8. Dezember 2012, 15:05 Uhr
Literaturforum
Die Kritikerrunde, v.l.: Dr. Lore Kleinert; Gerald Sammet, Karsten Binder, Dr. Elke Schlinsog
Redaktion: Karsten Binder
Der Protagonist Hartmut Hainbach tritt in Stephan Thomes neuem Roman "Fliehkräfte" eine alles entscheidende Reise an. Er will sein bisheriges Leben über Bord werfen und ist auf der Suche nach neuen Möglichkeiten. Wie Thomes Debütroman "Grenzgang" (2009), steht nun auch "Fliehkräfte" auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. In beiden Romanen geht es um das gefühlte Scheitern und die Sehnsucht nach Veränderung. Die vielen Zeitsprünge zwischen Vergangenheit und erzählter Gegenwart sind typisch für den Autor und sorgen in seinen Werken für die nötige Spannung.
Stephan Thome: "Fliehkräfte", Suhrkamp Verlag 2012,
Stephan Thome: "Fliehkräfte", [7:52]
Vor vier Jahren hat die Berliner Schriftstellerin und Regisseurin Jenny Erpenbeck mit ihrem Roman "Heimsuchung" einen internationalen Erfolg errungen. Das Buch erzählte von der eigenen Familienbiographie der Autorin inmitten der Geschichte eines katastrophalen 20. Jahrhunderts. In ihrem jüngsten Roman greift Jenny Erpenbeck wiederum weit aus in die Historie des vergangenen Jahrhunderts, und zwar tut sie es diesmal mithilfe eines kühnen Erzählexperiments, das fünf biographische Lebensmöglichkeiten alternativ durchspielt.
Jenny Erpenbeck: "Aller Tage Abend", Albrecht Knaus Verlag, 19,99 Euro
Jenny Erpenbeck: "Aller Tage Abend", [8:41]
1997 fällte der Waldarbeiter Grant Hadwin auf den Queen Charlotte Islands in British Columbia einen 300 Jahre alten Baum, der den Einheimischen heilig war, eine riesige Fichte mit goldenen Nadeln. Für Hadwin war dieser brutale Akt kein Vandalismus, sondern ein Fanal, ein Weckruf, mit dem er auf die Zerstörung der letzten Urwälder aufmerksam machen wollte. Er hinterließ einen Bekennerbrief und verschwand dann spurlos. Seither ranken sich Gerüchte und Legenden um ihn. Hadwin wurde zu einem der meistgesuchten Männer Kanadas. John Vaillant hat einen spannungsgeladenen Umweltkrimi vorgelegt, in dem die Natur der Hauptdarsteller ist.
John Vaillant: Ende der Wildnis Umweltaktivist oder Ökoterrorist? Die wahre Geschichte vom Verschwinden des Grant Hadwin, Blessing Verlag, 368 Seiten, 15,99 Euro
John Vaillant: Ende der Wildnis, [8:04]
Ein ehemaliger Weißgardist erinnert sich an ein tragisches Erlebnis im Bürgerkrieg in Russland, als er einen Reiter niederschoss. Jahre später, im Exil in Paris, findet er den Vorfall in einem Buch beschrieben. Er versucht den Autor namens Alexander Wolf zu treffen, doch stattdessen begegnet er der rätselhaften Jelena und verliebt sich in sie. Eines Tages erzählt sie ihm von ihrem früheren Geliebten, der dachte, bald sterben zu müssen, weil er dem Tod schon einmal entronnen war. Spannend erzählt Gaito Gasdanow diesen 1947 erschienenen Roman, in dem Liebe und Tod aufs engste verwoben sind. Sein Protagonist Alexander Wolf ist eine der geheimnisvollsten und unvergesslichsten Figuren der Weltliteratur.
Gaito Gasdanow: Das Phantom des Alexander Wolf, Hanser Verlag, 17,90 Euro
Das Phantom des Alexander Wolf, [9:19]
Gabriele Goettle: "Der Augenblick", Reisen durch den unbekannten Alltag. Reportagen. Kunstmann Verlag, München 2012. 396 Seiten, 22,95 Euro
Toby Lester: "Die Symmetrie der Welt", Leonardo da Vinci und das Geheimnis seiner berühmtesten Zeichnung, Berlin Verlag, 304 Seiten, 24,99 Euro
Orhan Pamuk: "Die Unschuld der Dinge". Das Museum der Unschuld in Istanbul, Hanser Verlag, 264 Seiten, 34 Euro
Der literarische Katzenkalender, Hugendubel Verlag, 21,95 Euro
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