14. Januar 2013, 19:05 Uhr
Literaturzeit
"Moby Dick", "Die Meuterei auf der Bounty", "Der Seewolf", die "Odyssee", "Der alte Mann und das Meer" – die Liste der Romane und Kurzgeschichten, die von Abenteuern auf See erzählen, ist lang. Die Lust, von Stürmen und schwierigen Passagen, von Entdeckungen und Eroberungen zu fabulieren (auch wenn es nur ein Riesenfisch ist), reizt schreibende Männer seit Jahrhunderten, seit Jahrtausenden.
Sigrid Löffler
Bei dieser Fülle gerät dann das eine oder andere Buch schon einmal in Vergessenheit. So zum Beispiel der gerade neu übersetzte Roman von Richard Hughes "In Bedrängnis", der 1938 erschienen ist.
In England gehört er bis heute zu den Klassikern des 20. Jahrhunderts, in Deutschland war er – bisher – vergessen.Richard Hughes erzählt von einem ungeheuren Hurrikan, der einen großen Frachtdampfer und seine Besatzung in der Karibik überrascht, sie tagelang festhält, an den Rand des Untergangs bringt – und wieder ausspuckt. Ein Gespräch mit der Literaturkritikerin Sigrid Löffler.
Richard Hughes - Gespräch Sigrid Löffler, [7:24]
Richard Hughes: In Bedrängnis. Dörlemann Verlag; 256 Seiten; 19,90 €
Redaktion und Moderation: Dorothee Schmitz-Köster
Alexandria und Shanghai, Jekatarinenburg und Astana, Bielefeld und Aix-en-Provence: Bisher ist Annett Gröschner in 34 Städten in eine Bus- oder Tram-Linie vier gestiegen und bis zur Endstation gefahren. Sie wollte erkunden, was "dahinter" liegt, und sie wollte die jeweilige Stadt und ihre Menschen auf alltägliche und gleichzeitig besondere Weise kennen lernen.
Daraus sind 34 spannende Reisereportagen entstanden – "auf allen Vieren" sozusagen. Und warum gerade die Linie 4? Weil eine Linie 4 Annett Gröschner die erste Straßenbahn-Erfahrung geliefert hat: Sie verband die Elbeinsel, auf der sie als Kind gelebt hat, mit der Welt am anderen Ufer. Günter Beyer war mit Annett Gröschner in Düsseldorf unterwegs.
Annett Gröschner: Mit der Linie 4 um die Welt, [5:28]
"Wakolda" ist ein Wagnis. Denn die junge argentinische Schriftstellerin und Filmemacherin Lucía Puenzo rückt keinen geringeren als den Menschenschinder Josef Mengele ins Zentrum ihres kleinen Romans.
Als Tierarzt José getarnt, treibt er im argentinischen Exil weiter sein Unwesen: Katalogisiert Menschen, die ihm begegnen, nach NS-Rassekriterien, studiert eine Zwillingsschwangerschaft, experimentiert mit Hormonen, die er einem kleinwüchsigen Mädchen verpasst.
Dabei zeichnet Puenzo das Bild eines Menschen, der eiskalt und gnadenlos geblieben ist, sein Handeln in den Konzentrationslagern nicht eine Minute in Frage stellt – und doch eine Anziehungskraft besitzt, die seine kleine "Patientin" Lilith fasziniert und in seinen Bann zieht. Jörn Seidel stellt das Buch vor.
Angelika Overath, ihr Mann Manfred Koch und ihre Tochter Silvia haben ein literarisches Koch-Buch herausgebracht 37 Schriftellerinnen und Schriftsteller haben mitgemacht: Sie haben auf Einladung der Schriftsteller-Familie Overath/Koch ein Rezept herausgesucht – nachkochbar sollte es sein – und es zusammen mit einem kleinen Stück Literatur auf den Weg gebracht.
