4. Februar 2012, 23:05 Uhr
Literaturzeit
Friedrich Dürrenmatt
Der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt liebte es, heiße Themen anzupacken – das Thema Atombombe zum Beispiel. Er liebte es, zuzuspitzen und zu provozieren. Er war immer mitten drin, ob das nun gesellschaftliche Debatten waren oder die Inszenierungen seiner Theaterstücke.
Und er feierte Welterfolge, mit seinen Dramen "Der Besuch der alten Dame" und "Die Physiker", zwei seiner knapp dreißig Stücke. Tatsächlich umfasst die Gesamtausgabe von Dürrenmatts Werken 18 Bände Theaterstücke, 19 Bände Prosa, dazu kommen Hörspiele, Essays, Reden, Gedichte – und Bilder. Denn Dürrenmatt war nicht nur ein äußerst produktiver Schriftsteller, sondern auch ein begabter Maler.
Jetzt ist eine umfangreiche Biografie über Friedrich Dürrenmatt erschienen, verfasst von Peter Rüedi, der lange mit Dürrenmatt zusammengearbeitet hat. Barbara Dobrick stellt sie vor.
Peter Ruedis Dürrenmatt-Biographie, [6:00]
Peter Rüedi: Dürrenmatt oder die Ahnung vom Ganzen; Diogenes Verlag; 960 Seiten; 28,90 €
Redaktion und Moderation: Dr. Dorothee Schmitz-Köster
Die Krimizeit-Bestenliste ist eine Kooperation von Nordwestradio, Arte und "Die Zeit".
Eins bleibt eins und zwei wird fünf und drei wird zwei. Ein Bäumchen-wechsel-dich-Spiel auf den ersten Plätzen der Februar-Bestenliste. Höchstspannung und einiges Gruseln verspricht der erste Newcomer "Niceville" von Carsten Stroud, einem mit allen Wassern gewaschenen Surfer, Army-Taucher, Journalisten, der von schauderhaften Ereignissen in einer kleinen heilen Stadt erzählt – und von einer geheimnisvollen Ursache. Neu ist auch "Blauer Montag" von Nicci French, ein Name, hinter dem sich das schreibende Ehepaar Nicci Gerrard und Sean French verbirgt. Sie haben einen Thriller hingelegt, in dem ein Kind verschwindet, das auf verblüffende Weise dem Wunschkind eines verzweifelten kinderlosen Mannes gleicht. Und einen politischen Newcomer gibt es auch: „Die letzte Flucht“ von Wolfgang Schorlau. Dort werden Machenschaften der Pharmaindustrie aufgedeckt. Ein Gespräch mit Tobias Gohlis, dem Sprecher der Jury der "Krimizeit".
Krimizeit-Bestenliste Februar 2012, [7:29]
Krimizeit-Bestenliste
Kooperation von "Die Zeit" und Nordwestradio
Dass Joachim Meyerhoff eigentlich Schauspieler und Theatermann ist, das war nicht zu übersehen und zu überhören, als der Träger des Förderpreises des Bremer Literaturpreises 2012 Ende Januar auf der Bühne des Bremer Schauspielhauses saß und aus "Alle Toten fliegen hoch. Amerika" las. Tatsächlich ist dieser Text ursprünglich für die Bühne geschrieben: Vor ein paar Jahren veranstaltete Meyerhoff am Wiener Burgtheater eine Reihe mit autobiografischen Texten. Texten, die von seiner Kindheit auf dem platten Land, von seiner Familie und von seinem Jahr als Austauschschüler in den USA erzählen. Die Sache wurde ein Riesenerfolg, brachte eine Einladung zum Berliner Theatertreffen 2009 ein und mündete in einem Buch, das von seinem Austauschjahr in der amerikanischen Provinz erzählt.
Joachim Meyerhoff: Alle Toten fliegen hoch. Amerika; Kiepenheuer & Witsch Verlag; 319 Seiten, 18,95 €
Warum der Erzähler sich eines Morgens auf den Weg zu einem Briefkasten am Dresdner Stadtrand macht, weiß er nicht. Es ist allerdings nicht irgendein Briefkasten, sondern der Wladimir Putins, der in den achtziger Jahren hier gelebt hat. Aber der Briefkasten ist verschwunden. Was der Erzähler allerdings auf seiner Spurensuche entdeckt und aufschreibt, gerät zu einem aufschlussreichen Kurzporträt des machtbesessenen russischen Politikers.
