Lesebuch
Mit der Befreiung aus den nationalsozialistischen Konzentrationslagern ist die Gefangenschaft nicht zu Ende – diese Erkenntnis spricht aus den Zeugnissen vieler jüdischer Shoah-Opfer. "Ich bin eine Überlebende", schreibt Cordelia Edvardson in ihrem Roman "Gebranntes Kind sucht das Feuer", "jemand, der im grauen Nebel des Niemandslandes zurückgeblieben ist."
Cordelia Edvardson wurde 1929 in München geboren, wuchs in Berlin auf und hat Theresienstadt und Auschwitz als jüdisches Mädchen überlebt. Sie war die uneheliche Tochter von Elisabeth Langgässer, Deutschlands berühmtester katholischer Schriftstellerin, und galt gemäß den Nürnberger Rassegesetzen ab 1935 als Halbjüdin. Sie lebte im Grunewalder Haus der Mutter und deren Mannes. 1943 schlug die Gestapo zu, erpresste Mutter und Tochter. Cordelia erklärte sich bereit, für ihre Mutter ins Unheil zu gehen, und Elisabeth Langgässer nahm das Opfer der erst 14jährigen Tochter an. In Auschwitz musste das Kind die Listen des Doktor Mengele führen.
Über dieses Leben zwischen Unfasslichkeit, Tod und Wiedergeburt hat Cordelia Edvardson, die erst nach Kriegsende in Schweden vom Lagergespenst wieder zum leibhaftigen Menschen wurde, Mitte der 80er Jahre ihren autobiografischen Roman "Gebranntes Kind sucht das Feuer" geschrieben. Er gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der Shoa – in seiner Eindrucksfülle vergleichbar den Büchern von Primo Levi, Imre Kertész, Jorge Semprun und Ruth Klüger. Cordelia Edvardson erhielt für ihr Buch 1986 in München den Geschwister-Scholl-Preis.
Sprecherin: Eva Garg
Produktion SR
Programmtipp: Lesebuch "Gebranntes Kind sucht das Feuer" , [3:53]
Info: Lesebuch
![Bücher im Regal [Quelle: Radio Bremen] Bücher im Regal [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/lesebuch/infobild134_v-mediateaser.jpg)
Fortsetzungslesung großer, für den Funk eingerichteter Romane und Erzählungen.
Sendezeit:
Mo., - Fr., 18:30 - 19 Uhr
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