Daraus ist ein ungewöhnliches, gelegentlich abenteuerliches "Kochbuch" entstanden, in dem man einfach herumstöbern kann (höchst amüsant) – das man aber genauso gut neben Einkaufsliste und Herd platzieren kann, um etwa Hirn-mit-Nier'n-Suppe oder Haifisch in der Mikrowelle oder Warpelpimas nachzukochen. Ruth Klüger präsentiert den Hai – und singt dabei nicht nur ein Loblieb auf den "kräftigen Fisch", sondern auch auf das Küchengerät, das "das Leben erleichtert und daher das Denken und die Karriere fördert". Terézia Mora gibt die Hirn-mit-Nier'n-Suppe im Telegrammstil durch – und setzt dann ihrer Urgroßmutter, von der das Rezept stammt, und der Familientradition ein kleines Denkmal: Menschen mit bäuerlicher Tradition essen schließlich fast alles von den Tieren, die sie aufgezogen und dann geschlachtet haben.
Skurril ist Hans-Magnus Enzensbergers "Kaltmamsell" – kein Ergebnis eines großen Küchentalents, sondern eine äußerst pragmatische Art, sich und seinen Freunden einen schmackhaften Imbiss zu bereiten. Aber es gibt auch ausgefeilte und ausgefallene Speisen: Hanns Josef Ortheil serviert Kutteln vom Kalb, die er vorher einen Nachmittag lang "verwöhnt" hat. Und Kathrin Schmidt präsentiert eine ganze Platte verschiedener Teigtaschen, eine geradezu multikulturelle Speise, und dazu eine wunderhübsche Kurzgeschichte über Essen und Lieben und Sprache.
Gisèle Freund, Hilde Domin, Inge Deutschkron, Susanne von Paczensky, Margot Friedlander und andere. Die Hörfunkjournalistin Magdalena Kemper hat im Laufe der Jahre viele Gespräche mit Holocaust-Überlebenden geführt. Elf davon sind jetzt in einem Hörbuch versammelt.
Es sind Gespräche, die das ganze Leben in den Blick nehmen und in denen es der Journalistin einfühlsam und kenntnisreich gelingt, ihr jeweiliges Gegenüber nicht nur zum Sprechen zu bringen, sondern auch den tiefen Schmerz zu zeigen, den Diskriminierung und Verfolgung, Vertreibung oder Verhaftung ausgelöst haben.
Magdalena Kemper: Als Kind wünschte ich mir goldene Locken. Gespräche mit Überlebenden der Shoa. Audio Verlag, 4 CDs, € 19,99
Am Freitag, dem 18. Januar 2013, startet in Bremen die 37. Literarische Woche, die in diesem Jahr unter dem Motto steht: "Gier und Gefühl. Geld in Literatur, Wissenschaft und Kunst". Den Auftakt zur umfangreichen Veranstaltungsreihe – in deren Rahmen auch der Bremer Literaturpreis verliehen wird – macht der Psychoanalytiker und Körpertherapeut Tilman Moser mit den zentralen Thesen seines neuen Buchs "Geld, Gier & Betrug: Wie unser Vertrauen missbraucht wird - Betrachtungen eines Psychoanalytikers". Die Veranstaltung beginnt um 19.00 Uhr, Wallsaal der Bremer Stadtbibliothek, Am Wall 201.
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Info: Literaturzeit
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Die Zahl der literarischen Produktionen steigt von Jahr zu Jahr, die Bücher werden optisch immer ansprechender, die Marktstrategien immer raffinierter, die kritische Orientierung aber umso schwieriger. Die 'Literaturzeit', eine Magazinsendung mit Musik, stellt die wichtigsten Neuerscheinungen auf dem deutschsprachigen Buchmarkt vor, Hörbücher und CDs inbegriffen. Sie bewertet, informiert und empfiehlt, bildet Trends und bietet Themen an, berichtet von den großen Buchmessen und von wichtigen literarischen Veranstaltungen in der Region. Gleichrangig mit dem Informationsangebot steht in der 'Literaturzeit' die auditive Vermittlung von Texten. Bücher und Autoren sind zu hören in Lesungen, in Autorengesprächen und in Kritikerrunden. Die 'Literaturzeit' ist die Hörstunde für Bücherwürmer.
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Mo., 19:05 - 20 Uhr
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22. Mai, 20:05 Uhr | Nordwestradio
Lesebuch: Robert Musil
Der österreichische Schriftsteller Robert Musil hat fast zwanzig Jahre lang an seinem Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" gearbeitet. Sie können es hören in unserem "Lesebuch". Mehr...
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