3. November 2012, 15:05 Uhr
Literaturforum
Im Preußen des 18. Jahrhunderts begegnen wir Friedrich dem Großen, in Frankreich ist es Jean-Jaques Rousseau, in England David Hume und in Italien zu Beginn des 16. Jahrhunderts haben wir es mit Niccolo Machiavelli zu tun. In der Kritikerrunde hören Sie Joachim Dicks von NDR Kultur, Jörg Dieter Kogel, Harro Zimmermann und Thorsten Jantschek vom Nordwestradio.
Die ganze Sendung zum Anhören:
Literaturforum Sachbuch / Kritikerrunde - Biographien, [42:22]
Redaktion und Moderation: Thorsten Jantschek
Zum 300. Geburtstag des Preußenkönigs Friedrichs II. am 24. Januar 2012 wurden viele Neuerscheinungen herausgebracht. Darunter sind Biographien, Lesebücher mit den royalen Schriften, essayistische Würdigungen des Kriegsführers, Schriftstellers und kunstsinnigen Monarchen. Der Historiker Jürgen Luh macht in seinem Buch als dominierende Eigenschaft des Preußenkönigs nun das Streben nach Größe aus.
Jürgen Luh: "Der Große – Friedrich II. von Preußen", Siedler Verlag, 290 Seiten, 19,99 Euro.
Mehr zum Thema:
Friedrich der Großen
Jean-Jaques Rousseau: "Der Mensch wird frei geboren, aber überall liegt er in Ketten. Manch einer glaubt, Herr über die anderen zu sein, und ist ein größerer Sklave als sie. Wie ist es zu dieser Entwicklung gekommen? (…) Ich glaube, dass ich dieses Problem lösen kann."
Die Lösung, die Jean-Jacques Rousseau anstrebt, ist der berühmte "Contrat social", der Gesellschaftsvertrag von 1762. Rousseau feiert 2012 den 300. Geburtstag. Das wilde Aufklärer-Leben Rousseaus vom geächteten und verfolgten Denker bis zum Paranoiker hat Michel Soetard für die Reihe "Wissen" im Beck-Verlag aufgezeichnet.
Michel Soetard: "Jean-Jacques Rousseau – Leben und Werk", Reihe "Wissen" - C.H. Beck Verlag, 130 Seiten, 8,95 Euro
Mehr zum Thema Rousseau:
Jean-Jacques Rousseau – 300. Geburtstag
Gespräch mit Johannes Beck
David Hume: "Deutschland ist zweifellos ein sehr feines Land, voller fleißiger, ehrlicher Menschen. Wäre es geeint, so wäre es die bedeutendste Macht, die es auf Erden gegeben hat. Die einfachen Leute werden hier fast überall viel besser behandelt und leben bequemer als in Frankreich; und sie stehen den Engländern kaum nach, trotz allen Anscheins, den letztere sich geben."
Diese Reisenotiz schrieb der schottische Philosoph David Hume 1748. Sein Werk ist das eines großen europäischen Aufklärers mit einer smarten Mischung aus erkenntnistheoretischem Skeptizismus, bodenständigem Empirismus und gesunder Urteilskraft. Hume, geht es um das Philosophieren an sich, er ist ein weltoffener etwas schrulliger Brite, vielleicht der wichtigste britische Philosoph des 18. Jahrhunderts. Das neu überarbeitete Buch über David Hume von Gerhard Streminger ist spannend wie ein Roman und von tiefem Verständnis geprägt, wenn es um die Philosophie geht.
Gerhard Streminger: "David Hume – Der Philosoph und sein Zeitalter", C.H. Beck Verlag, 800 Seiten, 34 Euro
Niccolo Machiavelli: "Einem neuen Herrscher verschafft Grausamkeit, Hinterlist und Unglaube Ansehen in einem Land, wo Menschlichkeit, Ehrlichkeit und Religion seit langem aufgegeben sind. Umgekehrt gilt, dass Menschlichkeit, Ehrlichkeit und Religion dort nützen, wo Grausamkeit, Hinterlist und Unglaube nur eine Zeitlang herrschten. Denn so wie die bitteren Dinge den Geschmack stören und die süßen Sachen ihn anekeln, so bekommen die Menschen das Gute leid, während sie sich über das Böse beklagen."
Niccolo Machiavelli hat ein spezielles intellektuelles Temperament. Nicht umsonst sind wir geneigt, richtige politische Schweinereien, wenn sie nur geschickt genug eingefädelt und durchgeführt werden "machiavellistisch" zu nennen. Der Historiker Volker Reinhardt hat eine umfassende Biographie über das Leben dieses unerschrockenen Politprofis vorgelegt.
Volker Reinhardt: "Machiavelli oder die Kunst der Macht", C. H. Beck Verlag, 400 Seiten; 24,95
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![Büchertisch mit Neuerscheinungen [Quelle: Radio Bremen] Büchertisch mit Neuerscheinungen [Quelle: Radio Bremen]](/nordwestradio/sendungen/literaturforum/info164_v-mediateaser.jpg)
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