26. Mai 2013, 19:05 Uhr
Literaturzeit
Ein Gespräch mit der Literaturkritikerin Sigrid Löffler über "Brief in die Auberginenrepublik", den neuen Roman des irakischen Autors Abbas Khider.
Sigrid Löffler
Dass die Lebenserfahrung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern ihre Bücher prägt, gehört zwar zu den Allgemeinplätzen des Literaturbetriebs. Trotzdem macht diese Erkenntnis aufs Schönste klar, warum manche Bücher flach, dünn, ein wenig unbeseelt wirken - während andere förmlich überquellen vor Atmosphären und Bildern und damit eine regelrechte Aura erzeugen.
Zu diesen Büchern gehört zweifellos der neue Roman von Abbas Khider "Brief in die Auberginenrepublik". Khider, 1973 im Bagdad geboren, floh mit 23 Jahren "aus politischen Gründen" aus dem Irak. Er hatte Flugblätter verteilt und dafür schon zwei Jahre im Gefängnis gesessen. Nach seiner Flucht lebte er einige Jahre als Illegaler in verschiedenen arabischen Ländern – bis er schließlich vor 13 Jahren in Deutschland landete und mittlerweile auch auf Deutsch schreibt.
Abbas Khider: Brief in die Auberginenrepublik - Gespräch mit Sigrid Löffler, [7:53]
Abbas Khider: Brief in die Auberginenrepublik. Edition Nautilus; 160 Seiten; 18,00 €
Redaktion und Moderation: Dorothee Schmitz-Köster
Meistens tritt sie als "die Mutter von Katia Mann" oder die "Schwiegermutter von Thomas Mann" in Erscheinung. Dabei war Hedwig Pringsheim erstens eine schöne Frau, zweitens eine hoch gebildete, geistreiche und witzige Person und drittens ein literarisches Talent.
Das meint jedenfalls Dirk Heißerer, der jetzt die 375 Briefe herausgegeben und mit einem voluminösen Anhang versehen hat, die Hedwig Pringsheim zwischen 1933 und 1941 aus München und Zürich an Katia Mann geschrieben hat. Wichtig sind diese Briefe aber nicht nur aus familiengeschichtlichen, literarischen oder literaturhistorischen Gründen, sondern auch in zeitgeschichtlicher Hinsicht. Schließlich hat Hedwig Pringsheim sie geschrieben, weil Katia und Thomas Mann 1933 Deutschland verlassen und ins Exil gehen mussten. So erzählt die zurückgebliebene Mutter von ihrem Alltag im NS-Staat, geistreich, ironisch und verklausuliert. Erst 1939, als sie selbst mit ihrem Mann in die Schweiz entkommt, nimmt sie kein Blatt mehr vor den Mund. Eine Rezension von Walter Weber.
Hedwig Pringsheim: Mein Nachrichtendienst, [5:58]
Hedwig Pringsheim: Mein Nachrichtendienst. Briefe an Katia Mann 1933 – 1941. 2 Bde. Herausgegeben von Dirk Heißerer; Wallstein Verlag; 1600 Seiten; 89,00 €
"Meine Eltern, mein Bruder und ich lehnten, wie die meisten unserer Freunde und Bekannten, Hitler entschieden ab. Wir hatten sein Buch "Mein Kampf" gelesen, das genügte." Diese klare Erkenntnis hatten – wir wissen es – die wenigsten Deutschen. Werner Schmidt, aus einer gutbürgerlichen hessischen Familie stammend und angehender Mediziner, macht diese schmerzliche Erfahrung bald am eigenen Leib. Sein Studium wird immer mehr zum Hindernislauf, nach dem Examen muss er auf die Approbation verzichten – seine Mutter ist nämlich Jüdin, er gilt damit als "Mischling ersten Grades". Aber er findet Nischen und mutige Menschen, er kann in seinem Beruf arbeiten und überlebt. In der Nachkriegszeit muss er allerdings erfahren, wie seine Peiniger die eigene Schuld verleugnen, sich in der Kunst des "Beschweigens" üben – und ihre Karrieren fortsetzen.
Werner Schmidt hat seinen Bericht viele Jahre später geschrieben, aus der Distanz, nüchtern und doch mit verhaltenem Zorn. Damit führt er noch einmal eindrucksvoll vor, was die deutsche Gesellschaft ihren Juden angetan hat, wie perfide und konsequent sie Leben und Lieben, Träume und Zukunft zerstört hat. 2007 ist Werner Schmidt, der Vater von Ulla Unseld-Berkéwicz, zuletzt Chefarzt in Hanau, gestorben. Seinen Lebensbericht gibt es als Buch und jetzt auch als Hörbuch, gelesen von Ulrich Matthes.
