2. Dezember 2012, 19:05 Uhr
Literaturzeit
Michael Augustin, Ostsee-Storys, Edition Temmen
Ob die Nähe eines Meeres, eines Hafens, einer Grenze die Fantasie eines Kindes anregen, beflügeln, wachsen und gedeihen lassen? Bei Michael Augustin, Radio-Bremen-Redakteur und Schriftsteller, scheint das der Fall gewesen zu sein. Sein neues, kleinformatig-himmelblaues Buch "Ostsee-Storys" enthält 34 Geschichten aus seiner Lübecker Kindheit und Jugend (und einige aus späteren Jahren), die einerseits von realen Personen bevölkert werden – von Opa und Oma, von Mutter und Vater, von kleiner Schwester und Schulkameraden –, andererseits von Meerjungfrauen und Kapitänen, Komponisten und Kommunisten, uralten Knochen, Wikingerschiffen und U-Boote … Selbst Sandkörner und Salzwasser erzählen erstaunliche, witzige und manchmal auch traurige Geschichten.
Michael Augustin: Ostsee-Storys, Edition Temmen, 112 Seiten, 9,90 Euro
Lesung: Am 4. Dezember, um 19 Uhr, liest Michael Augustin in der Bremer Stadtbibliothek aus seinen "Ostsee-Storys".
Redaktion und Moderation: Dr. Dorothee Schmitz-Köster
Tomás Gonzáles ist ein studierter Philosoph und hat ein ganzes Bündel praktischer Lebenserfahrung gesammelt: Er hat als Barmann und Fahrradschrauber gearbeitet, war als Journalist und Übersetzer in den USA unterwegs – und hat 2002, nach seiner Rückkehr nach Kolumbien, begonnen, Romane und Erzählungen zu veröffentlichen. In "Das spröde Licht" erzählt er von einem jungen Mann, der nach einem schweren Unfall vom Hals abwärts gelähmt ist, unter unerträglichen Schmerzen leidet und sich schließlich das Leben nimmt. Aber Tomás Gonzáles erzählt nicht nur von Jacobo, sondern auch von seiner Familie, seinen Eltern, seinen beiden jüngeren Brüdern, und wie sie mit Tod und Trauer umgehen. Inge Zenker-Baltes stellt das Buch vor.
Tomás Gonzáles: Das spröde Licht. S. Fischer Verlag, 176 Seiten, 17,99 Euro
Tomás Gonzaléz: Das spröde Licht, [5:34]
Webseite: Weltempfänger - Litprom-Bestenliste
"Schreiben ist gefährlich" – solche Sätze sagt Peter Handke, auf mehr als fünfzig Jahre Schreiberfahrung zurückblickend. Tatsächlich hat der österreichische Schriftsteller Höhen und Tiefen durchlebt, Lebenskrisen durchgestanden und glänzende Erfolge gefeiert, Attacken gegen literarische Rituale und schlechte Bücher geritten und seinerseits Angriffe wegen seiner politischen Position in Sachen Serbien einstecken müssen.
Schon mit 24 Jahren landete Handke mit dem kleinen Roman "Die Hornissen" seinen ersten Erfolg. Bald entpuppte sich der junge Mann mit der Beatles-Frisur und der dunklen Brille als Enfant terrible, provozierte Theaterpublikum ("Publikumsbeschimpfung") und Schriftstellerkollegen gleichermaßen – und wurde bekannt. Gleichzeitig zog er sich immer wieder zurück. Er ging ins Ausland, lebte auf dem Land, reiste jahrelang in die entlegensten Länder und entzog sich damit den Augen des Literaturbetriebes. Dabei schrieb er unentwegt: Romane und Erzählungen, Theaterstücke, Drehbücher für Filme (etwa für Wim Wenders), politische Essays, Gedichte, Hörspiele. Er bekam zahlreiche Preise, darunter den Büchner-Preis und den Bremer Literaturpreis – und mischte sich in die politische Debatte um Serbien ein.
