25. Februar 2012, 23:05 Uhr
Literaturzeit
Der ungarische Schriftsteller Péter Nádas
Der ungarische Schriftsteller und Fotograf Péter Nádas wurde 1942 in Budapest geboren und gilt seit seinem großen Roman "Buch der Erinnerungen" als Weltliterat und als potentieller Kandidat für den Literaturnobelpreis. Das Buch, in den siebziger Jahren geschrieben, wurde zunächst in Ungarn verboten und konnte erst 1985 erscheinen. Schon in diesem frühen Werk ging es um politische und menschliche Verstrickungen in der deutschen und ungarischen, ja der europäischen Geschichte – gespiegelt in verschiedenen Lebensläufen von Menschen.
Im Jahr 2005 erschien Peter Nádas' Roman "Parallelgeschichten" in Ungarn, der nun endlich auch in deutscher Übersetzung vorliegt. Es handelt sich wieder einmal um ein Buch von weit über tausend Seiten, das die Geschichte des braunen und roten Totalitarismus in menschlichen Schicksalen spiegelt. Unser Kritiker ist Tilman Krause.
Péter Nádas: Parallelgischten - Gespräch mit Tilman Krause, [8:47]
Péter Nádas: Parallelgeschichten; Rowohlt Verlag; 1728 Seiten; 39,95 €
Moderation und Redaktion: Harro Zimmermann
Dank seines im vergangenen Jahr veröffentlichten Jugendromans "Tschick", der in einer Theaterfassung jetzt auch auf deutschen Bühnen zu sehen ist, in 12 Sprachen übersetzt wurde und sogar als Schullektüre in Costa Rica gelesen wird, darf er sich Bestseller-Autor nennen: Wolfgang Herrndorf, Jahrgang 1965, Zeichner und Autor. Sein Erfolgsroman fand viele junge, aber noch viel mehr ältere Leser, weil er rührend und romantisch ist, mit dem Thema Kindheit als Sehnsuchtsort. Jetzt, in seinem neuen Buch, das auf der Shortlist des Leipziger Buchpreises gelandet ist, spiegelt sich die Naivität der Jungen in der Dummheit der Alten wider. Es heißt "Sand". Christina Hinz hat es gelesen.
Wolfgang Herrndorf: Sand, [3:55]
In mancher Hinsicht war er ein Nachfahre der deutsche Romantik, mit seinem Denken in Blitzlichtern und Apercus, mit dem Versuch, aus vorgefertigten Systematiken dialektisch wieder herauszufinden und dem Besonderen, dem Unidentischen als dem Wesen und der Wahrheit der Dinge auf die Spur zu kommen.
Theodor W. Adorno war in seinem Denken und Wirken nicht schulbildend, aber von außerordentlichem Einfluss auf die kulturelle und intellektuelle Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland.
Heute gilt er als kanonischer Meisterdenker der deutschen Philosophie- und Soziologiegeschichte. Kein Wunder also, dass jetzt ein umfängliches Adorno-Handbuch erschienen ist. Stefan Müller-Doohm hat die bisher einzige große Adorno-Biographie geschrieben, er ist Mitherausgeber des Handbuches und zu Gast in der Literaturzeit.
Adorno-Handbuch - Gespräch mit Stefan Müller-Doohm, [8:41]
Man müsste einmal darüber nachdenken, warum Familiengeschichten in Buchform seit ein paar Jahren dermaßen erfolgreich sind. Ist es die Sehnsucht nach einer verlorenen, vermeintlich heilen Welt? Oder der Wunsch, das eigene komplizierte Leben mit dem anderer zu vergleichen? Wenn dann zum Thema Familiengeschichte noch die Ingredienzien NS-Zeit, deutsche Teilung und die ehemalige DDR dazukommen, dann scheint ein Bestseller schon vorprogrammiert zu sein. So jedenfalls ist es Eugen Ruges Erfolgsroman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" gegangen. Im vergangenen Herbst hat der den Deutschen Buchpreis gewonnen, seit Monaten verkauft er sich gut, Ruge wird zu Lesungen eingeladen und ist demnächst auch in Bremerhaven. Dorothee Schmitz-Köster stellt das Buch vor.
Eugen Ruge: In Zeiten abnehmenden Lichts, [4:36]
Eugen Ruge: In Zeiten abnehmenden Lichts; Rowohlt Verlag; 432 Seiten; 19,95 €
Seit seinem Roman "Schöner Vogel Phönix" von 1979, einer Generationsstudie zur 68er Revolte und ihren Nachwirkungen, besitzt Jochen Schimmang als Befindlichkeitsanalytiker der Nachkriegskultur in Deutschland einen Namen.
Noch die Protagonisten seines letzten Werkes "Das Beste, was wir hatten" (2009) führte er durch die Wirrungen des Zeitbruchs von 1989, um sie schließlich der Farce einer nachgeholten Rebellion aufsitzen zu lassen.
Über die Köpfe der Achtundsechziger hinweg hatte sich die Bonner zur Berliner Republik verfremdet, und nur noch in den Tiefen ihrer alltäglichen Ratlosigkeit vibrierte die Sehnsucht nach dem Besten, was diese Generation einst besaß - die Utopie der gemeinsamen Befreiung, die lustvollen Momente einer erfüllten Selbstgewissheit. In seinem jüngsten Roman 'Neue Mitte' wechselt Schimmang die Perspektive, dieses Mal fragt er nach der möglichen Zukunft des vereinten Deutschland. Harro Zimmermann stellt das Buch vor.
Jochen Schimmang: Neue Mitte, [3:35]
Nun also begegnet uns der Frühpensionär Albert Schmidt bereits zum dritten Mal. Nach dem auch verfilmten Erstling "Über Schmidt" (mit Jack Nicholson in der Hauptrolle) und dem Folgeband "Schmidts Bewährung" folgt nun ‚Schmidts Einsicht‘, der neue Roman des amerikanischen Autors Louis Begley.
Offenkundig hat Begley einen ganz besonderen Gefallen an dieser Figur gefunden, die er vor sechzehn Jahren zum erstmals zum Leben erweckt hat. Schmidt, wie sein Erfinder ein in die Jahre gekommener New Yorker Anwalt, ist eine widersprüchlich schillernde Figur. Und dennoch einer, mit dessen Freuden und Leiden man sich gut identifizieren kann. Johannes Kaiser stellt ‚Schmidts Einsicht’ vor.
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Info: Literaturzeit
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