Lesebuch
"Man kann nicht sagen, hier ist Abdera, oder da ist Abdera! Abdera ist allenthalben, und – wir sind alle gewissermaßen alle da zu Hause", schreibt Christoph Martin Wieland (1733-1813) über seinen berühmten Roman "Geschichte der Abderiten", der zwischen 1774 und 1789 zunächst als Fortsetzungsgeschichte in seiner Zeitschrift "Der Teutsche Merkur" und 1781 als eigenständiges Buch erschien.
Christoph Martin Wieland (1733-1813)
Wielands Werk gilt heute als einer der ersten modernen Romane in der deutschen Literaturgeschichte. In antikes Personal und Ambiente gehüllt, schreibt der Autor eine Art Schilda-Satire auf das Allzumenschliche in Gesellschaft und Politik. Bornierte Kleinstädterei, humorvoll geschildert und vom klassischen Ideal der vollendeten Persönlichkeiten ironisch abgesetzt, wird das feudal-bürgerliche 18. Jahrhundert im Namen der Aufklärung ins Visier genommen.
Als eine "idealisierte Komposition der Albernheiten und Narrheiten des ganzen Menschengeschlechts" hat Wieland selber sein Buch charakterisiert, in dem er als Geschichtsschreiber einer fiktiven Stadtgemeinde auftritt, deren einfältige Sitten und geistige Beschränktheiten eine erziehungsbedürftige äußere Wirklichkeit zu kritischer Anschauung bringen.
Dass der weitgereiste Demokritos von den Abderiten zum Geistesgestörten erklärt wird, dass man in der Stadt Prozesse um den Schatten eines Esels führt oder sich zur Auswanderung entschließt, als eine selbstverschuldete Froschplage überhand nimmt – all das sind Sinnzeichen einer Realität, die endlich einer Vernunftkur bedarf.
Gert Westphal liest Wielands Roman in neun Folgen.
Produktion Radio Bremen 1966
Info: Lesebuch
![Bücher im Regal [Quelle: Radio Bremen] Bücher im Regal [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/lesebuch/infobild134_v-mediateaser.jpg)
Fortsetzungslesung großer, für den Funk eingerichteter Romane und Erzählungen.
Sendezeit:
Mo., - Fr., 18:30 - 19 Uhr
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