Auch die anderen Erzählungen in Marcel Beyers neuem Buch haben ihren Ausgangspunkt in ganz konkreten Dingen: Da geht es um eine von Rimbaud aufgegebene Anzeige, ein kleinformatiges Gemälde von Gerhard Richter, Lessings Ofenschirm in Wolfenbüttel. Und jedes Mal knüpft Beyer daran seine Überlegungen zur Sprache, zur Kultur, zur politischen Geographie. So wird "Putins Briefkasten", eine Sammlung unveröffentlichter Erzählungen und Denkbilder, zu einem Buch über Wahrnehmung, Stil, Hören und Schreiben. Jürgen Werth hat das Buch gelesen.
Marcel Beyer: Putins Briefkasten, [4:51]
Krieg, Gewalt, Liebe, Erinnerung – das sind Themen, die der russische Schriftsteller Michael Schischkin in seinen Büchern immer wieder aufgreift. Das klingt überzeitlich, tatsächlich ist Schischkins Blick aber auch ganz gegenwärtig. Schließlich hat er sich immer in gesellschaftliche Vorgänge eingemischt, in Sowjetzeiten, als dies nur im Untergrund möglich war, unter Gorbatschows Perestroika, die ihn zum Lehrer machte, und heute, wo er von seinem neuen Wohnsitz in der Schweiz auf sein Heimatland und auf Europa blickt.
Sein aktueller Roman "Venushaar" rückt Asylsuchende ins Zentrum, die in der Schweiz gelandet sind und einem Dolmetscher, der zentralen verbindenden Figur, ihre grauenvollen Geschichten erzählen. Geschichten, die bei ihm immer wieder die eigenen Erlebnisse und Erfahrungen aktivieren. All das wird auf kunstvolle Weise miteinander verwoben, so dass ein Gewebe aus Realem und Phantastischem, Dokumentarischem und Fiktivem entsteht. Ein Buch über Politik, ein Buch mit autobiografischen Zügen, ein Buch über das Wort.
Michail Schischkin: Die Rolle der Literatur, [1:51]
Am 13. Februar wird Michail Schischkin in Bremerhaven im Rahmen der Literarischen Woche aus "Venushaar" lesen. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr in der Volkshochschule, Lloydstraße 15
Sie war eine scheue Dichterin, die polnische Lyrikerin Wislawa Szymborska. Als sie 1996 den Nobelpreis bekam und damit unversehens im Rampenlicht stand, meinte sie in ihrer Preisrede: Natürlich versuchten Dichter mit jedem Poem etwas über die Welt und das Leben zu erfahren. Und dann? Dann hefteten sie "all die Arbeiten mit einer großen Büroklammer zusammen, und das Ganze wird als das literarische Werk bezeichnet". Nur 350 Gedichte hat Szymborska veröffentlicht – weil sie "einen Papierkorb" habe, erklärte sie, danach gefragt. Aber auf die Menge kommt es schließlich nicht an: Ihre nüchtern-lakonisch und manchmal auch selbstironisch-humorvoll daherkommenden Gedichte gehören ohne Frage zur Weltliteratur. Jetzt ist Wislawa Szymborska mit 88 Jahren gestorben.
Wörter wie "halbstark" sind aus unserem Repertoire verschwunden – Talentshows mit ihren Abartigkeiten und Highlights dagegen ganz aktuell. Tatsächlich gerät man, wenn man sich in die kleine Textsammlung vertieft, die der Verbrecher-Verlag zum 90. Geburtstag des Romanciers, Regisseurs und Reporters Rudolf Lorenzen herausgebracht hat, in eine Art Zeitmaschine.
Wie harmlos-altmodisch kommt der verliebte Kranke doch daher, der den Apothekennotdienst nutzt, um mit der netten Praktikantin anzubandeln – und wie sehr gleicht sich doch der Umgang von Künstlern miteinander, die bei einer Dichterlesung aufeinandertreffen, vor vierzig Jahren und heute! Rudolf Lorenzen, der am 5. Februar 1922 in Lübeck geboren wurde, in Bremen aufgewachsen ist und sich mit gut 30 nach Berlin West verabschiedete, ist ein genauer Beobachter und witzig-ironischer Schreiber. Seine "besten Berliner Momente" aus den letzten fünfzig Jahren sind eine wunderbare Lektüre.