Am 6. Dezember wird der österreichische Schriftsteller 70 Jahre alt. Wir haben eine Handke-Lesung aus dem Jahr 1967 ausgegraben, als der Provokateur selbst zum Objekt einer Provokation wurde …
Lesebuch im Nordwestradio:
Texte von Peter Handke
21. November bis 7. Dezember 2012
Ein Buch, das vom Lesen und von Lesenden erzählt – und damit plastisch vorführt, dass der Umgang mit Büchern trösten und ablenken, neue Horizonte öffnen und Erinnerungen hervorholen kann. In Will Schwalbes anrührendem Bericht lernen wir Mutter und Sohn kennen, die wissen, dass ihre gemeinsame Zeit nur noch kurz ist, dass sie bald mit dem Tod der Älteren, an Krebs Erkrankten enden wird. Die beiden entschließen sich, eine ganz eigene Form der Begegnung zu schaffen: Sie wählen Bücher aus, neue Bücher oder längst bekannte Bücher, die sie zur selben Zeit lesen, um dann darüber zu sprechen. Dadurch entsteht ein Raum, in dem sich Nähe und Intimität mit der Möglichkeit zur Distanz, zum Ausweichen verbinden. Eine Gleichzeitigkeit, die den Umgang mit dem Schmerz und der Angst vor dem Tod einbettet, aufhebt, ertragbar macht. Barbara Dobrick stellt das Buch vor.
Will Schwalbe: An diesem Tag lasen wir nicht weiter. Das letzte Jahr mit meiner Mutter. List Verlag, 384 Seiten, 16,99 Euro
Das Glücksspiel und die Liebe – dieser Verbindung widmet sich Julia Schoch in ihrem neuen, dritten Roman "Selbstporträt mit Bonaparte". Denn beide haben mehr gemeinsam als man auf den ersten Blick vermuten würde. Das Casino ist ein zeitloser Ort, an dem es keine Vergangenheit und keine Zukunft gibt – und die Lieben, die Beziehungen der Gegenwart, die sich in einer "Unverbindlichkeit auf Dauer" bewegen, stehen dem in nichts nach. So können die namenlose Ich-Erzählerin und ihr Lover, den sie Bonaparte nennt, lange in einem abgepolsterten Vakuum ihrer Spiel- und Liebesleidenschaft frönen, bis Bonaparte verschwindet – und die Erzählerin ihrer Sehnsucht, etwas festzuhalten nachgibt und zu schreiben beginnt ...
Julia Schoch: Selbstporträt mit Bonaparte. Piper Verlag, 144 Seiten, 16,99 Euro
Julia Schoch "Selbstporträt Bonaparte", [4:45]
Lesung:
Am 2. Dezember 2012 liest Julia Schoch im Rahmen der Veranstaltungsreihe Literatour Nord um 11 Uhr in Oldenburg (Musik- und Literaturhaus) und um 20 Uhr in Bremen (Café Ambiente).
Jan Brandt liest aus seinem Roman "Gegen die Welt"
Ein Dorf in Ostfriesland. Ein stiller Junge mit viel Fantasie. Als plötzlich ungewöhnliche Dinge geschehen – Schnee im Sommer, Hakenkreuze an Hauswänden, ein Selbstmordversuch eines Schülers – wird ihm die Schuld dafür zugeschoben. Doch je mehr Daniel Kuper versucht, die Vorwürfe zu entkräften, desto mehr spricht gegen ihn. So beginnt er einen Kampf gegen das Dorf und seine Bewohner …
Mittwoch, 5. Dezember, 20 Uhr Thalia Buchhandlung Bremen, Obernstraße 44-54
Artur Becker liest aus alten und neuen Texten
"Der Lippenstift meiner Mutter" hieß sein letzter Roman - aus ihm wird Artur Becker an diesem Abend noch einmal lesen. Gleichzeitig stellt er neue Gedichte vor und erzählt von neuen Büchern, an denen er arbeitet.
Donnerstag, 6. Dezember, 19.30 Uhr, Franz-Leuwer-Buchhandlung, Am Wall 171
Juli Zeh liest aus ihrem letzten Roman "Nullzeit"
Ein Taucherparadies und ein Aussteiger. Und ein undurchsichtiges Paar aus der Welt der Reichen und Schönen. Daraus hat Juli Zeh einen spannenden Roman gemacht, in dem einer fast ermordet wird und ein anderer seine Existenz verliert. "Nullzeit", so der Titel, macht klar, dass "ausklinken" letztlich nicht möglich ist.
Freitag, 7. Dezember, 19.30, in der "LesBar" der Schwankhalle Bremen, Buntentorsteinweg 112
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Info: Literaturzeit
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