Werner Schmidt: Leben an Grenzen. Autobiographischer Bericht eines Mediziners aus dunkler Zeit. Gelesen von Ulrich Matthes. Speak low und Suhrkamp Verlag, 2 CDs; 148 Minuten; 16,80 €
Drei Männer – eine Frau, damals, in ihrer Studentenzeit – heute, im mittleren Alter. Das ist die Grundkonstellation von Stephan Enters gerade ins deutsche übersetztem Roman "Im Griff". Wer allerdings denkt, dass Liebe, Erotik und Sexualität in diesem Buch eine Rolle spielen, der irrt.
Dem niederländischen Erfolgsautor geht es um Freundschaft, um Erinnerung und letzten Endes um nichts weniger als das erfüllte Leben. Nur: Was ist ein erfülltes Leben? Welche Rolle spielt dabei der Mut, etwas zu wagen? Und was ist mit der Vorstellung eines unendlichen Lebens – ein Thema, über das die drei Männer hingebungsvoll diskutieren? Die vierte Person, die Frau, tritt in Enters Roman nicht auf, sie wird lediglich durch die Augen der anderen gesehen. Ein spannungsreiches, klug komponiertes Buch, meint unsere Rezensentin Inge Zenker-Baltes.
Stephan Enter: Im Griff, [5:25]
Stephan Enter: Im Griff; Berlin Verlag; 223 Seiten; 17,99 €
Es ist ein ungewöhnlicher Blick auf Richard Wagner, den ein neues Hörbuch vorstellt. Musik des wegen seines 200. Geburtstags gerade zum Top-Thema avancierten Komponisten, Dirigenten, Festspieldirektors wird mit Lyrik seiner Zeitgenossen zusammengespannt.
Gedichte von Goethe und von Droste-Hülshoff, von Eichendorff und Nietzsche, von Arnim und Hebbel und vielen anderen werden mit Ausschnitten aus Ouvertüren und Arien aus diversen Wagner-Opern eingeleitet, unterstrichen – oder auch gegenüber gestellt. So entstehen Stimmungslagen und Klänge, die Wort und Musik ganz neu wirken lassen und einen Eindruck ihrer Zeitgenossenschaft vermitteln.
Im Einklang. Richard Wagner trifft auf Lyrik seiner Zeit. Gesprochen von Teresa Weissbach und David Kross. Deutsche Grammophon; 135 Minuten; 22,99 €
"Quasikristalle" – der neue, hoch gelobte Roman von Eva Menasse – erzählt von einer eigenwilligen, meinungsstarken, anspruchsvollen Frau, die uns aus dreizehn verschiedenen Perspektiven vorgestellt wird. Wir erfahren, was Kollegen von ihr halten – oder die Ärztin, die sie wegen ihres Kinderwunsches behandelt, wie die alten Freundinnen von ihr denken oder die pubertäre Stieftochter. So entsteht ein facettenreiches differenziertes Bild einer Frau, die sich durch unsere Gegenwart kämpft.
Am 29. Mai ist Eva Menasse im Oldenburger Musik- und Literaturhaus Wilhelm 13 (Leo-Trepp-Str. 13) zu Gast und liest aus ihrem Roman "Quasikristalle". Beginn: 20.00 Uhr.
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Info: Literaturzeit
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Die Zahl der literarischen Produktionen steigt von Jahr zu Jahr, die Bücher werden optisch immer ansprechender, die Marktstrategien immer raffinierter, die kritische Orientierung aber umso schwieriger. Die 'Literaturzeit', eine Magazinsendung mit Musik, stellt die wichtigsten Neuerscheinungen auf dem deutschsprachigen Buchmarkt vor, Hörbücher und CDs inbegriffen. Sie bewertet, informiert und empfiehlt, bildet Trends und bietet Themen an, berichtet von den großen Buchmessen und von wichtigen literarischen Veranstaltungen in der Region. Gleichrangig mit dem Informationsangebot steht in der 'Literaturzeit' die auditive Vermittlung von Texten. Bücher und Autoren sind zu hören in Lesungen, in Autorengesprächen und in Kritikerrunden. Die 'Literaturzeit' ist die Hörstunde für Bücherwürmer.
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4. Juni, 22:05 Uhr | Nordwestradio
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29. Mai 2013, 19:00 Uhr | Stadtbibliothek Bremen, Wall-Saal
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