30. September 2012, 19:05 Uhr
Literaturzeit
Bodo Kirchhoffs neuer Roman "Die Liebe in groben Zügen" ist ein Buch, das sich gut verkauft und für volle Häuser sorgt. Kein Wunder, erzählt es doch von der Liebe, dem großen ewigen weltbewegenden Thema. Dorothee Schmitz-Köster hat sich mit dem Autor unterhalten.
BodoKirchhoff: Die Liebe in groben Zügen; Frankfurter Verlagsanstalt; 670 Seiten; 28,00 €
"Die Liebe in groben Zügen" – so hat der Schriftsteller Bodo Kirchhoff seinen neuen Roman genannt, aus dem er am 27. September 2012 in Bremen gelesen hat. Ein fast 700 Seiten dickes Werk, das sich gut verkauft und für volle Häuser sorgt. Kein Wunder, es erzählt von der Liebe, dem großen ewigen weltbewegenden Thema. Soviel ist klar.
Nicht ganz so klar ist der zweite Teil des Titels "Liebe in groben Zügen"? Haben wir da einen Abriss und Rundumschlag zu erwarten? Oder geht es um das Drastische der Liebe, das Grobe? Zu diesen und anderen Fragen hat Dorothee Schmitz-Köster Bodo Kirchhoff ins Studio eingeladen.
Die Liebe in groben Zügen - Gespräch mit Bodo Kirchhoff, [10:02]
Redaktion und Moderation:
Dorothee Schmitz-Köster
"Liebe, so ein schreckliches Wort", überlegt Elizabeth Barber, die Protagonistin von A.L. Kennedys neuem Roman, "es verlangt immer, dass du gefügig wirst, dich fügst". Tatsächlich erzählt die schottische Schriftstellerin eine kunstvoll gefügte Dreiecksgeschichte zwischen Elizabeth, ihrem langjährigen Ex-Partner Arthur und Derek, dem gerade angesagten Mann.
Mit ihm will Elizabeth ein neues, solides Leben beginnen, als sie Arthur unverhofft auf einer Überfahrt von England nach New York wieder begegnet. Dabei muss sie feststellen, dass er immer noch sein Geld mit Betrügereien und Scharlatanerie verdient – und dass er sie nach wie vor anzieht. "Sex," setzt sie ihren Gedankengang fort, "ist ein kleines, rutschiges, gleitendes Wort – und kann so einfach und unkompliziert sein, wie es klingt". Barbara Dobrick stellt das Buch vor.
A.L. Kennedy: Das blaue Buch, [5:44]
Ökokrimis sind seit einiger Zeit die Favoriten der 18 Jury-Mitglieder, ob es um das Nigerdelta und den Ölkonzern Shell geht ("Öl auf Wasser", Platz 1) oder die Sicherheit im Umgang mit der Atomenergie ("Die ehrenwerte Gesellschaft", Platz 2). Neu auf der Bestenliste im Oktober 2012 ist – passend zum Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse – ein neuseeländischer Krimi ("Rocking Horse Road", Platz 4), der neben einem aufzuklärenden Mord gleichzeitig vom Erwachsenwerden erzählt. Und der Großmeister des Spionageromans Robert Littell hat es mit seinem neuen Buch gleich auf Platz 7 geschafft. In "Philby" erzählt er den größten Spionagefall des 20. Jahrhunderts neu. Jurysprecher Tobias Gohlis verrät im Gespräch mit Dorothee Schmitz-Köster noch mehr.
Krimizeit-Bestenliste Oktober 2012 - Gespräch mit Tobias Gohlis, [8:05]
Krimizeit-Bestenliste
Kooperation von "Die Zeit" und Nordwestradio
Ein Mensch stirbt – und diejenigen, die zurückbleiben, geraten in Seelenzustände, die sie oft genug selbst überraschen. Der Psychoanalytiker Drik de Jong ist nach dem Tod seiner Frau Hanna wie gelähmt. Lange setzt er mit der Arbeit aus, und als er zögernd wieder einen ersten Klienten annimmt, wachsen seine Zweifel an den eigenen Fähigkeiten. Suzan, seine Schwester, reagiert ganz anders. Sie hat Hanna gepflegt und dafür einige Monate im Beruf – sie ist Ärztin – ausgesetzt und stürzt sich jetzt förmlich in die Arbeit. Doch dann macht sie eine verstörende Erfahrung.
Die Niederländerin Anna Enquist, eine ausgebildete Pianistin und Psychoanalytikerin, hat erst mit 46 Jahren begonnen, Gedichte, Romane und Erzählungen zu veröffentlichen. Heute gehört sie zu den bekanntesten Schriftstellerinnen und Schriftstellern der Niederlande. "Die Betäubung", ihr neuer Roman, ist gleichzeitig als Buch und Hörbuch erschienen, gelesen von Nina Hoss.
Nach acht Uhr abends hat ein Jude nicht mehr auf der Strasse zu sein. Aber Jakob ist draußen, wird erwischt, aufs Revier geschickt – und dort hört er im Radio, dass die Russen kurz vor Bezanika stehen. So beginnt der Roman "Jakob der Lügner", der seinen Autor Jurek Becker weit über die Grenzen seines "kleinen Landes" DDR berühmt macht. Es ist der erste Roman des 31jährigen, der bisher vor allem Drehbücher für die DEFA geschrieben hatte. Und es ist ein Roman, der auf die Kindheitserfahrungen des Schriftstellers verweist.
Jurek Becker, am 30. September 1937 in Łodz geboren, hat jüdische Wurzeln. Er erlebt die deutsche Besetzung Polens, die Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung, die Deportation in die Konzentrationslager. Mit der Mutter muss er ins KZ Ravensbrück, der Vater wird nach Auschwitz verfrachtet – und wie durch ein Wunder erleben alle drei das Kriegsende. Kurz darauf stirbt die Mutter, und Jurek geht mit dem Vater in die DDR. Erst dort beginnt er Deutsch zu lernen.
Anfangs passt sich Becker ins System ein (FDJ- und SED-Mitgliedschaft, freiwillige Meldung zur Kasernierten Volkspolizei), später bekommt er Ärger an der Universität, wird relegiert und zum Beobachtungsobjekt der Stasi. 1960 beginnt er Film-Drehbücher zu schreiben, seit dem Erfolg von "Jakob der Lügner" schreibt er vor allem Romane. Für "Irreführung der Behörden", seinen zweiten Roman, bekommt er 1974 den Bremer Literaturpreis.
1977 verlässt Becker die DDR – seit der Biermann-Ausbürgerung waren die Spannungen zwischen ihm und der Macht ständig gewachsen. In der alten Bundesrepublik kann Becker seine Karriere als Roman-Schriftsteller fortsetzen, arbeitet aber auch wieder als Drehbuchautor. Große Erfolge feiert er mit "Liebling Kreuzberg", einer Vorabendserie mit Manfred Krug, die mit dem Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet wird.
Im März 1997 stirbt Jurek Becker in Sieseby in Schleswig-Holstein.
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