2. Oktober 2011, 11:05 Uhr
Mare Radio
Küstenansicht in Island
Ein Bruch geht durch Island, diese Insel geboren aus Wasser und Feuer, beschienen von Nordlicht und Mitternachtssonne. Zwei Kontinentalplatten stoßen hier aufeinander und bescheren den Menschen spektakuläre Ereignisse: da spucken Vulkane unter Gletschereis Feuer und Asche, heiße Quellen und Dämpfe schießen aus trockenem Boden und erst vor wenigen Jahrzehnten tauchte unverhofft das kleine Surtsey aus dem Meer auf.
Mare Radio Island: Playlist [PDF, 19 Kb]
Ständig in Bewegung lehren die Geotektonik und der raue Atlantik die 300.000 Bewohner Islands Respekt und Ehrfurcht vor dieser einzigartigen Natur. Die ist von Wesen bevölkert, die nur die Isländer kennen - davon erzählen nicht nur die alten Sagen. Insel und Meer bieten noch heute eine ideale Kulisse für schaurige Kriminal- und magische Geschichten. Mare Radio geht auf Spurensuche bei einem Völkchen, das sich lange vom Meer ernährt hat und nun aufbricht in die moderne Welt.
Moderation: Silke Behl
Redaktion: Lore Kleinert, Mechthild Müser
Musik: Harald Mönkedieck
Produktion: Radio Bremen 2011
Dem Gewinner des Mare-Rätsels winken attraktive Preise: ein Jahresabo des mare-Heftes und zwei Bücher aus dem mare-Verlag.
Island gilt ja wissenschaftlich betrachtet als das "Baby" der Erdgeschichte. Vor 17 Millionen Jahren begann der Entstehungsprozess der Insel, der bis heute andauert. 99 Prozent der Insel bestehen aus vulkanischem Gestein. Die Isländer machten aus diesem Naturschauspiel einen Mythos. Die Rätselfrage ist: Was überlieferte dieser Mythos?
Die Frage war: warum heißt das Ölzeug eigentlich Ölzeug? Die richtige Antwort lautet: Ursprünglich wurde diese Kleidung aus Leinenstoff hergestellt, dessen Oberfläche mit Öl, oftmals mit Leinöl, imprägniert wurde. Daher der Name.
Ein 17 Kilometer langer Fjord im Osten Islands, in den fünf Monate im Jahr das Sonnenlicht nicht hineinscheint – dort, im 800-Seelen-Ort Seydisfjördur wächst Kristín Steinsdóttir in den 1950er Jahren auf. Ihre Kindheit ist voll von Geschichten: den Isländersagas. Als die Entdeckung riesiger Heringsschwärme im Fjord 1961 einen Wirtschaftsboom auslöst, kommen aus allen Teilen des Landes Saisonarbeiter, aus Dänemark und Norwegen Fangschiffe, aus Russland Fischhändler. Mittendrin, Tag für Tag "im Fisch" arbeitend: die jugendliche Kristín. Ihre mit isländischer Akzentuierung frei erzählten Miniaturen vergegenwärtigen den Rausch einer Zeit plötzlichen Reichtums und mischen ihn mit der Poesie der Kindheit und der Härte eines Lebens im Kampf mit der Natur zu einer Alltagsgeschichte Islands in den 1950er und 1960er Jahren, zu einer mitreißenden Saga vom Erwachsenwerden an einem der nördlichsten Ufer Europas.
