6. August 2012, 19:05 Uhr
Literaturzeit
Im Januar dieses Jahres sorgte ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung mit der Überschrift "Sich selbst wieder ernst nehmen" für einige Aufregung. Der Berliner Schriftsteller Ingo Schulze hatte sich schon länger nicht öffentlich geäußert und jetzt sah er nach der Finanzkrise 2008 und der anhaltenden Eurokrise die Demokratie in Gefahr.
Ingo Schulze
Mit Hans Christian Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider" geht er analytisch wie poetisch der Frage nach, wie Börsen und Finanzmärkte eine solche Übermacht bekommen konnten, ohne das es Gegenwehr gab. Schulze schrieb: "Eine Situation, in der es der Minderheit einer Minderheit gestattet wird, es also legal ist, das Gemeinwohl der eigenen Bereicherung schwer zu schädigen, ist postdemokratisch." Das war mindestens erklärungsbedürftig. Ingo Schulze wurde eingeladen, unter anderem zu den Dresdner Reden. Und diese Rede ist jetzt, überarbeitet, als Buch erschienen und trägt den Titel: "Unsere schönen neuen Kleider".
Ingo Schulze: Unsere schönen neuen Kleider. Gegen eine marktkonforme Demokratie - für demokratiekonforme Märkte. Hanser Verlag. 10 Euro.
Die Sendung zum Anhören:
Literaturzeit: Unsere schönen neuen Kleider und weitere Buchtipps, [40:02]
Einen Kommentar zur aktuellen Immobilienkrise Amerikas wollte Paul Auster nicht schreiben. Trotzdem erzählt sein neuer Roman "Sunset Park" von einem krisengeschüttelten Amerika. Die Geschichte beginnt im Jahr der Wirtschaftskrise 2008. Im unglamourösen Stadtteil Brooklyn, nahe des Sunset Parks, haben vier junge Leute ein leerstehendes Haus besetzt, weil sie sich die Miete in New York nicht mehr leisten können. Hauptfigur ist Miles Heller, einst ein vielversprechender College-Student, der sich erst als Entrümpler durchschlägt und schließlich zum Hausbesetzer wird.
Paul Auster: Sunset Park. Rohwolt Verlag. 19,95 Euro.
Paul Austers neues Buch "Sunset Park" ist ein Roman über den Niedergang Amerikas. Der zeigt sich zum Beispiel in den "aufgegebenen Dingen", die ein junger Mann als Entrümpler in Florida aus den enteigneten Eigenheimen überschuldeter Häuschenkäufer schafft. Der Niedergang ist demnach eher bescheiden, traurig und detailreich, eher eine Ansammlung von Geschichten, die aus unterschiedlichen Gründen nicht gut ausgehen, obwohl doch "in Amerika immer alles gut ausgeht", heißt es im Roman. Der ist jetzt auch als Audiobook erschienen, großartig gelesen von Burghart Klaußner.
Paul Auster: Sunset Park. Gelesen von Burghart Klaußner. Audiobook Verlag. 24,90 Euro.
Vor 50 Jahren ist Hermann Hesse gestorben und noch immer scheiden sich an ihm die Geister: Für die einen ist der Nobelpreisträger ein rückwärtsgewandter Produzent von Edelkitsch, für seine Bewunderer einer der größten deutschsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts. Mit Hesse, so schrieb der Feuilletonchef der ZEIT in seinem Nachruf 1962, "sei kein Blumentopf mehr zu gewinnen". Ein großer Irrtum. Schon ein paar Jahre später holten ausgerechnet die Blumenkinder Amerikas den abgeschriebenen Autor zurück – der "Unzeitgemäße" wurde ein Weltautor.
Hermann Hesse
Einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller
Zum 50. Todestag des eigensinnigen Dichters haben sich gleich zwei Biografen daran gemacht, "Das Leben des Glasperlenspielers" neu zu erzählen. Ob Zufall oder nicht: Sie ergänzen sich beide hervorragend. Im Gespräch mit Moderatorin Elke Schlinsog sprechen die beiden Autoren Schwilk und Gunnar Decker über den "'notwendig' leidenden Hesse" und ihre Bücher.
Gunnar Decker: Hesse. Der Wanderer und sein Schatten. Carl Hanser Verlag. 26,00 Euro.
Heimo Schwilk: Hermann Hesse - Das Leben eines Glasperlenspielers. Piper Sachbuch Verlag. 22,99 Euro.
50. Todestag von Hermann Hesse
Zu Gast: Gunnar Decker und Heimo Schwilk
Die Sommerklicks von Paul Tierbach
Das Beste vom Besten gibt es in der KrimizeitBestenliste von der "Zeit" und dem NWR. Tobias Gohlis ist einer der 18 Krimispezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die jeden Monat ihre zehn Krimi-Favoriten auswählen. an der Spitze der besten des Monats August steht weiter "Der Tod von Sweet Mister" von Daniel Woodrell. Es ist bereits der zweite "Country Noir Krimi" aus der Feder des US Amerikaners.
Zum vierten Mal ist Don Winslow mit "Die Sprache des Feuers" auf der KrimiZEIT-Bestenliste. Und: Es gibt 4 Newcomer auf der August-Favoritenliste. Einer von ihnen und auf Platz 7 ist der Krimi "Hoffnung ist Gift" vom Amerikaner Ian Levison. Das ist eine Satire auf das amerikanische Strafjustizsystem, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt.
Auch neu auf der August-Bestenliste und auf Platz 9 ist "Öl auf Wasser" von Helon Habila. Das ist ein Umwelt- und Politkrimi zugleich – und eine Liebesgeschichte, die in Nigeria spielt. Und auf Platz 10 endlich ein deutschsprachiger Krimi: "Triangel" von der Österreicherin Anne Goldmann. Das ist ein spannendes Psychodrama, gemacht als eine Art Kammerspiel, das sich auch wieder im Milieu von Strafvollzugsbeamten bewegt.
Krimizeit-Bestenliste
Kooperation von "Die Zeit" und Nordwestradio
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Info: Literaturzeit
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