hören Sie Musik von Antony and the Johnsons von der CD "The crying light" (RTRADCD443):
Haben Sie den schlimmen Hungerwinter 1946/47 selber erlebt? Oder wissen Sie von Erzählungen Ihrer Eltern, Großeltern oder anderer Verwandter oder Bekannter, was sich damals abgespielt hat? Wir freuen uns über Ihre Berichte!
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Info: Hörspiel
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