Kristín Steinsdóttir: Leben im Fisch (Ausschnitt), [1:57]
Leben im Fisch – Kristín Steinsdóttir erzählt das Island ihrer Kindheit; Konzeption & Regie: Thomas Böhm und Klaus Sander; Erzählerin: Kristín Steinsdóttir; supposé 2011; 3 Audio-CDs, 190 Minuten und Booklet, 12 Seiten; 29,80 €
Island ist in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Die Insel liegt mitten im Nordatlantik und ist die größte Vulkaninsel der Welt. Politisch gehört das Land zu Europa, geographisch zu Nordamerika und geologisch zu beiden Kontinenten. Auf der geologisch jüngsten Insel der Welt herrscht ständige Bewegung, sind die Naturgewalten virulent wie in kaum einer anderen Weltgegend. Es existieren rund 130 Vulkane, von denen 18 in historischen Zeiten aktiv gewesen sind. Insgesamt geht man derzeit von 30 potentiell aktiven Vulkanen aus. Allgemein in Erinnerung ist noch der Ausbruch des Eyjafjalla-Gletschers im Jahr 2010, der zeitweilig den Flugverkehr in großen Teilen Europas lahm legte. Über Island und seine Vulkane hat sich Silke Behl mit der Vulkanologin Sonja Lenz unterhalten.
Island - Gespräch mit der Vulkanologin Sonja Lenz, [9:25]
Sonja Lenz: Inselzeitreisen
Wasserfall in Island
Der Weg nach Island führt jeden Besucher zunächst in die Hauptstadt Reykjavík, wo ca. 70 Prozent der Isländer leben. Das wahre Gesicht der Insel entdeckt man allerdings erst, wenn man Reykjavík hinter sich lässt und an Gletschern und Fjorden entlangfährt, hin zu den Orten, die jenseits der Zivilisation liegen. Dorthin, wo Island noch rau ist und völlig naturbelassen. Mechthild Müser hat an Bord eines Segelschiffes eine Küstenfahrt unternommen und ist an den entlegensten Ecken dem Mythos Island überraschend nah gekommen.
Thomas Böhm ist Leiter des literarischen Programms für die Frankfurter Buchmesse 2011 mit dem Schwerpunkt Island. Mit ihm hat sich Silke Behl zu einer Spurensuche getroffen, allerdings nicht auf der weit entfernten Insel im Nordmeer, sondern im Berliner Museum für Naturkunde. Dort steht am Ende des Bereiches "Urzeit" ein Diorama mit der Nachbildung einer der isländischen Vogelinseln, wie sie für die Küsten der Insel typisch sind. Millionen von Vögeln können an diesen weitgehend unbewohnten Küsten ungestört ihr Brutgeschäft verrichten. Der ohrenbetäubende Lärm, den diese Vögeln verursachen, in Kombination mit den ostinaten Brandungsgeräuschen, ergeben für Thomas Böhm so etwas wie die naturpoetische Stimme Islands, die regelrecht dazu verführen kann, Dichter zu werden. Silke Behl hat sich mit ihm über Island, die Menschen und die Landschaft unterhalten.
Naturpoetisches Island - Gespräch mit Thomas Böhm, [9:24]
Frankfurter Buchmesse 2011: Sagenhaftes Island
Kaum etwas hat in den letzten Jahren in Island für derartige Aufregung gesorgt wie das Neue Konzerthaus "Harpa" am Hafen. Ein von Starchitekten entworfener Monumentalbau, dessen spektakuläre Glasfassade der Künstler Olafur Eliasson entworfen hat. Für die meisten Isländer ist dieses Bauwerk der Superlative, das Unsummen verschlungen hat, allerdings ein ärgerliches Symbol aus der Zeit vor der Finanzkrise, als die Erbauer noch darauf hofften, dass aus dem prosperierenden Finanzstandort Island so etwas wie die Schweiz des Nordens werden würde. Dennoch wurde die Eröffnung zu einem gefeierten nationalen Ereignis. Agnes Bührig hat sich in Islands neuem Renommierbau umgesehen.
Dirk Steffens auf Tauchgang
Die Isländer sind berühmt, für ihre stoische Gelassenheit. Und geradezu berüchtigt für das Bewahren von Ruhe in einer Welt voller Chaos, gerade auch dann, wenn sie mitverantwortlich dafür sind. Das war zum Beispiel 1783 so, als sich in Island ein verheerender Vulkanausbruch ereignete, der über Jahre das Klima in Europa abkühlte, besonders in Frankreich. Eine Naturkatastrophe, die zu Missernten und Hungersnöten führte – und so auch den Ausbruch der Französischen Revolution von 1789 beförderte. Oder man denke an das Jahr 2008, als isländische Banken ins Wanken gerieten und dadurch eine internationale Finanzkrise auslösten. Dirk Steffens hat sich Gedanken gemacht über die Ruhe im Chaos als erste Bürgerpflicht des Isländers.