Rudolf Lorenzen: Die Hustenmary; Berliner Momente; Verbrecher-Verlag; 116 Seiten; 18,00 €
Ein langes Wochenende bei Freunden, im Herbst 1982. Das letzte vielleicht, bevor diese nach Südfrankreich ziehen. Der Erzähler ist müde, hört die vertrauten Stimmen und dazu die Stimmen in seinem Kopf. Und dann muss er doch erzählen! Vom Land seiner Kindheit, von Oberhessen in der Nachkriegszeit, in den 50er, 60er, 70er Jahren. So hat es angefangen. Heute ist Peter Kurzeck mit seinem Erzählen längst Kult – weil es scheinbar spontan aus ihm kommt, aus ihm herausfließt und ihn und seine Zuhörer vollkommen in Bann zieht. Am 8. Februar liest Peter Kurzeck um 19.00 Uhr im Wallsaal der Stadtbibliothek Bremen aus seinem Buch "Vorabend. Das alte Jahrhundert".
Henning Ahrens, Schriftsteller und Übersetzer, liest in Bremerhaven im Rahmen der Literarischen Woche aus Jonathan Safran Foers Roman "Extrem laut und unglaublich nah". Am 9. Februar 2012, um 19.30 Uhr, in der Volkshochschule Bremerhaven, Lloydstr. 15.
Henning Ahrens kommt vom Land, lebt auf dem Land und hin und wieder schreibt er auch über das Land – oder besser: die Provinz. "Provinzlexikon" hat er sein launiges Buch mit 274 Stichworten überschrieben, Lyrikbände heißen "Stoppelbrand" oder "Lauf Jäger lauf". Aber Henning Ahrens hat gleichzeitig einen weiten Blick, und mit ihm verbindet sich auch sein zweites Standbein, das Übersetzen. In dieser Rolle ist er diesmal zur Bremerhavener Literarischen Woche eingeladen, wo er aus Jonathan Safran Foers Roman "Extrem laut und unglaublich nah" liest und im Anschluss über die Kunst des Übersetzens spricht.
Literaturzeit
Info: Literaturzeit
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Die Zahl der literarischen Produktionen steigt von Jahr zu Jahr, die Bücher werden optisch immer ansprechender, die Marktstrategien immer raffinierter, die kritische Orientierung aber umso schwieriger. Die 'Literaturzeit', eine Magazinsendung mit Musik, stellt die wichtigsten Neuerscheinungen auf dem deutschsprachigen Buchmarkt vor, Hörbücher und CDs inbegriffen. Sie bewertet, informiert und empfiehlt, bildet Trends und bietet Themen an, berichtet von den großen Buchmessen und von wichtigen literarischen Veranstaltungen in der Region. Gleichrangig mit dem Informationsangebot steht in der 'Literaturzeit' die auditive Vermittlung von Texten. Bücher und Autoren sind zu hören in Lesungen, in Autorengesprächen und in Kritikerrunden. Die 'Literaturzeit' ist die Hörstunde für Bücherwürmer.
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Pro musica antiqua 1985: Festliches Barock-Konzert
Für die "Pro musica antiqua" 1985 hatte Radio Bremen den Flötisten Hans-Martin Linde und sein in Basel ansässiges Linde-Consort zu einem Konzert mit festlicher Barockmusik in die Ansgariikirche in Bremen eingeladen. Mehr...
26. Mai, 17:05 Uhr | Nordwestradio
Fontane: Unterm Birnbaum
Der Roman "Unterm Birnbaum" erschien 1885. Das scheinbar abseitigste Werk des alten Fontane wurde kaum beachtet. In zwanzig Kapiteln erzählt Fontane eine Mordgeschichte aus dem Oderbruch, die an ein dörfliches Macbeth-Drama erinnert. Mehr...
Poetry on the Road 2012
Vom 30. Mai bis 4. Juni 2012 ist Bremen mit dem Internationalen Literaturfestival "Poetry on the Road“ kultureller Treffpunkt für 24 Dichter aus 15 Nationen. Etablierte Autoren der Weltliteratur Seite an Seite mit hoch interessanten Neuentdeckungen bringen auf Einladung von Radio Bremen und der Hochschule Bremen die Weltsprache Poesie an die Weser. Mehr...
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