18. Mai 2013, 23:05 Uhr
Literaturzeit
Über Afrika zwischen ökonomisch-gesellschaftlicher Misere und kulturellem Aufbruch hat Silke Behl mit dem Schriftsteller Hans Christoph Buch gesprochen.
Hans Christoph Buch
Kommende Woche feiert die Afrikanische Union das 50jährige Bestehen der Staatengemeinschaft. Glaubt man der offiziellen Politik, dann ist das ein Grund zum Feiern. Für Intellektuelle eher einer für Misstrauen und Besorgnis. Wer Afrika eine günstige Zukunft wünscht, der sollte wohl eher auf Kunst, Kultur und Literatur setzen.
Hans Christoph Buch gilt als hervorragender Kenner Afrikas. Seine Bücher – zuletzt "Apokalypse Afrika" – zeichnen ein differenziertes Bild des riesigen und für viele noch unüberschaubaren Kontinents. Ein Kontinent, der von gewaltigen Widersprüchen und Konflikten geprägt ist. Probleme, die nicht ausschließlich aus der kolonialen Vergangenheit zu erklären sind, sondern auch aus postkolonialen Fehlentwicklungen resultieren.
Quo vadis Africa? - Gespräch mit Hans Christoph Buch, [8:20]
Hans Christoph Buch: Apokalypse Afrika oder Schiffbruch mit Zuschauern. Fotografien von Andreas Herzau; Eichborn Verlag; 268 Seiten; 29,00 €
Moderation und Redaktion: Silke Behl
Die aus Bremen stammende Schriftstellerin Nora Bossong wird gerühmt für ihre feine Beobachtungsgabe und für die Genauigkeit, mit der sie Atmosphären einfängt. Und sie macht auch kein Geheimnis daraus, wie sie sich diese Fähigkeit erhält. In regelmäßigen Abständen bricht sie auf in fremde Welten. Unterwegs unter lokalen Bedingungen und immer im Kontakt mit den Menschen vor Ort. Am liebsten erkundet sie ein Land an der Seite eines Schriftstellerkollegen.
Zuletzt war sie in Afrika. In Burundi, von dem man wenig mehr weiß, als dass es das ärmste Land der Welt ist. Und so schreibt Nora Bossong über ihre Erfahrungen. Glasklar, scharf in der Beobachtung auch kleinster Details. Vor allem aber offen für die eigenen Schwächen im Umgang mit dem Fremden. Salonkultur – diesen Titel verpasste sie ihrer literarischen Reportage.
Nora Bossong: Burundis Salonkultur, [4:51]
Hans Christoph Buch erzählte am Beginn dieser Sendung davon, dass in der postkolonialen Ära viele Weichen falsch gestellt wurden. Durchaus noch ein Tabuthema, aber die besten unter den afrikanischen Autoren erzählen in ihren Büchern durchaus von diesen Fehlentwicklungen.
So auch der Südafrikaner K. Sello Duiker. Als Nelson Mandelas Nachfolger Thabo Mbeki1999 die Macht in Südafrika übernahm, begann das Verhängnis, von dem Duiker in seinem fesselnden Roman "Die stille Gewalt der Träume" erzählt: Korruption und Ignoranz der Politiker wuchsen ins Unermessliche, ebenso die Enttäuschung und stille Wut der Armen in den Townships. Inge Zenker-Baltes über einen großen Liebes-, Schwulen- und Pop-Roman, der von einer Höllenerfahrung mit ungewissem Ausgang erzählt.
K. Sello Duiker: Die stille Gewalt der Träume. Aus dem Englischen von Judith Reker. Das Wunderhorn; 527 Seiten; 26,80 €
Kinder in Südafrika
Das Literaturhaus Bremen ist Mitveranstalter und Partner eines internationalen Projektes, das in diesem Jahr zum zweiten Mal eine Dichterkarawane ins Fremde begleitete. 2012 ging es nach Asien, im April 2013 waren Südafrika und Zimbabwe die Ziele. What is poetry? Was ist eigentlich Dichtung? Mit dieser Fragestellung brachen 20 Autoren auf zu einer Lesetour unter Lokalbedingungen.
Die Teilnehmer kamen aus Europa, Asien und Amerika. Vor Ort trafen sie auf ihre afrikanischen Kollegen. Im nördlichen Südafrika, kurz vor der Grenze nach Zimbabwe gab es Gelegenheit, mit dem Schweizer Autor Raphael Urweider eine Zwischenbilanz zu ziehen. Wir sind in der Provinz Limpopo, auf der Terrasse eines ehemaligen Farmhauses. Im Hintergrund Musik und das Stimmengewirr der internationalen Karawane.
Südafrikanische Dichtung - Gespräch mit Raphael Urweider, [6:43]
Unser Afrika-Bild stammt meist aus europäischer Sicht. Sello Duiker, Chinua Achebe und andere erreichen hier längst nicht die verdiente Aufmerksamkeit. Aber Tanja Blixen! Klar! Jenseits von Afrika, natürlich! Vor 50 Jahren ist die weltbekannte schwedische Autorin gestorben, bis heute prägt sie unsere Vorstellungen von Afrika. Danach kommt allenfalls noch Henning Mankell.
Aber dann gäbe es dann ja noch Jakob Ejersbo. Der war in Dänemark wie in Tansania zu Hause und hinterließ eine Afrika-Trilogie, die in seinem Heimatland Begeisterung auslöste. Das ist Literatur, die afrikanisches Leben in komplexe Zusammenhänge stellt. Mittlerweile liegen die Bände "Exil", "Liberty" und "Revolution" allesamt in deutscher Sprache vor. Nils Stöber erklärt die literarische Sprengkraft dieser Arbeiten am Beispiel des zuletzt erschienenen Bandes "Revolution".
Jakob Ejersbo: Revolution, [6:05]
Jakob Ejersbo: Revolution. Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg; btb; 352 Seiten; 17,99 €
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Info: Literaturzeit
![Buchcover [Quelle: DTV-Verlag] Buchcover [Quelle: DTV-Verlag]](/nordwestradio/sendungen/lesebuch/butt100_v-mediateaser.jpg)
Die Zahl der literarischen Produktionen steigt von Jahr zu Jahr, die Bücher werden optisch immer ansprechender, die Marktstrategien immer raffinierter, die kritische Orientierung aber umso schwieriger. Die 'Literaturzeit', eine Magazinsendung mit Musik, stellt die wichtigsten Neuerscheinungen auf dem deutschsprachigen Buchmarkt vor, Hörbücher und CDs inbegriffen. Sie bewertet, informiert und empfiehlt, bildet Trends und bietet Themen an, berichtet von den großen Buchmessen und von wichtigen literarischen Veranstaltungen in der Region. Gleichrangig mit dem Informationsangebot steht in der 'Literaturzeit' die auditive Vermittlung von Texten. Bücher und Autoren sind zu hören in Lesungen, in Autorengesprächen und in Kritikerrunden. Die 'Literaturzeit' ist die Hörstunde für Bücherwürmer.
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