Mare-Kolumne: Stoisches Island, [2:38]
Dirk Steffens - Die Homepage
Halldór Laxness (1902-1998), der Literaturnobelpreisträger des Jahres 1955, ist der mit Abstand berühmteste isländische Schriftsteller. International bekannt wurde er mit Romanen wie "Islandglocke" (1943) "Atomstation" (1948) oder "Das Fischkonzert" (1957). Ihm gebührt das Verdienst, Island in die Literatur der Moderne eingeführt zu haben. Zugleich wurde er als "Nationaldichter" seines Heimatlandes gefeiert. Allerdings war er das auf völlig unkonventionelle Weise.
Über seinen eigentümlichen Werdegang hat er selbst gesagt: "Ich bin Taoist gewesen, später wurde ich auch Expressionist, Surrealist, Freudianer und so weiter, schließlich marxistischer Mitläufer, obwohl ich Marx nie gelesen habe." Im Jahr 1959 hat Radio-Bremen-Reporter Paul-Dieter Kümper Halldór Laxness besucht und sich mit dem fließend deutsch sprechenden Autor über die Isländer und die Literatur unterhalten.
Gespräch mit Halldór Laxness 1959, [12:55]
Das Halldór-Laxness-Museum in Island
Island war seit jeher ein Land der Fischer und Walfänger. Letzterer ist allerdings seit einiger Zeit in Verruf gekommen und von zahlreichen Staaten geächtet worden. Für die Isländer ist er jedoch Teil einer Jahrhunderte alten Tradition, an der sie mit zäher Energie festhalten. Was die Inselbewohner mit dem Wal als Delikatesse der besonderen Art verbindet, hat Albrecht Breitschuh, Skandinavien-Korrespondent der ARD, in einem Spezialitäten-Restaurant in Reykjavík herausgefunden.
Captain Cook alias Hans Helge Ott präsentiert die schönsten Rezepte aus seiner kulinarischen Seekiste. Diesmal erklärt er die Zubereitung von "Plokkfiskur": Fischtopf auf isländische Art.
Über Mare Radio
In Mare Radio wird das kulturbildende Wesen des Meeres zum Programm, das mit Seelust und Entdeckerfreude die Kategorien von Wissenschaft, Literatur, Politik, Kunst und Musik durchkreuzt, immer auf Seeseite.
Sendezeit:
Jeden 1. Samstag im Monat,
19:05 – 21 Uhr
Wiederholung:
Am darauffolgenden Sonntag,
11:05 – 13 Uhr Mehr...
Rückblick
Pro musica antiqua 1985: Festliches Barock-Konzert
Für die "Pro musica antiqua" 1985 hatte Radio Bremen den Flötisten Hans-Martin Linde und sein in Basel ansässiges Linde-Consort zu einem Konzert mit festlicher Barockmusik in die Ansgariikirche in Bremen eingeladen. Mehr...
26. Mai, 17:05 Uhr | Nordwestradio
Fontane: Unterm Birnbaum
Der Roman "Unterm Birnbaum" erschien 1885. Das scheinbar abseitigste Werk des alten Fontane wurde kaum beachtet. In zwanzig Kapiteln erzählt Fontane eine Mordgeschichte aus dem Oderbruch, die an ein dörfliches Macbeth-Drama erinnert. Mehr...
Poetry on the Road 2012
Vom 30. Mai bis 4. Juni 2012 ist Bremen mit dem Internationalen Literaturfestival "Poetry on the Road“ kultureller Treffpunkt für 24 Dichter aus 15 Nationen. Etablierte Autoren der Weltliteratur Seite an Seite mit hoch interessanten Neuentdeckungen bringen auf Einladung von Radio Bremen und der Hochschule Bremen die Weltsprache Poesie an die Weser. Mehr...
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